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Adelsdorf
Interview

"Man sehnt sich nach dem Flair"

Die "Dorfrocker" feiern ihr zehnjähriges Jubiläum in der Heimat. Im Gepäck für das "Dorf Air" in Adelsdorf haben sie prominente und lokale Unterstützung.
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Garantiert gute Stimmung: die "Dorfrocker" Markus, Tobias und Philipp (von links) Foto: Archiv
Garantiert gute Stimmung: die "Dorfrocker" Markus, Tobias und Philipp (von links) Foto: Archiv
Am kommenden Samstag, 17. Juni, wird der Adelsdorfer Schlossgarten zur Partyzone. Anlass ist das zehnjährige Jubiläum der Band "Dorfrocker". Beim "Dorf Air" stehen außerdem die Schlagerlegenden der "Wildecker Herzbuben", Mallorca-Sänger Markus Becker, der ehemalige "Voxxclub"-Frontmann Julian David und Newcomerin Jenny Frankhauser auf der Bühne. Dazu die Adelsdorfer Formation "On Stage". Wir haben vorab mit "Dorfrocker" Markus Thomann gesprochen.

Herr Thomann, wie ist es denn so, in der alten Heimat zu spielen?
Markus Thomann: Das ist schon etwas Besonderes, weil unsere Mutter aus Wiesendorf stammt und Tante, Onkel und Cousine seit jeher da wohnen. Mit dem mittleren von uns drei Brüdern habe ich dort vor 20 Jahren einen unserer ersten Auftritte überhaupt gespielt. Von daher schließt sich für uns jetzt ein Kreis. Wir freuen uns sehr auf das Konzert und dass die Gemeinde und der Bürgermeister so dahinter stehen.

Euer erster Auftritt als "Dorfrocker" war im Fernsehen bei Florian Silbereisen. Wie kam es dazu?
Circa 2005 haben wir beschlossen, eigene Songs zu machen. Die haben wir dann an Plattenfirmen geschickt. Die Ariola in München hat uns dann eingeladen, um ein Lied noch mal in "gescheitem" Sound aufzunehmen. Dann haben wir einen Plattenvertrag bekommen und so kam auch der erste Fernsehauftritt zustande.

Hatten die Songs, die ihr eingeschickt habt, damals schon euren heutigen Stil?
Ja, wir haben von Anfang an E-Gitarre und Akkordeon gemischt. Für die damaligen Verhältnisse war das eigentlich alles zu rockig. Ich erinnere mich noch: In der Sendung hatten wir damals ein Outfit mit roten Chucks an. Da haben dann viele gesagt: Was wollen denn die jungen Verrückten hier? Da war es noch verpönt, wenn man zur Lederhose etwas anderes als Haferlschuhe anhatte. Mittlerweile ist es normal, dass jemand ein Shirt zur Lederhose anhat, oder coole Schuhe.

Habt ihr da einen Trend losgetreten, auch musikalisch?
Naja, was heißt losgetreten? Damals gab es mehr klassische volkstümliche Künstler und Schlagerkünstler. Da wurde eher in Sparten gedacht: Das eine ist Karl Moik, die anderen sind Marianne und Michael oder Stefan Mross. Das hat sich alles entwurzelt, vor allem durch Helene Fischer. Klar, das liegt auch immer im Auge des Betrachters. Wenn jemand Heavy Metal hört, dann ist Helene Fischer freilich Schlager. Aber wenn man die Musik mit dem Schlager von vor 15 Jahren vergleicht, dann ist das schon etwas anderes. Als wir begonnen haben, waren wir deshalb auch etwas Spezielles und sicher sind dadurch die Genres mehr zusammengewachsen.

