Atzelsberg
Fellnasen

Katzenfänger in Atzelsberg?

Paarweise verschwinden Katzen aus einer Scheune in Atzelsberg. Tierfänger schließt die Polizei aus. Genau auf die tippt aber eine Tierschutzinitiative.
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In Atzelsberg sind mehrere Katzen verschwunden.  Symbolfoto: Archiv
In Atzelsberg sind mehrere Katzen verschwunden. Symbolfoto: Archiv
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Neun halbwilde Katzen sind in Atzelsberg von einer Frau in einem Stall versorgt worden. Seit Mitte Januar verschwinden diese Katzen auf mysteriöse Weise - immer paarweise.

Die Besitzerin hat deshalb die Polizei informiert. Die hält sich an Fakten. "Es gibt keinen Hinweis, dass eine Straftat vorliegt", sagt Ludwig Weinkam, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizei Erlangen- Land.
Anzeige wurde auch nicht erstattet und somit nicht ermittelt. Aber man werde Augen und Ohren offen halten. Die Frau habe die Katzen versorgt. Nun kommen immer weniger. Auf zwei Katzen ist laut Aussagen der Besitzerin die Katzenfamilie geschrumpft. Eine der Katzen hat eine Verletzung am Hals. Die Besitzerin sorgt sich um ihre Ziehkinder, die alle kastriert waren.


Standorttreue Tiere

Zu recht findet eine Sprecherin der Tierschutzinitiative "Tierdiebstahl in Bayern". "Eine Katze geht nicht einfach weg, wenn es ihr gutgeht", sagt die Sprecherin, die vermutet, dass die Katzen bei einem Wohnungsumzug zurückgelassen wurden. Die Tierschutzinitiative hat tagtäglich mit solchen und ähnlichen Verschwinden von Katzen und Hunden zu tun. Gerade Bayern sei stark davon betroffen.

Solche Meldungen von verzweifelten Tierbesitzern erreichen auch den Tierschutzbund immer wieder. "Werden gleichzeitig mehrere Tiere aus derselben Region vermisst, kommt schnell der Verdacht auf, dass professionelle Tierfänger am Werk sind", sagt Sprecherin Lea Schmitz. Über den tatsächlichen Verbleib könnten nur Vermutungen angestellt werden.


Typisches Vorgehen

Für die Tierschutzinitiative stehen Tierfänger hinter dieser Masche, gerade wenn ein ganzer Wurf oder eben Katzen paarweise verschwinden. "Sie versuchen möglichst ähnliche Felle zu bekommen", sagt die Sprecherin. Ähnliche Felle, wenn aus diesen Rheumadecken hergestellt werden.

Das sieht auch Margrit Vollertsen-Diewerge aus dem Vorstand des Tierheims Erlangen so. Gleich nach der Meldung über den Katzenschwund erkundigte sie sich im Tierheim. Doch dort wurden keine streunenden Katzen oder Fundtiere abgegeben.

Auch sonst ist nichts über den Verbleib der Katzen bekannt. Dass "Kunstpelze" an Jacken oder Stiefeln aus Tierfellen von Hunden und Katzen hergestellt werden oder eben die vielgepriesenen Rheumadecken, das kennt die Tierschützerin sehr wohl.

"Wenn es keine Stubenkatzen sind, ist gerade das Katzenfell im Januar besonders schön, weil es das dichte Winterfell ist", weiß Vollertsen-Diewerge. Wenn nicht für Felle, dann für Labore, nennt die Sprecherin der Tierschutzinitiative Tierdiebstahl in Bayern einen weiteren Grund, warum dieses Vierbeiner bei den Tierfängern so beliebt sind.

Gerade durch die EU Richtlinie RL2010/63/EU seien streunende Tiere für Tierversuche erlaubt. Mit Lockstoffen gehen diese Tierfänger vor oder die Tiere werden einfach mit Drahtschlingen oder Blasrohren gefangen. Das würde auch die Verletzung des einen Tiers erklären.

Vor allem in Verbindung mit den illegalen Schrott-, Schuh- und Altkleidersammlungen werden die Tierfänger in Verbindung gebracht. Tatsächlich fand in der Zeit eine illegale Sammlung in Uttenreuth statt. Aber: "Diese ungarische Familie wurde schon mehrmals durchsucht. Es sind noch nie Katzen bei dieser Familie aufgetaucht", sagt der stellvertretende Dienststellenleiter.


Handelsverbot auf dem Papier

Und Christoph Reh, der sich bei der Polizei mit den "tierischen" Fällen befasst, mahnt, diese Gerüchte nicht aufzubauschen. Katzen fürs Labor würden gezüchtet. Zustimmung erhält er vom deutschen Tierschutzbund. Dass Katzen oder Hunde in Deutschland gefangen werden, um der Fellgewinnung zu dienen, konnte nicht belegt werden und sei auch nahezu auszuschließen. Es gilt ein Handelsverbot für Katzen- und Hundefelle, informiert der Tierschutzbund.

"Bisher haben wir trotz vielfältiger Hinweise nie konkrete Beobachtungen oder gar gerichtsverwertbare Beweise für eine kriminelle Handlung - sei es von Tierfängern, sei es von Tierversuchslaboren - erhalten, die wir in Ermittlungen hätten einbringen können und die ein Tätigwerden mit Einschaltung der zuständigen Behörden ermöglicht hätten", sagt Schmitz. Sie verweist auf eine andere traurige Wahrheit: dass jährlich mehr als 100 000 Katzen und mehrere hundert Hunde von Jägern erschossen werden. Eine Möglichkeit, die auch die Polizei Erlangen-Land kennt, dies aufgrund der vernünftigen Jägerschaft wiederum ausschließt.

Christoph Reh vermutet andere Möglichkeiten hinter dem Verschwinden der Tiere. So könnte es ein wildes Tier, ein Fuchs beispielsweise sein, der sich die Katzen holt.

Ähnliches geschah in Neunkirchen, wo ein Fuchs abends bei einem Biberdamm auf die Tiere wartete.
Dann könnten die Katzen unter die Räder gekommen sein. "Eine verletzte Katze versteckt sich", sagt Reh.



Keine Erklärung bestätigt

Die Katzen könnten einfach auch erschrocken sein und aus Angst nicht mehr zur Futterstelle in der Scheune kommen. Bleibt das paarweise Verschwinden. "Es ist rätselhaft", findet Reh.

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