"Nein, Schluss ist noch nicht - wir werden weiter gegen den Mobilfunkmast kämpfen." Willi Merz, einer der Organisatoren der Bürgerinitiative, die gegen den Mobilfunkmast des Unternehmens O2 in dem Erlanger Ortsteil Eltersdorf protestierten, weiß um die Außenwirkung einer aktuellen Entscheidung. Denn die Montagsdemonstration wird erst einmal ausgesetzt.

Schlechte Lichtverhältnisse


"Das hat nichts mit einer eventuellen Müdigkeit der Teilnehmer zu tun", bekräftigt Merz. Die wiederum über 200 Teilnehmer beim Marsch am Montagabend bestätigen dies eindrucksvoll. "Es hat schlichtweg mit der Sicherheit zu tun." Bereits jetzt ist es gegen 18.30 Uhr dunkel, wenn die Uhren am kommenden Wochenende um eine Stunde umgestellt werden, seien die Lichtverhältnisse noch schlechter. "Wir wollen kein Risiko eingehen, dass es auf der Hauptstraße zu einem Unfall kommt", ergänzt Merz.
21 Montage sind die Eltersdorfer und Sympathisanten zweimal um das Viertel gezogen, wo der Mast auf einer alten Scheune aufgesetzt wurde. 21 Montage, mit bis zu 400 Demonstranten an vereinzelten Tagen, im Durchschnitt 250 Mitlaufende, wollten sich nicht damit abfinden, dass ein Mobilfunkunternehmen wie O2 auch gegen den Willen der Bürger solch einen Masten inmitten des Dorfkerns aufstellen lassen durfte.
O2 -Pressesprecher Thomas Lichtenberger hatte bereits früh mitgeteilt, dass dem Unternehmen die Belange der dortigen Bürger egal seien. Im selben Gespräch hatte er erklärt, dass sein Unternehmen, zu dem auch "Alice" gehört, sich nicht bewegen werde. Man habe alle Alternativen hinlänglich geprüft. Dass es durch die Beharrlichkeit des Mobilfunkriesen zu einem dörflichen Unfrieden gekommen sei, kommentierte er im Mai mit den Worten: "Das ist nicht unser Problem."
Über 10 000 Kilometer haben die Demonstranten insgesamt zurückgelegt, " O2 hat sich keinen Schritt bewegt", wie ein Demonstrant erklärt, der sämtliche Runden mitgelaufen ist. Und ergänzt: "Ich werde weiter gegen den Mast kämpfen, denn es geht mir nicht um meine, sondern die Gesundheit meiner Kinder." Sauer sind die Eltersdorfer auf "ihre" politischen Vertreter im Erlanger Rathaus. Wenige Ausnahmen sind mitgelaufen und hätten sich für das Begehr der Mobilfunkgegner eingesetzt.

Kampf für die Gesundheit


Die Stadt hat bereits früh mitgeteilt, dass sie beim Mobilfunkmast in Eltersdorf ohne Handlungsspielraum sei. Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) hatte bereits vor den Sommerferien unterstrichen, dass die Stadt keinerlei rechtlichen Handlungsspielraum habe, den Mast zu verbieten oder eine Aufstellung an einem anderen Ort zu erzwingen.
Aufgrund der von vielen Bürgern geäußerten Bedenken wegen einer möglichen Strahlenbelastung habe die Stadt das bürgerschaftliche Anliegen noch einmal in rechtlicher wie umwelttechnischer Hinsicht geprüft und über die Ergebnisse in einer Abendveranstaltung in der Grundschule Eltersdorf informiert.
Das Ergebnis: Die Stadt würde rechtswidrig handeln und sich damit auch schadensersatzpflichtig machen, wenn sie dem Betreiber des Mobilfunkmastes die Nutzung untersage. Die vom Umweltamt gemeinsam mit Experten durchgeführte Prüfung der Strahlenbelastung ergab, dass die von der Stadt Erlangen angestrebten zehnmal strengeren Schweizer Grenzwerte nicht nur eingehalten, sondern sogar teilweise unterschritten wurden.
Wie ein Hohn klingt für die Demonstranten eine Begründung des Verwaltungsgerichtes in Mannheim. Dort hatten die Richter in ihrer Urteilsbegründung zu einer ähnlichen Problematik in der Nähe von Mannheim geschrieben: "...dass die Anlage (in Mannheim) jedenfalls zum gegenwärtigen Zeitpunkt nach heutigem Stand der Technik keine schädlichen Umwelteinwirkungen hervorruft”.
Mit Laternen wurde der letzte Umzug gestaltet - doch die Lichter sind noch lange nicht aus, wie Willi Merz den Eltersdorfern erklärt.


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