Die Leiche Marcel (Leni Feyrer) bekam erst einen Lachkrampf und dann keine Luft mehr, die Gymnasiastin aus der 8b musste einiges aushalten, weil ständig jemand am Tuch zupfte oder die Kapuze enger schnürte, bevor die Probe richtig losging.

Das Mittelstufentheater des Gymnasiums probt derzeit unter der Regie von Martin Schlund das Stück "Frühlingserwachen" von Franz Wedekind. Das gesellschaftskritisch-satirische Drama ist die Geschichte mehrerer Jugendlicher, die im Zuge ihrer Pubertät mit den Problemen ihrer sexuellen Neugier und der psychischer Instabilität konfrontiert sind.

Wie geht das mit der Liebe? Wie geht das mit dem Sex? Das fragen sich die Jugendlichen aus dem Stück. So lächeln von fast jeder Plakatwand barbusige Schönheiten und jede zweite Seite im Internet enthält eindeutiges und vor allem frei zugängliches Anschauungsmaterial. Doch hilft das weiter? Von Smartphones, Internet und zahlreichen Ratgebern umstellt, frag sich die sogenannte "Generation Porno" immer noch das Gleiche: Wie geht das mit der Liebe? Wie geht das mit dem Sex?


Mit Klebeband die Leiche zum Schweigen bringen



Marcel (Leni) unter dem schwarzen Tuch jammerte vor sich hin. "Geht's jetzt bald los, ich sehe nichts und warm wird es auch langsam", beschwerte sich die Gymnastin. Aber es ging noch nicht los. "Wer hat das schwarze Klebeband gesehen", wurde dazwischen gerufen. "Damit verkleben wir der Leni den Mund, damit sie endlich ruhig ist und nicht dauernd quatscht", meinte Sven nicht ganz ernst gemeint. Das Klebeband wurde aber trotzdem gebraucht, ein Teppich musste befestigt werden und Leni moserte weiter vor sich hin. Dann aber wurde es ernst, Martin Schlund bat alle, die Plätze einzunehmen.

Die Leiche Leni war dann, als Martin Schlund "Action!" rief, still und lag bewegungslos auf dem Bühnenboden. "Eigentlich sollte Marinus (Oliver Mende) die Leiche spielen, aber bei den Proben ist der zu schwer zum wegtragen", erklärte Angela (Marina Obermeier) noch schnell die Umbesetzung.

Das Stück bietet einen lauten und dramatischen Abend über die Abwesenheit der leisen Töne - und über eine Jugend, über die schon alles gesagt wurde, und die doch keiner mehr kennt. Die Vorstellungen in der Aula des Gymnasium finden am 14., 15. und 16 Juni statt. Beginn ist um 19.30 Uhr, Einlass eine halbe Stunde vorher. Schüler zahlen 4 Euro und Erwachsene 5 Euro.