Klaus Korn, Leiter der Seniorenresidenz Herzogenaurach, hat es in einem Schreiben an den Fränkischen Tag klar formuliert: "Die Furcht der Mitarbeiterin, dass sie bei lauter Kritik Angst um ihren Job haben muss, ist unbegründet." Und weiter: "Begründete Kritik, unabhängig von welcher Seite, sehen wir als Chance, unsere Arbeit weiter zu verbessern." Doch begründet müsse sie sein.

Androhung von Strafen


Darüber kann eine der Angehörigen einer Bewohnerin des Hauses nur lachen. Denn ihr flatterte ein Schreiben der Curanum AG ins Haus - der Betriebsträgergesellschaft des Hauses in der Tuchmachergasse. In diesem gab es allerdings keinen "Dank" oder Anregungen für die von ihr geäußerte Kritik, sondern eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung. Das Schreiben, das der Redaktion durch einen Mitarbeiter des Hauses zugeleitet wurde, stellt klar, was passieren soll, wenn die Angehörige die Seniorenresidenz Tuchmachergasse in der Öffentlichkeit verunglimpft.
Zur Erinnerung: Im August hatte die Betroffene der Redaktion ihr Leid geschildert. In dem Haus gebe es untragbare Zustände, die für die dortigen Bewohner unerträglich seien. Da sie der Heimleitung bereits mehrfach die Problematik geschildert habe, dies aber ohne Erfolg, habe sie sich entschlossen, in die Öffentlichkeit zu gehen.
Eine Mitarbeiterin des Hauses hatte ebenfalls Informationen über das Vorgehen im Haus geliefert, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass sie Angst um ihren Job habe, wenn sie verrate, wer sie ist. Die Verantwortlichen reagierten mit einem Schreiben, das vor allem beinhaltete, wie die Situation tatsächlich sei und dem Hinweis, dass Kritik geäußert werden müsse. Das druckte der Fränkische Tag ebenfalls ab.
Dass es zu Veränderungen im Hause in Folge des Zeitungsartikels kam, bestätigten die Beschwerdeführerin ebenso wie Bewohner im Haus und auch Pflegepersonal. Es kam aber auch zu der Erklärung. Um diesem neuen Schreiben Nachdruck zu verleihen, wird zum einen gleich darauf hingewiesen, dass "für den Fall der Zuwiderhandlung gegen die Unterlassungsverpflichtung (...) die Zahlung einer Vertragsstrafe an die Curanum AG in Höhe von 2500 Euro" fällig sei. Außerdem sei der Schaden der AG zu ersetzen, der durch die vermeintliche ruf- und geschäftsschädigende Äußerung entstanden sei.
Außerdem solle die Beschwerdeführerin die Anwaltskosten von 411,30 Euro übernehmen.

Keine Reaktion aus dem Haus


In der Folge listet die Kanzlei nochmals die aus ihrer Sicht rufschädigenden Aussagen auf. Weder die menschenverachtende Begleitung über den Tag sei der Fall, noch die Behauptung, dass die Bewohner in den Essenszeiten sich selber überlassen seien. Auch dass das Personal überfordert sei, stimme nicht. Dass eine Mitarbeiterin des Hauses diese Aussage bestätigt hatte, darauf geht das Unternehmen nicht ein.
Diese erklärt auf Nachfrage, dass im Haus intensiv nach der "Verräterin" gesucht werde. "Es wird ganz offen über die Entlassung gesprochen, wenn man dahinterkomme", erklärt die Mitarbeiterin. "Offen mit der Kritik umgehen", dem stehe gegenüber die anwaltliche Aufforderung, zu schweigen.
Die Verantwortlichen selber reagieren wie bei der ersten Veröffentlichung: "Kein Kommentar", "Herr Korn ist in dieser Sache nicht zu sprechen", "Sie dürfen dieses Schreiben nicht haben, geschweige denn veröffentlichen." Da wirkt der letzte Absatz des Schreibens an die betroffene Tochter fast wie ein Hohn: "Für die Zukunft bitten wir Sie, etwaige Probleme oder Beschwerden auf direktem Wege an die Mitarbeiter, die Heimaufsicht oder den Heimbeirat zu richten, um unmittelbar und effektiv darauf reagieren zu können."
Die Angeschriebene wird laut ihrer Auskunft nicht zahlen. "Das ist ein Einschüchterungsversuch, den ich nicht hinnehme", erklärt sie auf Nachfrage.

Der Kommentar dazu:

Leere Worte, volle Heime
Die Reaktionen der Verantwortlichen des Pflegeheimes überraschen nicht. Es war vorhersehbar. Denn in den meisten Heimen ist so reagiert worden wie in Herzogenaurach. Nach außen hin wird erst einmal beruhigt, propagiert, wie gut man eigentlich sei, und dass man selbstverständlich der Kritik offen gegenüberstehe. Im zweiten Teil der Reaktion wird es dann unangenehm. Mitarbeiter werden wegen ihrer Mitteilungsfreudigkeit gesucht, um sie zu maßregeln, Außenstehende erhalten Post vom Anwalt. Damit wird versucht, die Menschen einzuschüchtern, die ihre Lieben in fremde Hände gegeben haben, um sie optimal versorgen zu lassen.
In solchen Momenten wird es dann deutlich, dass es bei dem Geschäft mit den Alten nur um das Geschäft geht. Möglichst hohe Rendite erzielen, die Geschäftsführergehälter sind teuer. Skurril ist lediglich, dass anderen der Mund verboten werden soll, um Schaden vom Hause abzuwenden, dabei produzieren die Verantwortlichen durch solche Reaktionen den nachhaltigsten Schaden. (Michael Busch)