Ein rosarotes Einhorn fliegt auf goldenen Schwingen gen Himmel. Der Schimpanse trägt einen Kaiser-Wilhelm-Schnauzbart. An seidenen Fäden hängen Augenlinsen in ein nächtliches Schlafzimmer. Wer sich zur Zeit in den Stadtturm in Höchstadt wagt, wird gefesselt von farbenfrohen Kreaturen und Traumwelten, von Stillleben, abstrakten Farbkreationen und realistischen Zeichnungen. Auf den Etagen des Höchstadter Wahrzeichens sind Kunstwerke von Kindern und Jugendlichen zu sehen. Nach einem Jahr Pause organisieren Jeanette Exner, Anita Kopp und Konni Lühring vom Arbeitskreis Akku wieder eine Ausstellung für die jungen Künstler aus der Gegend.

Treppauf, treppab für die Kunst


Die Werke der aufstrebenden Künstler wollen erklettert werden. Treppauf, treppab ging es im Turm für die Kuratorinnen bei den Vorbereitungen vor der großen Vernissage. "Früher, als wir die Jugendkunst noch im Schloss ausstellten, war es natürlich einfacher. Aber der Turm mit seinen Sandsteinmauern eignet sich perfekt für die Bilder", sagt Anita Kopp und deutet auf die bereits behängten Wände. Viele der Kunstwerke müssen noch ihren Platz finden und richtig ausgeleuchtet werden.
Seit zehn Wochen hat der Akku in der Zeitung, im Fortuna Magazin und über Aushänge junge Künstler dazu aufgerufen, ihre besten Arbeiten einzureichen. Wichtigste Bedingung: zwischen sechs und 25 Jahren sollen die Künstler sein. "Alles, was wir eingereicht bekamen, stellen wir auch aus. Und wir waren wieder einmal begeistert, auf welch tolle Ideen die jungen Leute so kommen", schwärmt Konni Lühring bei einem Rundgang durch die Ausstellung.

Verschiedenste Stilrichtungen


Und tatsächlich: Wer krakelige Kinderzeichnungen, im Kunstunterricht schnell fabrizierte Malkasten-Bilder oder windschiefe Töpferarbeiten erwartet, ist definitiv auf dem Holzweg. Bei den meisten Bildern ist kaum ein Unterschied zu professioneller, "erwachsener" Kunst zu erkennen.
So etwa bei dem Bild mit dem Titel "Kesha" von der siebenjährigen Lena Schmuck. Das Motiv: eine punkige Rockröhre, die blonden Haare nur mit einigen wirren Linien angedeutet. Anita Kopp weist noch auf die intreressante Arbeit von Lena Tuphorn, acht Jahre, hin. Zu sehen sind blaue und rote Streifen, vertikal in verschiedenen Stärken. "Ein abstraktes Gemälde, das den ganz Großen in nichts nachsteht. Das beste ist der Titel. Der hat uns echt umgehauen", sagt Konni Lühring. Die Achtjährige hat das Bild "Lila" genannt. Eine Mischung aus rot und blau eben, ist doch klar.
Bilder mit ganz verschiedenen Techniken gemalt sind zu sehen. Eher realistisch gehalten, an Van Gogh angelehnt, ein großes Bild mit alten Jeans und T-Shirts beklebt, auch aus Stahl geschweißte Skulpturen stehen im Ausstellungsraum im Stadtturm. Nicht nur "Hobby"-Künstler sind zu bestaunen, sondern viele junge Menschen, die sich dauerhaft ihrer Kunst verschrieben haben. So etwa einige Schüler der Kunstschule Höchstadt. Oder etwa die Tochter von Konni Lühring, Annika. Die 20-Jährige hat eine Ausbildung zur Produktdesignerin gemacht. Ihren Bildern ist das professionelle Handwerk anzusehen. Eine zerknitterte Cola-Dose, über die ein Laubfrosch klettert, ein alter Mann mit Pfeife. Gemalt in bestechender Klarheit.
Für die Kuratorinnen hat sich die viele Arbeit jetzt schon gelohnt. "Die ganzen Werke an den richtigen Ort zu bringen, ist hier im Turm schon fast eine sportliche Betätigung. Aber es ist ein herrlicher Ort. Wie geschaffen für solche Events", sagt Anita Kopp. Sie fühlen sich fast ein bisschen wie Rapunzel im Turm, scherzen sie. Am Donnerstag, 12. Juli, um 17 Uhr wird Kreativ-Art eröffnet. An den darauf folgenden beiden Wochenenden können die Besucher dann auf Entdeckungsreise gehen.