Herzogenaurach
Serie Erster Weltkrieg (4)

Material der Nägel zeigt den Spendenwert

Mit Gold-, Silber- und Eisennägeln wurden Kriegswahrzeichen belegt, wenn Zuwendungen in entsprechender Höhe erfolgt waren. Dafür finden sich auch Beispiele im Landkreis Erlangen-Höchstadt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das eiserne Kreuz in Lonnerstadt wurde zu Kriegszeiten auch mit Spendennägeln belegt. Foto: Manfred Welker
Das eiserne Kreuz in Lonnerstadt wurde zu Kriegszeiten auch mit Spendennägeln belegt. Foto: Manfred Welker
+1 Bild
Auch 1916 war von der Fastnacht in Herzogenaurach kaum etwas zu bemerken. Viele Briefe von Soldaten kamen im Pfarramt an und wurden durch den Pfarrer und seinen Kaplan beantwortet.

Am 30. April 1916 führte man die neue Sommerzeit ein. Die Uhren wurden um 23 Uhr um eine Stunde vorgerückt. "Jetzt ist das Vaterland gerettet", notierte sich Pfarrer Müller zu dieser Maßnahme.

Am 30. April wurden die Reichsanleihen in Herzogenaurach gut angenommen, in den Schulen des Distrikts wurden 27 225 Mark gezeichnet. Mit diesem finanziellen Trick sollte die Kriegsmaschinerie am Laufen gehalten werden. Die Anleihen sollten nach dem Krieg mit den zu erwartenden Reparationen zurückgezahlt werden. Außerdem wurden 535 Kilo Altpapier gesammelt und fortgeschickt.
Eine weitere Möglichkeit, Geld einzunehmen war die sogenannte Nagelung von Kriegswahrzeichen, die je nach Höhe der Spende mit Nägeln aus Eisen, Silber oder Gold beschlagen wurden.

Der Bittsonntag am 28. Mai und die Bittwoche wurden nach besonderer Vorschrift des Erzbischöflichen Ordinariats durchgeführt. Am 30. Juli 1916 konnten alle Schüler, die schon kommunizieren durften, an einer Generalkommunion mit dem Anliegen um Frieden teilnehmen. Die beiden Wallfahrten der Pfarrei im August nach Dettelbach und im September nach Gößweinstein fanden statt.


Kinder blieben Schule fern

Durch kriegsgewerbliche Betriebe litt der Schulbetrieb bedeutend. Pfarrer Müller registrierte 1916 viele Schulversäumnisse, da die Kinder vermehrt zu Arbeiten herangezogen wurden. Aber manche nutzten die Umstände der Zeit zu arg aus: "Die Jugend wird frecher, man merkt, daß die Zucht des Vaters fehlt", notierte Müller.

Das Generalkommando gab einen Erlass für Jugendliche unter 17 Jahren heraus. Ihnen war nach 21 Uhr das Rauchen, der Besuch der Wirtshäuser, der Kinos und das Herumtreiben auf den Straße untersagt. Viele begrüßten es, dass eine altersgemäße Schranke gegen "Ausgelassenheit, Großmannssucht nach völliger Gleichberechtigung mit den Erwachsenen" gezogen worden war. Am 3. Dezember 1916 wurde deshalb auch ein männlicher Jugendverein für Herzogenaurach mit über 70 Mitgliedern gegründet.

Am 15. Oktober wurden in der Pfarrei die entbehrlichen Amtsblätter - das Regierungsblatt 1810-1869, das Intelligenzblatt 1818-1853, das Kreisamtsblatt 1854-1860 - zugunsten der Kriegsfürsorge abgegeben.

Durch das Dekret König Ludwigs III. vom 9. November 1916 und das Schreiben des Bamberger Erzbischofs Jacobus von Hauck vom 20. November 1916 wurde nach rund 100-jährigen Bemühungen die Kuratie Weisendorf zur Pfarrei erhoben. Die Ortschaft Buch, die bisher zu zwei Dritteln zu Herzogenaurach gehört hatte, wurde der neuen Pfarrei Weisendorf zugeteilt. "Möge die neue Nachbarpfarrei wachsen, blühen und gedeihen!", schrieb Pfarrer Müller. In Herzogenaurach liefen Sammlungen für das Rote Kreuz. Pfarrer Müller belebte im Oktober den christlichen Mütterverein wieder.

Auch in Herzogenaurach machte sich der Mangel an Kleidung und Schuhwerk bemerkbar. Häufig mussten Stiefel mit Holzsohlen versehen werden. Die Kohlennot wirkte sich nachteilig auf die Schule aus. Im Lazarett im Liebfrauenhaus wurden 1916 insgesamt 393 Verwundete versorgt.

"An Weihnachten 1916 rechnete hier fast alles auf den Frieden..." schrieb Müller. 1916 hatte die Herzogenauracher Pfarrei 26 Gefallene zu beklagen. Die Angehörigen erhielten Gedenkblätter von König und Kaiser zugesandt.
Verwandte Artikel

Kommentare (1)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren