Uehlfeld
Wasserschutzgebiet

Erweiterung des Schutzgebietes in Uehlfeld: Bürgermeister will dagegen klagen

Mittelfrankens Regierungspräsident Bauer drückt die Erweiterung in Uehlfeld gegen den Widerstand von Bürgermeistern und Landräten durch.
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Sorgen bereitet den Bürgermeistern Werner Stöcker (links) und Stefan Himpel (hier an einem Brunnen bei Sterpersdorf) die Fernwasserversorgung Franken.  Foto: Andreas Dorsch (Archiv)
Sorgen bereitet den Bürgermeistern Werner Stöcker (links) und Stefan Himpel (hier an einem Brunnen bei Sterpersdorf) die Fernwasserversorgung Franken. Foto: Andreas Dorsch (Archiv)
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Seit Jahren kämpft die Gemeinde Uehlfeld gegen eine Ausweitung des Wasserschutzgebietes. Jetzt scheint sie diesen Kampf erst einmal verloren zu haben. Mittelfrankens Regierungspräsident Thomas Bauer hat zum Jahreswechsel die Ausweitung der Verordnung unterschrieben und in Kraft gesetzt.

Der Neustadter Landrat Helmut Weiß (CSU) und sein Kollege Alexander Tritthart (CSU) aus Erlangen-Höchstadt hatten sich geweigert, der Wasserschutzgebiet-Ausweitung zuzustimmen. Auch die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden, Werner Stöcker (CSU, Uehlfeld), Stefan Himpel (FW, Lonnerstadt) und Gerald Brehm (JL, Höchstadt) lehnten ein größeres Wasserschutzgebiet vehement ab.

Durchgesetzt hat sich jedoch die Fernwasserversorgung Franken (FWF), die auch Uehlfeld und Ortsteile von Lonnerstadt und Höchstadt mit Trinkwasser versorgt. Dafür unterhält sie auf den Gebieten der drei Kommunen mehrere Brunnen. Der Wasserversorger möchte im Aischgrund noch mehr Trinkwasser fördern und in sein weit verzweigtes Netz einspeisen.

Um dies zu ermöglichen, wurde die Schutzzone um ein Vielfaches auf 26 Quadratkilometer erweitert. Sie reicht jetzt von Schornweisach und Rauschenberg im Westen bis vor die Tore von Lonnerstadt und Sterpersdorf im Osten. Mitten im Schutzgebiet liegen Uehlfeld, Mailach, Voggendorf und Weidendorf.

Uehlfelds Bürgermeister Stöcker ist stinksauer über die Nachricht aus Ansbach, die ihn Anfang dieser Woche erreichte. "In einer Zeit, in der bei Ämtern und Behörden niemand erreichbar ist und auch die Rechtsanwälte Weihnachtsurlaub machen", klagt Stöcker.

Und Anwälte werden wohl bald Arbeit bekommen, will sich der Bürgermeister doch mit einer Normenkontrollklage an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof wenden. Stöcker geht davon aus, dass der Uehlfelder Gemeinderat in dieser Sache in der nächsten Sitzung hinter ihm steht. Die Uehlfelder bauen dabei auch auf Unterstützung aus Lonnerstadt und Höchstadt.

"Wir können die Schutzgebiet-Ausweisung nicht akzeptieren", sagt Stöcker, zumal seine Gemeinde nur neun Prozent des hier geförderten Wassers selbst braucht. Für den Rest bekomme sie zudem keinen Cent Ausgleich. Gut wäre wenigstens ein so genannter "Wasserpfennig", wie es ihn in anderen Bundesländern gibt.


Extreme Standortnachteile

In der Schutzgebiet-Ausweitung sieht der Bürgermeister "extreme Standortnachteile" für seine Gemeinde. Die in Uehlfeld ansässigen Firmen müssten bei jeder Erweiterung strenge Auflagen einhalten. Eine Neuansiedlung von Betrieben ist illusorisch. Stöcker: "Kein Unternehmen geht freiwillig in ein Wasserschutzgebiet."

Aber auch der normale Grundstückseigner muss auf seinem Wohnanwesen strenge Regeln beachten. Die Verordnung greift bei Gartenteichen, Wasser-Wärmepumpen, der Verfüllung von Baugruben oder der Aufschüttung von Gelände. Das Anlegen neuer Friedhöfe ist der Gemeinde verboten. Die Errichtung oder Erweiterung von Sportanlagen geht nur unter Beachtung strenger Vorschriften.

Bernd Loistl, Sprecher der Eigentümer-Schutzgemeinschaft, sieht in der Verordnung einen Entzug von Planungshoheit und Entwicklungsmöglichkeiten. Er vertritt mit der Schutzgemeinschaft einen Verein, der inzwischen 350 Mitglieder hat - Grundstückseigentümer und Unternehmer aus dem Raum Uehlfeld. Sie sind bei einer Normenkontrollklage sofort dabei. Loistl bezweifelt, dass dieses Gebiet mit so einer Verordnung besser geschützt werden kann: "Für den Wasserschutz bringt das nichts. Das Uehlfelder Wasser hat eine gute Qualität."

Unterstützung bekommen die Gegner der Schutzgebiet-Ausweitung auch von der Freien-Wähler-Landtagsabgeordneten Gabi Schmidt. Die Politikerin aus dem Uehlfelder Ortsteil Voggendorf sieht in der Verordnung einen "schweren Schlag für die betroffenen Einwohner, da es nur sehr wenige Ausnahmen aus dem sehr rigiden Verbotskatalog gibt".

Einer Normenkontrollklage räumt sie wenig Chancen ein, sei doch bisher in Bayern kein einziges Wasserschutzgebiet von einem Verwaltungsgericht gestoppt worden.

Als Miteigentümer der Fernwasserversorgung Franken sieht Schmidt auch den Landkreis Neustadt in der Pflicht, "für seine Bürger freiwillige Entschädigungen für alle Schutzgebiets-auflagen zu gewähren". Und sie fragt sich, warum nicht auch Uehlfeld eine eigene Trinkwasserversorgung aufbauen könnte.

"Geht nicht", sagt der Bürgermeister, "weil wir die Fernwasser nicht wegbekommen". Die habe das Recht, Wasser zu entnehmen und gebe ihre Brunnenfelder nicht auf.
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