Höchstadt a. d. Aisch
Hilfsprojekt

Leben retten mit Plastikdeckeln

Höchstadter Grundschüler sammelten 8000 Flaschenverschlüsse. Der Erlös aus der Wiederverwertung hilft, Kinderlähmung zu verhindern.
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Die Kinder schütteten die bunten Deckel in einen großen Sack, den Hendrik Seegebarth zu zum Recyceln nach Nürnberg schickt. Foto: Larissa Händel
Die Kinder schütteten die bunten Deckel in einen großen Sack, den Hendrik Seegebarth zu zum Recyceln nach Nürnberg schickt. Foto: Larissa Händel
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"500 Plastikdeckel = ein Leben ohne Kinderlähmung." Was zunächst wie eine seltsame Gleichung aussieht, offenbart sich nach genauerer Betrachtung als eine echte Win-win-Situation. Denn das Projekt des Nürnberger Vereins "Deckel drauf" zielt einerseits darauf ab, weniger Müll zu produzieren. Die Plastikdeckel auf Flaschen gehen so ohne Umwege durch die Untiefen der Supermarkt-Rückgabeautomaten direkt in die Wiederverwertung. Dort werden sie zu Granulat zerschreddert und zu neuen Produkten, wie Rohren, Gartenbänken oder neuen Deckeln, verarbeitet.


Rotary Club verdoppelt

Andererseits kommt der Erlös des Rohmaterials sozialen Zwecken zugute. Im ersten Schritt wird das Projekt "End Polio Now" unterstützt, das es sich zum Ziel gesetzt hat, dass kein Kind mehr an Kinderlähmung erkranken soll.
"Wir wollen, dass die Kinder nicht mehr krank werden und mit der Impfung kann keiner mehr Kinderlähmung kriegen", sind sich auch die Erstklässler der Grundschule Höchstadt Süd sicher. Zusammen mit den Jahrgangsstufen zwei bis vier haben sie etwa 8000 Plastikdeckel gesammelt. Der Erlös daraus wird von den Rotary Clubs nochmals verdoppelt. Das entspricht letztendlich 48 Impfungen.

Die Höchstadterin Sabine Grasse hatte dafür gesorgt, dass die Aktion auch in Höchstadt Anklang fand. Zusammen mit Hendrik Seegebarth, der das Projekt in Herzogenaurach bekannt machte, holte Grasse die vielen Plastikdeckel aus der Grundschule ab. Als gelernte Krankenschwester hatte sie die Infektionskrankheit, die die muskelsteuernden Nervenzellen des Rückmarks befällt, in den 60er-Jahren mit eigenen Augen erlebt. "Besonders schlimm finde ich, dass nicht nur Arme und Beine, sondern auch die Lunge befallen sein kann. So etwas wünscht man keinem Kind", sagte sie. In Deutschland gilt die Polioerkrankung zwar als ausgerottet, doch besonders in Afrika und Asien tritt die sie noch viel zu oft auf. 48 Kindern bleibt dieses Schicksal dank den fleißigen Sammlern nun erspart.
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