Großenseebach

Lauschangriff im Reichstagsklo

Claus von Wagner, Mathias Tretter und Philipp Weber lästerten beim Großenseebacher Herbst gekonnt über die Abhör-Affäre, die Lage der FDP und die Vorgänge um Bischof Tebartz-van Elst.
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Philipp Weber, Claus von Wagner und Mathias Tretter nahmen mit heruntergelassenen Hosen die Bundespolitik aufs Korn. Foto: Richard Sänger
Philipp Weber, Claus von Wagner und Mathias Tretter nahmen mit heruntergelassenen Hosen die Bundespolitik aufs Korn. Foto: Richard Sänger
"Die letzte Tour" führte das Kabarettisten-Trio an Orte, an denen es noch nie gesehen wurde: die afrikanische Steppe, chinesische Biobauernhöfe, Kassel und auch nach Großenseebach. "Erstes Deutsches Zwangsensemble" - das sind Claus von Wagner, Philipp Weber und Mathias Tretter, zusammen Träger von 37 Kleinkunst-Preisen, darunter der Europäische Kabarett-Preis "Salzburger Stier".
Als Höhepunkt der Veranstaltunsgreihe Großenseebacher Herbst brachte das Ensemble, das sich perfekt ergänzt, die Mehrzweckhalle zum Beben. Insbesondere das aktuelle Tagesgeschehen, zu dem die drei wunderbare Sketche entwickelten, sorgte für viele Lacher in der gut besetzten Halle. Gnadenlos werden die immer gleichen Sprüche selbstgerechter Politiker aufs Korn genommen, belauscht auf einer Reichstagstoilette.
Natürlich beschäftigt sich "die letzte Tour" mit der aktuellen Politik und der Bundestagswahl.
So habe sich die FDP von der Existenz ebenso verabschiedet wie die Grünen von der Macht. "Wir verabschieden uns natürlich jetzt noch nicht, wir haben schon noch was", meinten die Kabarettisten auf der Bühne. "Den Rainer Brüderle habe wir schon hundert Mal verabschiedet, aber er war immer wieder präsent."
Und dann wurde das abgehörte Handy der Kanzlerin näher beleuchtet und die ganze Abhör-Affäre. Amerikaner kämen schon mit einem Verfolgungswahn auf die Welt, und der Säugling schießt sofort auf die Nachgeburt, mutmaßten die Kabarettisten. Wegen des Abhörskandals wurde auch der amerikanische Botschafter einbestellt. "Der Botschafter war eine Stunde allein mit Guido Westerwelle, gerade mit dem Westerwelle. Nach einer Stunde verabschiedete der Guido den Botschafter mit 'Auf Wiedersehen' und der Botschafter antwortete: 'Lieber nicht'". Solche Späße kommen natürlich beim Publikum an. Auch dass Angela Merkel mit ihrer Amtszeit ihren Übervater überholen wird, denn sie werde Erich Honecker toppen.
Natürlich war auch der Limburger Bischof Tebartz-van Elst ein Thema. "31 Millionen für ein Pfarrhaus ist doch nicht zu viel", und genau in diesem Moment knarrte der Lautsprecher. Mit "der liebe Gott straft sofort" wurde das scheinbar defekte Mikrofon ins Geschehen eingebunden. Ein gelungener Auftritt, bei dem von Wagner, Weber und Tretter bewiesen, dass sie gemeinsam unschlagbar sind.

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