Herzogenaurach
Flüchtlinge

Kritik an Essensausgabe in Asylunterkunft in Herzogenaurach

Arbeitet der private Catering-Service in der Asylunterkunft in der Turnhalle des Berufsschulzentrums in Herzogenaurach zur Zufriedenheit? Mit dieser Frage hat sich der Kreistag am Montag beschäftigt.
Artikel drucken Artikel einbetten
In der Turnhalle des Berufsschulzentrums in Herzogenaurach sind seit kurzem Flüchtlinge untergebracht.  Foto: Symbolbild/Archiv
In der Turnhalle des Berufsschulzentrums in Herzogenaurach sind seit kurzem Flüchtlinge untergebracht. Foto: Symbolbild/Archiv
Geht es um die Unterbringung von Flüchtlingen, legen sich Sorgenfalten auf die Stirn von Landrat Alexander Tritthart (CSU). In der Kreistagssitzung am Montag informierte er die Kreisräte darüber, wie es steht um die Asylbewerber im Landkreis Erlangen-Höchstadt am Ende des Jahres 2015, das wohl als das "Jahr der Flüchtlinge" in die Geschichte eingehen wird.

"In Bayern mag es eine Entspannung bei den Flüchtlingszahlen geben. Davon merken wir im Landkreis aber nichts", sagte Tritthart. Insgesamt 1800 Flüchtlinge habe der Landkreis aufgenommen und damit sein Soll erfüllt. Was andere Kommunen angeht, blieb Tritthart erst diplomatisch: "Bayernweit gibt es eine unterschiedliche Handhabung bei der Aufnahmebereitschaft. Zu Europa will ich gar nichts weiter sagen."

Nachdem Kreisrätin Martina Stamm-Fibich (SPD) Kreis und Stadt Ansbach als Schlusslichter bei der Aufnahme von Flüchtlingen genannt hatte, wurde auch Tritthart konkreter. "Ja, es gibt Ausreißer bei dem Thema. Ich will nicht mit dem Finger auf jemanden zeigen, aber wenn man Ansbach nennt, muss man auch Nürnberg und Erlangen erwähnen." Verglichen mit der Zahl an Flüchtlingen im Landkreis Erlangen-Höchstadt gebe es dort noch deutliches Potenzial.

Tritthart beschrieb die Unterbringung der Flüchtlinge als eine schwierige Aufgabe zwischen Mitmenschlichkeit und gebotener verwaltungstechnischer Sorgfalt. Einerseits müsse man schnell reagieren, wenn wieder ein Kontingent an Asylbewerbern zugewiesen wird. Andererseits sei man mittlerweile raus aus der Phase improvisierter Nothilfe. Tritthart zählte die Unterkünfte im Landkreis auf und betonte noch einmal, dass es sich bei der Unterscheidung von "dezentraler Unterkunft" und "Notunterkunft" nicht um bloße Wortklauberei handle.

Konrad Eitel, Kreisrat aus Herzogenaurach (SPD), meldete sich schließlich zu Wort. Er müsse neben einem Lob für die Anstrengungen des Landkreises aber auch Kritik los werden. Er beschrieb die Situation in der neuen Unterkunft in der Turnhalle der Berufsschule in Herzogenaurach: "Verschläge mit keinen Möbeln außer ein Bett, ständiger Geräuschpegel und Licht."

Vor allem die Versorgung mit Nahrungsmitteln sei kritikwürdig, so Eitel. So bekomme jeder Flüchtling sein Frühstück in einem Plastikbeutel bereits am Tag vorher. "Es gibt aber keine Möbel. Also müssen die Menschen den Beutel unters oder mit ins Bett legen." Dazu komme, dass es für die mehr als hundert Menschen keine Sozialbetreuung gebe. Eitel forderte Tritthart auf, die "untragbare" Situation umgehend zu verbessern. Notfalls werde er einen Dringlichkeitsantrag stellen. Man müsse sich schon fragen, warum es bei der Verpflegung der Flüchtlinge einen "qualitativen Abstieg" gebe, sagte Eitel.


Menschlich aber auch finanziell

Der Landrat machte deutlich, dass es sich um eine staatliche Unterkunft handle, nicht um eine vom Landkreis eingerichtete. Jeder Schritt müsse mit der Regierung von Mittelfranken abgesprochen werden. Somit könne der Landrat nicht einfach über die Verpflegung bestimmen. Ansonsten wäre die Finanzierung nicht geklärt.

"Wir kommen immer mehr in die Situation, dass unser Handeln überprüft wird. Nicht nur menschlich, sondern auch finanziell." Die Unterscheidung zwischen Landratsamt als staatliche Behörde und kommunales Organ sei enorm wichtig: "Viele mögen sagen, das sind nur Begrifflichkeiten. Es geht schließlich um die Menschen. Wir müssen das aber beachten. Schließlich geht es auch um die Zurückerstattung der Kosten vom Staat."

Die Ausschreibung für den privaten Catering-Service habe das staatliche Landratsamt gemacht. Es gelte nun zu prüfen, ob "sich alles im Rahmen der Ausschreibung verhält", so Tritthart. Er warb um Verständnis. Wenn etwas auf die Schnelle zu regeln ist, komme es vor, dass nicht alles sofort hundertprozentig läuft.

Tritthart schaute auch in die Zukunft. 2016 sei nicht mit sinkenden Flüchtlingszahlen zu rechnen. Ein großes Fragezeichen sei die Wohnungsnot. Es fehle nach wie vor an Wohnungen für die Flüchtlinge. Er gehe davon aus, dass das Thema Asyl noch längere Zeit eine Herausforderung sein wird.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren