Neuhaus
Trauer

"Meine Schwester wohnt im Himmel"

Die kleine Selina aus Neuhaus ist vor acht Jahren gestorben. Ihr Bruder Julian hat sich seinen Kummer in einem Buch von der Seele geschrieben.
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Am 22. August jährt sich der Todestag der kleinen Selina Eibert aus Neuhaus zum achten Mal. Im Tagebuch ihres Bruders Julian, das inzwischen auch als Buch erschienen ist, erfahren wir viel von seinen Gedanken, Ängsten und Hoffnungen. "Eine wahre Geschichte, die zu Herzen geht und voller Hoffnung steckt", heißt es auf dem Bucheinband. "Ich habe drei Geschwister. Zwei an meiner Seite und eine Schwester im Himmel", liest man in Julians Tagebuch.

Feuerwehr und Sportverein


Julian ist jetzt 17 Jahre alt. Die Geschwister "an seiner Seite" sind Manuel (19 Jahre) und Sophie (11). Mit Büchern hatte er eigentlich nie was am Hut. Julian ist lieber im Sportverein und bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und trifft sich gern mit Freunden.

Bis elf Monate vor dem Tod der kleinen Schwester lebte er in einer heilen, ganz normalen Familie. "Mit unserer Mama verbrachten wir im August 2003 eine schöne Zeit bei einer Mutter-Kind-Kur auf Langeoog. Und danach war alles anders", erzählt er dem FT. Selina litt immer häufiger unter Kopfschmerzen. Zuerst fanden die Ärzte nichts Schlimmes. Aber als sich ihr Zustand nicht besserte und die Kleine auch noch anfing zu zittern, fand man endlich in der Kinderklinik heraus, dass im Kopf des Mädchens ein Gehirntumor wuchs.

Tod war vorher nie ein Thema


"Meine Eltern weinten viel und meine Mama schrieb alles in ein Tagebuch. Zuerst verstand ich nicht, was das bringen könnte, aber irgendwann fing ich auch an zu schreiben - und es half", erklärt Julian. "Manchmal hab ich mich selber gewundert, dass ich so was mache, aber jetzt bin ich froh drum. So kann ich heute noch alles nachlesen."

Bis zur schweren Krankheit seiner kleinen Schwester konnte er eigentlich nichts mit dem Tod anfangen. "Es war nie ein Thema", erinnert er sich. Die erste Zeit hatte die Familie große Hoffnung, dass alles wieder gut wird, denn der Tumor war gutartig und Selina besuchte sogar nach der täglichen Bestrahlung den Kindergarten Flohkiste. Alles sah so hoffnungsvoll aus! Aber ab Mai 2004 ging es plötzlich abwärts, und als dann Selina vier Wochen vor ihrem Tod ins Koma fiel, da wurde allen klar, dass es zu Ende geht.

"Meine Eltern haben sie dann nach Hause geholt. Ihr Bett stand im Wohnzimmer und jeder, der sie besuchen wollte, war willkommen", erinnert sich Julian. In der Nacht, als die Vierjährige starb, waren die Eltern und die beiden Brüder am Bett und konnten sich von dem kleinen Engel verabschieden. "Ich fühlte mich so einsam, trotz der vielen Leute, die im Haus waren", steht in seinem Tagebuch zu lesen. Bruder Manuel entließ seinen Schmerz und Frust in dieser schlimmen Trauerzeit einmal so: "Wenn ich in den Himmel komme, dann haue ich Gott erst mal eine rein!"

An Festen fehlt Selina besonders


Oft verkroch sich Julian in seinem Zimmer und heulte. Aber mithilfe des Tagebuches konnte er sich seinen Kummer von der Seele schreiben. Heute geht es ihm wieder besser. "Weihnachten, Ostern und Geburtstag, das sind Feste, an denen uns Selina fürchterlich fehlt", meint er wehmütig.

Julians Mutter ist Krankenschwester. Gleich nach dem Tod der Tochter machte sie die Ausbildung zur Kinderhospizhelferin, und somit kann sie auch ihre eigenen Erfahrungen mit einbringen und einfühlend andere Menschen und Kinder in einer schlimmen Lebensphase begleiten.

Das kleine Büchlein "Meine Schwester wohnt im Himmel" ist überall im Buchhandel erhältlich. Es hilft Menschen und besonders Kindern, die Ähnliches durchgemacht haben, gibt aber auch nicht betroffenen Kindern einfühlsam einen Einblick in diese Problematik.

"Selina wohnt jetzt im Himmel, da bin ich ganz sicher, aber sie ist auch bei uns geblieben - in unseren Herzen", schreibt Julian.


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