Habt ihr manchmal das Bedürfnis, andere Musik zu machen?
Das, was wir machen, ist schon das, was wir auch machen wollen. Unser Sound ist live ja auch ziemlich druckvoll und spricht alle Generationen an. Viele junge Leute mögen es, weil die Stimmung immer gut ist. Die Älteren kennen uns von den TV-Auftritten, wobei wir auch da ein breiteres Spektrum abdecken, als nur Musikantenstadl. Es gibt auch die ganze Apres-Ski und Partyfraktion. Wir sind mit unserem Sound da breit aufgestellt. Er ist rockig, weil eine E-Gitarre dabei ist, aber es ist keine reine Rockmusik. Alleine schon, weil das Akkordeon dabei ist und es deshalb volkstümlich wirkt.

Ihr habt auch schon in Las Vegas gespielt. Ist das ein krasser Kontrast zu Auftritten in Deutschland?
Wir sind ja jedes Jahr in den USA und spielen nicht nur in Las Vegas, sondern auch bei Oktoberfesten in anderen Städten. Beim ersten Mal kann man sich nicht vorstellen, dass die Amerikaner deutsche Musik wollen. Was wir aber festgestellt haben ist, dass man damit wahnsinnig gut ankommt. Viele haben deutsche Wurzeln und verstehen ein paar Brocken. Von der Stimmung her ist das jedes Jahr ein Highlight. In Deutschland gibt es auch wahnsinnig viele schöne Auftritte, aber dafür, dass die Amerikaner die deutschen Texte gar nicht verstehen, ist die Stimmung dort überwältigend.

Ihr drei Brüder seid nun schon seit zehn Jahren auch beruflich eng verbunden. Braucht man da auch mal Urlaub von einander?
Wir sind das ganze Jahr über unterwegs, zum Beispiel von Januar bis April 75 Tage am Stück. Da sitzt man quasi nur aufeinander. Der eine kennt den anderen in- und auswendig und jeder tickt ein bisschen anders. Wir haben aber eine offene Kommunikationskultur. Jeder sagt, was er denkt. Klar gibt es auch Diskussionen, aber das Gute ist: Bei drei Leuten gibt es immer eine Mehrheit. Bisher hat das immer gut geklappt. Unabhängig davon ist man aber froh, wenn wir jedes Jahr im Dezember bewusst zwei Wochen nichts machen und jeder in den Urlaub fährt.

Was steht bei den "Dorfrockern" sonst aktuell an?
Wir sind jetzt schon in den ersten Zügen fürs neue Album. Außerdem zieht unser Song "Dorfkind" immer weitere Kreise. Wir haben jetzt mit der sogenannten "Königin von Mallorca" Mia Julia eine Mallorca-Version aufgenommen und ein Video gedreht. Das ist seit zwei Monaten online und geht schon auf eine Million Klicks zu. Es gibt auch den Fußballverein Sportfreunde Lotte in der dritten Liga. Darauf ist man schon stolz, weil man weiß: Der Ursprung liegt hier bei uns in Franken, aber es zieht trotzdem so weite Kreise.

Welche Ziele habt ihr noch als Band?
Der Weg ist das Ziel. Die CD-Verkäufe gingen zum Beispiel auch Stück für Stück hoch. Wir sind nicht die Typen, die sagen: Jetzt haben wir eine Stufe erreicht, jetzt machen wir ruhig.

Was vermisst ihr an der alten Heimat?
Ein bisschen Sehnsucht nach der Heimat hat man immer. Egal, in welcher Region du bist: Man lernt die kulinarische Vielfalt von Zuhause zu schätzen. Die vielen Bierkeller oder Wirtschaften, wo Leute ihre eigenen Produkte anbieten. Man sehnt sich nach dem Flair. Wir sind ja in vielen Städten unterwegs, aber Bamberg ist beispielsweise absolut oben anzusiedeln, was die Schönheit angeht. Wir haben auch festgestellt, dass die Leute vor zehn Jahren Franken nicht so auf dem Schirm hatten. Jetzt sagen die auch mal: Ja, ich war neulich hier oder dort. Nicht nur in Hotspots wie Rothenburg, sondern auch mal in Zeil, Ebrach oder Pottenstein.

Das Gespräch führte Jann Weckel.

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