Herzogenaurach
Jugendaustausch

Mit Rotary von Australien nach Herzogenaurach

Kate Pavlou ist eine 23-jährige, fröhliche Australierin. Sie hilft bei der Betreuung der Flüchtlinge in Herzogenaurach.
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Die junge Australierin zieht es nach Deutschland: "Ich möchte gern hier arbeiten", sagt Kate in Herzogenaurach.  Foto: privat
Die junge Australierin zieht es nach Deutschland: "Ich möchte gern hier arbeiten", sagt Kate in Herzogenaurach. Foto: privat
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Am liebsten würde sie in Deutschland bleiben. Kate Pavlou, der fröhlichen Australierin, gefällt es hier im Land, in Franken und in Herzogenaurach. Und da sie nun ihr Studium beendet hat, könnte sie sich vorstellen, sich hier, weit entfernt von ihrer Heimat, einen Job zu suchen.

Die 23-Jährige wäre nicht der erste Austauschgast, der sich in Deutschland verliebt und bleibt. Das sagt der Herzogenauracher Rotarier Michael Fischer, der im Distrikt Franken-Thüringen den Jugendaustausch des Serviceclubs betreut. Heuer werden in diesem Bereich allein 25 junge Menschen für ein ganzes Jahr und 40 für ein paar Wochen aufgenommen. Allein im Rotaryclub Herzogenaurach hat man schon jetzt sechs Kandidaten für 2017.

Kate ist seit April an der Aurach und bleibt noch bis Anfang September. Es ist nicht ihr erster Aufenthalt in Deutschland. Bereits 2011 hatte sie an einem Austauschprogramm für Schüler teilgenommen, damals in Stuttgart. Und auch während ihres Studiums führte sie ein Programm nach Deutschland.


Sehr gutes Deutsch

Entsprechend gut sind ihre Deutschkenntnisse. Und das kommt ihr bei ihrem derzeitigen Job zugute. Die junge Frau unterstützt die Frauen des Arbeitersamariterbundes (ASB) bei der Flüchtlingsbetreuung. Und da sind ihre Sprachkenntnisse in deutsch und natürlich englisch eine große Hilfe.

Auch Kerstin Will ist begeistert. "Kate ist eine große Stütze, sie wurde zur vollwertigen Mitarbeiterin", sagt die Koordinatorin der ehrenamtlichen Mitarbeiter. Denn gerade in der Flüchtlingshilfe seien die Anforderungen und der Stress für die Mitarbeiter enorm. Unter anderem hat ihre Praktikantin eine Informationsbroschüre mit entwickelt, die in den nächsten Wochen veröffentlicht werden soll. Auch unterstützt sie die Flüchtlinge beim Lernen. Gute Dienste erweist da ein Buch, das von Rotariern entwickelt worden ist.

Das wiederum freut Gerald Fink, der noch bis zur Amtsübergabe im Juli Präsident des Herzogenauracher Serviceclubs ist. "Kate ist ein großes Geschenk für uns", sagt er und verweist auf die Ziele dieses Jugendaustauschs.


New Generation

Das neue Modell "New Generation Service Exchange" gibt's in Herzogenaurach seit etwa sieben Jahren. Da geht es darum, Schranken zu überwinden und Probleme zu lösen. "Kate erfüllt die Rotary-Gedanken", sagt Fink. "Sie ist aufgeschlossen und kommunikativ und kann die Sprache." Jugendaustausch generell führen die Rotarier in Herzogenaurach schon seit ihrer Gründung im Jahr 2000 durch.

Der Job mit den Menschen macht Kate Freude. "Ich mache alles mit, was die Betreuer auch machen", sagt sie. So besorgt sie Krankenscheine für den Arztbesuch, hilft beim Übersetzen von Briefen und unterstützt auch schon mal die Familien bei der Schulanmeldung. Ihre "Chefin" Will schickt die junge Helferin bewusst mit nach draußen, damit sie nicht nur im Büro arbeiten muss.

Und so bekommt sie alle Schwierigkeiten mit, die sich in dem doch immer noch relativ unbekannten Feld der Flüchtlingsbetreuung auftun. "Man kann sich gar nicht vorstellen", sagt Kate, "wie komplex die Situation ist, in der sich die Flüchtlinge befinden." Und so entstehen zwischen Betreuern und Schützlingen auch persönliche Bindungen. Was sich am Rande des Pressegesprächs eindrucksvoll bestätigt. Da kommt ein kleines Mädchen mit frechen Zöpfen und schmiegt sich an Kate. "Sie kann gut deutsch", sagt die Australierin, "ist nur ein wenig schüchtern." Aber die Augen der Kleinen lachen, sie mag ihre neue Freundin. Und kommt sie deshalb öfter mal besuchen. "So wird die Welt klein", sagt Gerald Fink. Auch ein Ziel der Rotarier: Weg mit den Schranken.

Kate Pavlou kommt aus einem kleinen Dorf namens Mossypoint an der Ostküste Australiens, südlich von Sydney. Gerade hat sie ihr Studium beendet und den Bachelor in internationalen Beziehungen und Sprachen erworben. Vor allem die deutsche Sprache, aber auch Geschichte und Politik interessieren sie. Und deshalb würde sie auch gern hier bleiben. "Jetzt möchte ich arbeiten", sagt sie.

Damit würde sie anderen Austauschschülerinnen folgen. Sofia aus Venezuela beispielsweise, die jetzt in Bamberg studiert, wie Michael Fischer mitteilt. Und "unsere Ivana aus Bosnien ist zurück, um ihr Abitur zu machen und kommt im September wieder zum Studium", ergänzt er. In Erlangen steht für die junge Frau Wirtschaftsmathematik auf dem Programm.


International

Und auch manche, die von Herzogenaurach aus "draußen" waren, sind wieder nach dem Abitur international unterwegs. Eine junge Frau geht jetzt nach Bolivien zum freiwilligen sozialen Jahr. Sie war mit Rotary in Chile. Eine weitere ist nach dem Rotaryaustausch und nach dem Abi nach Kaya gegangen. Und Fischer könnte noch mehr Beispiele nennen.

Die Betreuung der jungen Menschen als Austausch-Leiter macht Fischer Spaß. Da kann er auch manch Anekdote erzählen. Über seine erste Schülerin aus Neuseeland vor 14 Jahren zum Beispiel. "Sie hatte sehr schnell ihr Lieblingswort gefunden", sagte er, es war "Gschmarri". Und ein Dirndl hat sie sich auch gekauft und mit nach Hause genommen.

So ein Dirndl hat Kate übrigens auch.

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