Zum dritten Mal stellt der Künstler Thomas Richter aus Oberalbach (Wachenroth) - der Maler von nebenan - im Kellerhaus in Pommersfelden seine Werke aus, jedoch ist an diesem Abend eine besondere Atmosphäre zu spüren. Unter dem Thema "Irish-Fränkische Ansichten" sind Werke in Öl und Acryl in sehr unterschiedlichen Formaten zu bewundern sowie Skulpturen, die sich so harmonisch einfügen, als hätten sie ein festes Zuhause im Garten des Kellerhaus-Cafès gefunden.

Mut bewiesen


Bei der Vernissage wurden Richters Werken in einfühlsamer Weise Klavierkompositionen gegenüber gestellt, denn der gebürtige Forchheimer Musiker Lucky Schmidt - bekannt vor allem als Drummer aus den "wilden Sechzigern" mit der damaligen Band "Bentox" und später "Wind" , begeisterte durch seine hingebungsvolle und virtuose Kunst am Flügel. "Heute spielt der Künstler zwar lieber Klavier, erinnert sich aber noch immer gerne an die erfolgreiche Zeit des Krautrocks zurück", meinte der Gastgeber zu Beginn des Abends.

Jürgen Sandweg, Kurator des Kunstmuseums Erlangen, hielt die Laudatio und betonte "Was uns verbindet ist inzwischen ganz viel und nicht nur das gleiche Alter." Ernst und respektvoll fuhr Sandweg fort "Thomas Richter war mutig genug, als freier Künstler zu leben, was verdammt schwer ist! Ich verneige mich vor ihm."

Richter ist in Chemnitz aufgewachsen und hat zusammen mit seiner Schwester nach dem Abitur "rüber gemacht", wie er erzählt. "Ich hätte mich freiwillig zur Armee melden müssen und das ging gar nicht. Also blieb nur der Westen als Lösung." Es gab noch keine Mauer, also war es leichter. Schon als Schüler hat es ihn zur Kunst hingezogen. "Mein Vater, der Großvater und noch weiter zurück - alle waren Architekten. Vater malte auch gerne und schön und so bewunderte ich ihn schon als kleiner Junge sehr." Im Westen studierte Richter, der heuer seinen 70. Geburtstag feiert, Baugeschichte, Architektur, Bildhauerei und mehr an der TU (Technische Universität) in Berlin. Später in Erlangen kamen noch Kunstgeschichte und Archäologie dazu.

Bei den Franziskanern nahm er von 1964 bis 1965 eine Auszeit. "Ich kam zu einer Umbesinnung und dachte über mich nach. Dieser Aufenthalt war sehr richtungsweisend für mich, aber erst im Jahr 1972 - bis dahin war ich als Architekt in Nürnberg und Erlangen tätig - wagte ich den endgültigen Schritt zum freischaffenden Künstler", erzählte er im Gespräch mit dem FT. "Ich hab's einfach gewagt - aber nicht direkt gewonnen. Es klappte aber ganz ordentlich."

Rätsel bleiben zurück


"Richter schaut und malt, er malt nicht von Fotos ab. Seine Bilder haben für mich etwas Anrührendes. Sie sind fast ausnahmslos ruhig und der Betrachter muss sich in sie hinein begeben. Sie erzählen Geschichten, die nicht aufgehen. Ein Rätsel bleibt immer zurück", sagt Laudator Sandweg.

Unzählige Ausstellungen von Bamberg über Jena, Berlin, Bad Ischl, um nur einige zu nennen, hat Richter bereits mit Werken sowohl aus der Bildhauerei wie aus Malerei veranstaltet. Was liegt dem Künstler jetzt mehr? "Ich liebe alles gleich, obwohl die Bildhauerei in den letzten Jahren mehr geworden ist - sie wird immer gefragter. Je älter ich werde, umso mehr Menschen kommen auf mich zu und wollen Skulpturen haben. Das freut mich und ich mache es auch gerne. Aber trotzdem tritt die Malerei nicht in den Hintergrund."

Das "Irish-Fränkische" steht in dieser Ausstellung im Mittelpunkt. Richter war vor drei Jahren für 14 Tage im Böll-Haus auf Achill Island in Irland, nahe Höchstadts irischer Partnerstadt Castlebar. "Thomas Richter ist fast schon so etwas wie unser Haus-Künstler", berichtet Rosemarie Hofmann, die Betreiberin des Kellerhauses. Die "irish-fränkischen" Werke von Richter sind den ganzen Sommer über zu bewundern.

Auf die Frage, ob Richter von seiner Kunst gut leben könne meinte er: "Da ich nicht sehr anspruchsvoll bin, geht es gerade so. Aber alle Künstler sind eigentlich immer auf Sponsoren angewiesen. Kunst ist der Luxus einer wohlhabenden Gesellschaft!"