Herzogenaurach

Milch und Brei statt Bier und Brezen

Theo ist momentan wohl der jüngste Schausteller auf der Sommerkerwa. An dem Stand "Imbiss Paul" wirft er vor allem einen Blick auf Mama Sabine Paul.
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Drei Generationen an einem Tisch auf der Sommerkerwa: Theo ist der Jüngste, dann kommt Mama Sabine und Opa Rudolf Paul. Foto: Michael Busch
Drei Generationen an einem Tisch auf der Sommerkerwa: Theo ist der Jüngste, dann kommt Mama Sabine und Opa Rudolf Paul. Foto: Michael Busch
Es ist ein fröhliches Glucksen. Erst einmal. Ein lachendes Gesicht. Ein zufriedener Kerl. Offensichtlich genießt Theo Paul die Herzogenauracher Kerwa. Ist ja auch kein Wunder. Der Klang der Karussells im Hintergrund, der Duft von "Braddwörschden" und Zuckerwatte liegt über dem Weihersbachgelände. Und die Maß steht direkt vor dem Gesicht. Doch die interessiert Theo so gar nicht. Er hat Interesse an einem ganz anderem Getränk.

Theo steht auf Milch. Und die von seiner Mama Sabine. Denn Theo ist gerade mal ein halbes Jahr alt. Doch damit ist Theo auf der Kerwa noch nichts Besonderes, Babys trifft man vor allem in den Mittagsstunden zuhauf bei der Kerwa. Traditionen sollte man früh erleben. Das Besondere an Theo ist, dass er sozusagen der "jüngste Schausteller" dort oben am Weihersbachgelände ist.

Mama Sabine betreibt nämlich eine Imbissbude mit vorwiegend fränkischen Schmankerln. Sie gibt allerdings zu:"Wenn der Opa nicht wäre, dann würde das hier nicht so klappen." Denn Opa Rudolf, selber seit Jahren Beschicker der Herzogenauracher Sommerkerwa mit seinem Stand am Ansbacher Tor, übernimmt den Kleinen, wenn die Mama hinter dem Tresen steht und verkauft.


Rettich-Paul ist ein Begriff

"Theo ist aber schon voll auf die Volksfeste eingestellt. Brezeln bekommt er schon mal zum Kauen", sonst ist Milch und Brei angesagt. Dafür schläft der Schausteller in der 3. Generation gut. "Im Normalfall meldet er sich nur einmal in der Nacht", erzählt die stolze Mama. "Das erleichtert einiges." Denn für sie und ihren Mann Alexander geht es nachts immer zurück nach Langenzenn, während Rudolf, der in Herzogenaurach besser als "Rettich-Paul" bekannt ist, im Wohnwagen am Festgelände schläft. Sabine Paul sieht, dass sich die Geschichte immer wiederholt. "Ich war vor 39 Jahren, ebenfalls mit einem halben Jahr, erstmals mit meinen Eltern auf der Kerwa." Sie habe die Faszination "Schaustellerei" dann schnell gefangen. "Mit 16 habe ich so richtig angefangen, da stand ich mit hinter dem Verkauf." Doch bereits mit 12 oder 13 Jahren galt es Brote zu schmieren, Wurst zu schneiden, kleinere Aufgaben zu erledigen.


Durst und Hunger geht vor

Der Weg Theos ist also vorbestimmt? "Nein, er hat alle Wege offen", erklärt die Mutter. Aber sie ist davon überzeugt, dass er der Faszination dieser sehr eigenen Arbeit schon erliegen wird. "Wir sind viel unterwegs. An 32 verschiedenen Standorten in Deutschland." An den vorwiegend kleineren Orten schließe man schnell Kontakte, die sich dann zum Teil über Jahre halten. "Wir haben mit Menschen zu tun und kein Tag gleicht dem anderen."
Könnte Theo schreiben, das würde er sicher unterschreiben. Denn die kleinen Augen sind ununterbrochen in Bewegung. Es gibt am Festgelände zwischen Fahrgeschäften und Kellern ja auch ständig etwas Spannendes zu entdecken. Nur wenn er Durst und Hunger hat, dann ist ihm der ganze Trubel gleichgültig. Dann geht der Blick in Richtung Mama und die hat gefälligst ihre Arbeit zu unterbrechen.

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