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Kellerberg-Kerwa: In Höchstadt wird nicht geböllert, sondern geschossen

Die Kellerberg-Kerwa wird heuer zum ersten Mal von der Schützengilde Höchstadt eröffnet. Wie genau die fünf Schüsse pro Mann abgefeuert werden, das muss sich Albert Dresel bis Freitag noch genau überlegen.
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Albert Dresel hält ein Salutgewehr in der Hand. Für ihn ist das Gewehr eine "Wertschöpfung". Foto: Sarah Dann
Albert Dresel hält ein Salutgewehr in der Hand. Für ihn ist das Gewehr eine "Wertschöpfung". Foto: Sarah Dann
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Die ersten zwei gemeinsam, dann ein schnelles Reihenfeuer und wieder zwei mal gemeinsam: Wenn es am Freitag mehrmals hintereinander ohrenbetäubend knallt, müssen sich die Höchstadter nicht sorgen, dann haben die Mitglieder der Schützengilde die Kellerberg-Kerwa mit ihren Salutschüssen eröffnet. Ein Schauspiel, das die Höchstadter bislang vom Altstadtfest kennen.

Im Vergleich zum Beispiel zum sogenannten Anböllern beim Annafest in Forchheim läuft in Höchstadt am Freitag zur Kerwa-Eröffnung alles ein bisschen anders. Der Vorgang heißt schon anders, und auch die Gewehre unterscheiden sich - buchstäblich - um Längen. "Es ist kein Böllern in diesem Sinne", sagt Albert Dresel. Ein Bekannter von Dresel hätte zwar eine Kanone und die entsprechende Ausbildung zum Böllern gehabt, von Seiten der Stadt wurde aber aus Sicherheitsgründen dazu abgeraten, berichtet Albert Dresel.

Sicherheit geht vor

Das Verbot stört den Schützen nicht weiter, vielmehr kann er unterstreichen, dass die Sicherheit selbstverständlich vorgeht. Eine Böller-Kanone auf der für den Verkehr gesperrten Fahrbahn der Aischbrücke wird es also nicht geben.

Der 67-Jährige ist zweiter Vorsitzender des ortsansässigen Schützenvereins, Schützenmeister noch dazu und im Verein seit gut 50 Jahren aktiv. Dresel selbst gehört auf jeden Fall zu den "richtigen" Schützen, die die Repräsentation ihres Vereins und Sports Ernst nehmen und in Lederhose und grün-kariertem Hemd zum Pressetermin erscheinen, um über das Anschießen zu sprechen. "Man kann das auch zum Weißwurstfrühstück machen, das halte ich aber für geschmacklos", erklärt der ältere Herr, für den sein Gewehr eine "Wertschöpfung" ist, das "explizit gepflegt" wird und nicht zu jedem Anlass aus dem Waffenschrank rausgeholt wird.

Für Freitag liegen Dresel bisher 13 Anmeldungen von Schützen vor, die bei den Salutschüssen mitmachen möchten. So alle zwei Meter werden sich die Männer und bisher eine Frau dann aufstellen, ihre Gewehre im 45 bis 60 Grad Winkel in die Luft halten und abdrücken. Jeder Schütze hat fünf Schüsse frei. Nachgeladen wird nach jedem Knall. Je nach Kommando, das voraussichtlich Albert Dresel geben wird, drücken alle 13 Salutgewehrträger entweder im gleichen Moment ab, oder nacheinander.

Alle warten auf ein Signal

Kurz vor dem Startschuss ist am Freitag eines besonders wichtig: Blickkontakt wahren.Es könnte ja zum Beispiel passieren, dass einer beim Laden Schwierigkeiten hat, sagt Dresel. Wenn alle bereit sind, setzt er an. Körperspannung und mit Armbewegungen, die an die Führung einer Starterklappe beim Leichtathletik erinnern, kündigt Dresel den Schuss an: Arme zur Seite ausstrecken, in V-Stellung bringen und dann die Arme angewinkelt runterziehen - möglichst rasch, denn umso schneller und gleichzeitiger würden dann auch die Schützen reagieren, sagt Dresel aus Erfahrung. "Entweder klappt alles, oder nichts", meint der Schützenmeister, der mit seinen Kameraden vorsorglich die Reihenfolge absprechen wird. Geübt wird vorab aber nicht mehr.

Eine Fibel, wie sich die Schützen zu kleiden haben, gibt es zwar nicht. Ein paar Einheitlichkeiten will Dresel den Mitgliedern vorab aber schon nahe legen: schwarze Hose, weißes Hemd, Schützenbinde, ja, die würde er schon gerne bei jedem sehen. Die Sache mit dem Hut, die überlässt er - gerade bei den angekündigten Temperaturen - jedem selbst. Obwohl er den Spruch eines bereits verstorbenen Schützenfreundes noch im Ohr hat: "Der Heilige hat seinen Heiligenschein, der Schütze seinen Schützenhut."

Komplettiert wird das Gewand auf jeden Fall bei jedem mit Ohrenstöpseln. Laut wird es werden. Gefährlich - wenn alle den Sicherheitsabstand einhalten - aber nicht. Dresel jedenfalls ist aus all seinen Jahren "nix bekannt", kein Unfall, kein Zwischenfall.

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