Niederndorf

Kritiker: Südumgehung ein Frevel an der Natur

Die Demonstration des BN gegen die Südumgehung von Niederndorf fand 160 Teilnehmer. Die Redner beklagten die Zerstörung der Umwelt.
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Die Luftballons zeigen die Höhe des für die Niederndorfer Südumfahrung erforderlichen Damms an.  Fotos: Richard Sänger
Die Luftballons zeigen die Höhe des für die Niederndorfer Südumfahrung erforderlichen Damms an. Fotos: Richard Sänger
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Der Bund Naturschutz (BN), unterstützt von Bündis90/Die Grünen und Landwirten sowie Anwohnern, wehrt sich gegen die Südumfahrung und ruft zum Widerstand auf. Zur "Demonstration - Keine Südumfahrung Niederndorf/Neuses" fanden sich zur Kundgebung mehr als 160 Teilnehmer ein. Die Redner Horst Eisenack (BN Herzogenaurach), Helmut König (Kreisvorsitzender des BN), MdL Markus Ganserer und Tom Konopka (BN-Regionalreferent Mittelfranken) erhoben schwere Vorwürfe gegen die Stadt und die Planung.

Der Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes, Robert Ort, verurteilte den Landverbrauch und die Versiegelung der Böden und so manche politische Entscheidungen. "Wir schützen Kormorane, Biber und vieles andere mehr, aber wer schützt unsere Böden und die Bauern?", fragte der Kreisobmann.
Durch den Bau der Südumgehung würden Flächen durchschnitten und der Rest könne nicht mehr ordnungsgemäß bearbeitet werden, befürchtet Ort. Der sich zugleich gegen die Ausgleichsflächen aussprach, denn dadurch werde der Produktion von Lebensmitteln weiteres wertvolles Ackerland entzogen.

Eine markierte Trasse am Kundgebungsort zeigte die Dimension der geplanten Trasse und eine acht Meter hohe, mit roten Luftballons gekennzeichnete Konstruktion sollte die Dimension des notwendigen Damms zeigen, der in dem kleinen Tal am Biotop südlich von Niederndorf beim Bau der Umfahrung aufgeschüttet werden soll.
"Die Südumfahrung ist ein Frevel an Natur und Umwelt", schimpfte Horst Eisenack und verwies auf die vielen betroffenen geschützten Tiere, deren Lebensraum durchtrennt oder vernichtet werde. Durch den Damm würden die Amphibienwanderungen behindert und der Redner berichtete von über 800 gezählten Erdkröten und anderen Amphibien sowie zahlreichen Vögeln und weiteren geschützten Arten im Feuchtgebiet.

Auch der Landtagsabgeordnete Markus Ganserer (Grüne) verurteilte die weitere Vernichtung von wertvollen landwirtschaftlichen Flächen. "Wir gehen mit der Landschaft um, als gäbe es noch einen Reservelandkreis. Boden ist keine vermehrbares Gut", erklärte der Abgeordnete und fordert eine Verkehrswende und nicht noch mehr Straßen. Der Abgeordnete warf der CSU vor, mit Tricks zu arbeiten und "versiegelte Flächen" herunterzurechnen, um sich bei Natur- und Umweltschutz ins rechte Licht zu rücken. In diesem Zusammenhang rief Ganserer die jüngsten Überschwemmungskatastrophen ins Gedächtnis. So sei der Klimawandel Fakt und die Politik ziehe daraus keine Lehren.

Gegen die "Naturzerstörung" wetterte auch der BN-Kreisvorsitzende Helmut König. So habe bei den Politikern der Verkehr Vorrang und nicht die Natur, Umwelt und der Mensch. Der Vorwurf an die Stadt und den Stadtrat lautete: "Alternativen wurden nicht geprüft". Aussage von Bürgermeister German Hacker hinsichtlich einer breiten Bürgerbeteiligung wies König zurück. "Es hat sich lediglich um eine Informationsveranstaltung gehandelt", erklärte der Redner und rief dazu auf, die Herzogenauracher wachzurütteln.

Nach den Worten des BN-Kreisvorsitzenden bestätige die Naturschutzbehörde der Regierung von Mittelfranken die Aussagen des BN, allerdings sei Minister Joachim Herrmann auch Dienstherr der Landesplaner und unterstütze das "Gefälligkeitsgutachten" der Behörde, die ihren Namen nicht verdiene. König dankte den Landwirten, die sich auf die Seite des BN stellen. "Reifenabrieb kann man nicht essen", sagte er und fällte über die Bayerische Staatsregierung ein vernichtendes Urteil. Sie werbe mit dem schönen Land und seinen Seen sowie Bergen und vernichte am Ende die Landschaft.

Nachdem der Bau der Stadtautobahn, also Nordumgehung, keine wirkliche Entlastung für Niederndorf gebracht habe, "soll nun ein gigantischer Landschaftseingriff Fakten schaffen", klagte König. Außerdem würde die Südumfahrung auch mit der geplanten Stadtumlandbahn (StUB) kollabieren.

Auch BN-Regionalreferent Tom Konopka fordert ein Umdenken der Politiker und Investitionen in die richtige Richtung. "Jeder Euro in den Klimaschutz wird zehnfach vergoldet", erklärte Konopka, das hätten auch die jüngsten Hochwasser gezeigt. "Die Politik macht beim Verkehr weiter und weiter", klagte Konopka und wies auf die 350 Bauprojekte, größtenteils Verkehrsprojekte hin, die Bayern angemeldet habe.

Die Werbung der Stadt als fahrradfreundliche Kommune ließ der Referent nicht gelten, denn "noch mehr Straßen bringen auch mehr Verkehr". Am Ende riefen die Veranstalter zum Widerstand auf, sammelten Unterschriften, denn es sei noch nichts verloren, und beklagten wiederholt die fehlenden Alternativen.
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