Herzogenaurach
Jubiläum

Mit Gürtelschnallen fing bei Schaeffler alles an

Vor 70 Jahren haben Wilhelm und Georg Schaeffler in Herzogenaurach eine Firma gegründet, die heute ein Weltkonzern mit rund 84 000 Mitarbeitern ist.
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Die Firmenzentrale bildet heute in Herzogenaurach fast einen eigenen Stadtteil. Foto: News5/Grundmann
Die Firmenzentrale bildet heute in Herzogenaurach fast einen eigenen Stadtteil. Foto: News5/Grundmann
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Die Schaeffler-Gruppe, eine der großen Erfolgsgeschichten der deutschen Industrie nach 1945, wird 70. Den Grundstein für die heutige Unternehmensgruppe legten die Brüder Wilhelm und Georg Schaeffler 1946 mit der Gründung der Industrie GmbH in Herzogenaurach. Hier befindet sich seither der Hauptsitz der Schaeffler-Gruppe.
Der rasante Aufstieg des Unternehmens begann, als Georg Schaeffler 1949 den Ina-Nadelkäfig erfand. Bald darauf produzierte Schaeffler das käfiggeführte Nadellager in großen Mengen insbesondere für die deutsche Automobilindustrie. Heute ist die Schaeffler Gruppe ein global tätiger, integrierter Automobil- und Industriezulieferer mit rund 84 000 Mitarbeitern weltweit. Das geht aus einer Pressemitteilung des Unternehmens hervor.
Die Geschichte der Schaeffler-Gruppe nahm ihren Anfang in Katscher in Oberschlesien. Dort übernahm Wilhelm Schaeffler ein Textilunternehmen, das später auch Metallprodukte fertigte. Nach einer Zwischenstation in Schwarzenhammer im Fichtelgebirge kamen die Gebrüder Schaeffler 1946 nach Herzogenaurach auf der Suche nach einem Grundstück mit Gleisanschluss für ihr Unternehmen.
Die Stadt verkaufte den beiden Brüdern ein geeignetes Grundstück gegen die Zusage, innerhalb eines Jahres 120 Arbeitsplätze zu schaffen. Diese wurden in Herzogenaurach dringend gebraucht. Ein Jahr später beschäftigte die neu gegründete Industrie GmbH bereits 193 Mitarbeiter. Zu Beginn fertigte die Firma Holzartikel für den täglichen Bedarf: Leitern, Kinderroller, Gürtelschnallen und Knöpfe sowie in Schwarzenhammer als Verkaufsschlager umbaufähige Handwagen.
Bald kamen Metallprodukte hinzu wie Gewindeschneidbacken, Gelenkkreuzbüchsen und Nadellager für den Ersatzteilbedarf. Aus dieser Anfangszeit stammt auch die Markenabkürzung Ina für "Industrie-Nadellager", die Georg Schaeffler Jahre später auf Nachfrage seiner Mitarbeiter auch als "Immer neue Aufgaben" übersetzte.
1949 entwickelte Georg Schaeffler den Ina-Nadelkäfig, in dem die Wälzkörper achsparallel geführt werden. Die neue Bauart war gegenüber den bis dahin eingesetzten Nadellagern kompakter, leichter, zuverlässiger und ermöglichte höhere Drehzahlen. Diese Vorteile verhalfen dem Ina-Nadellager zum industriellen Durchbruch, und im Laufe des Jahres 1950 gelang der Schritt vom Prototyp zum serienreifen Wälzlager. Im September 1950 wurde der Ina-Nadelkäfig zum Patent angemeldet. Schon bald war das Nadellager aus Herzogenaurach eine unverzichtbare Komponente für den Fahrzeug-, Maschinen- und Anlagenbau, ohne die schon 1953 kein neues deutsches Auto mehr fuhr.
Der Erfolg des Nadellagers und seine Weiterentwicklung erforderten eine ständige Ausweitung der Produktionskapazitäten im In- und Ausland. Die Internationalisierung des Unternehmens begann 1951 im saarländischen Homburg, das damals noch zum französischen Wirtschaftsraum gehörte. 1957 nahm das erste Auslandswerk in Llanelli in Großbritannien die Produktion auf. Zwei Jahre später folgte Schaeffler dem Kunden Volkswagen nach Brasilien und eröffnete dort ein neues Werk.
Mitte der 60er Jahre erfolgte der Eintritt in den US-Markt durch eine Unternehmensbeteiligung, aus der 1969 eine eigene Landesgesellschaft hervorging. Nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 kamen Standorte in Osteuropa und in Asien hinzu. Heute verfügt Schaeffler mit rund 170 Standorten in über 50 Ländern über ein weltweites Netz aus aktuell 74 Produktionsstandorten, Forschungs- und Entwicklungszentren sowie Vertriebsgesellschaften.
Im Jahr 1964 trafen die Brüder Schaeffler die Entscheidung, sich in der Firma Lamellen- und Kupplungsbau August Häussermann maßgeblich zu engagieren und gründeten 1965 das Unternehmen LuK Lamellen- und Kupplungsbau GmbH im badischen Bühl. LuK gehört nach Jahren der Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen seit 1999 vollständig zu Schaeffler. Der Spezialist für den Antriebsstrang ist einer der weltweit größten Kupplungshersteller und heute Kern des Unternehmensbereichs Getriebesysteme.
Im Jahr 2001 übernahm Schaeffler die FAG Kugelfischer in Schweinfurt und erweiterte sein Wälzlagerportfolio deutlich. Die Schaeffler-Gruppe ist seitdem zweitgrößter Wälzlagerhersteller der Welt. Weitere Unternehmen und Marken wie Barden, Hydrel, Idam oder Schaeffler Engineering runden das Portfolio der Schaeffler-Gruppe ab.


Seit 2015 an der Börse

Seit dem Tod von Georg Schaeffler im Jahr 1996 führen seine Frau Maria-Elisabeth Schaeffler-Thumann und Sohn Georg F. W. Schaeffler als alleinige Gesellschafter gemeinsam mit dem Management das Unternehmen erfolgreich weiter. 2009 übernahm die Schaeffler Gruppe die Mehrheit an der Continental AG. Heute ist die Familienholding der Schaeffler AG Hauptanteilseigner an dem Unternehmen. Vorstandsvorsitzender der Schaeffler AG ist seit 2013 Klaus Rosenfeld. Mit dem Strategiekonzept "Mobilität für morgen" konzentriert sich Schaeffler sparten- und regionenübergreifend auf die vier Fokusfelder "Umweltfreundliche Antriebe", "Urbane Mobilität", "Interurbane Mobilität" sowie "Energiekette". Im Oktober 2015 ging Schaeffler an die Börse. red
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