Höchstadt
Kabarett

Inzwischen ist die Höchstadter Lachnacht Kult

Eine Menge Blödeleien, aber auch scharfsinnigen Humor fahren die Akteure der 9. Höchstadter Lachnacht auf. Das kommt gut an.
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Hortkind aus Berlin mit hinreißenden Blödeleien und Kraftakten Fotos: Evi Seeger
Hortkind aus Berlin mit hinreißenden Blödeleien und Kraftakten Fotos: Evi Seeger
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Nein, erklären musste "Atze" Bauer bei der 9. Höchstadter Lachnacht wirklich nichts. Im ausverkauften Saal der Kulturfabrik schien sich die eingeschworene "Lachnacht-Gemeinde" versammelt zu haben, die ihre Helden mit Begeisterungsstürmen begrüßt. "Neunmal hab'n wir den Schmarrn jetzt schon g'macht", sinnierte der bekannte Höchstadter. "Ich bin ein permanent Schuldiger" outet sich der Liederchaot mit Gitarre. Und es tät ihm halt "mental viel helfen, wenn ihr a aweng mit schuld wärt".

An einem aber war Atze keinesfalls schuld: Dass einem Freund in Hamburg die Tasche geklaut wurde. Darin waren neben Laptop und wichtigen Papieren auch Karten für die aktuelle Lachnacht. Deshalb blieben einige Stühle in der ersten und zweiten Reihe leer. Dem Abend tat es keinen Abbruch. Ein Programm im eigentlichen Programm, was Atze da auf die Bühne brachte.
Er feuert die Besucher an, bringt sie in Stimmung, bereitet sie auf das vor, was sie erwartet, bringt aber auch jede Menge Eigenes mit. Gut vier Stunden Comedy, Kabarett und Musik, das war genau das, was die Lachnacht-Fans erwarteten. Ihre Erwartungen wurden erfüllt. Es blieb kaum ein Auge trocken.

Nichts Menschliches ist ihr fremd

Ja, wie die Zeit vergeht! Das musste sich - leidvoll - auch Ulrike Mannel eingestehen. Im Gegensatz zu früher muss sie sich heute, wenn sie eine Autopanne hat, schon "leblos neben's Auto legen und tot stellen", ehe ein hilfsbereiter Autofahrer anhält. Spezialität der Kabarettistin ist es, mit Menschen zu parodieren und Stimmen zu imitieren. Dabei ist ihr nichts Menschliches fremd. Das beginnt beim Home Shopping mit Ramona, das ihr über Migräne-Attacken hinweg hilft, und mündet in den "Verbal-Tsunami" ihrer Schwiegermutter.

Ihren Witz bezieht Mannel aus der genauen Beobachtung von Alltagssituationen. Fehlgeschlagene Kindererziehung zum Beispiel, ganz offensichtlich beobachtet im Wartezimmer ihres Zahnarztes.

Zur absoluten Hochform läuft Ulrike Mannel jedoch als Angie auf: Sie hat sie voll drauf, die Kanzlerin - in Mimik, Gestik und vor allem mit der Stimme. Es "merkelt", was das Zeug hält. Kein Wunder, dass sie vom BND abgeholt wurde: "Ich sollte denen die Merkel machen!" Und sie macht sie - Haartracht und Blazer inklusive.

Verrückte Einfälle am laufenden Band und in rasantem Tempo zeichneten das Duo "Hortkind" aus. Wenn Steffen Lemke und Nils Hellmuth köstlich berlinern, in die Show-Pose gehen, Pantomime für Fortgeschrittene oder den "High five" geben, kommen die Zuschauer aus dem Lachen nicht heraus. Der Boxkampf in Zeitlupe ist die Krönung all dieser Blödeleien. Die Zuschauer ließen die beiden nicht ohne eine Zugabe ziehen.

"Ihr seid 20 000, ihr seid seit drei Tagen bei Rock im Park, ihr stinkt, ihr seid voller Drogen und - ich bin die Band!" Matthias Matuschik - "sieht ja aus wie Seehofer in schön" - bekannter Bayern 3-Moderator, fordert die Fantasie seines Publikums. Er spielt mit ihm - schon wenn er die Bühne betritt und lasziv "Hello Hochstadt" sagt. Das Publikum ist begeistert.

Der demografische Wandel manifestiert sich auf der Autobahn

Sein Thema an diesem Abend ist der demografische Wandel: "Du siehst ihn am ersten auf der Autobahn." So wie er es bringt, nimmt ihm das Publikum nichts übel. Auch nicht die Ausführungen seiner "sexuellen Exkursionen" oder der operativen Behandlung seiner "Phimose". "Auswandern geht nicht" titelt das aktuelle Programm von "ONKelfisch". Weiß der Geier, woher sie diesen Namen haben. Voll auf der Höhe der Zeit ist das Duo aber auf jeden Fall. Ob es um "Brüderle secret", eine eigene Wäschemarke des Politikers geht, um den Limburger Bischof oder den Berliner Flughafen - die beiden haben zu allem etwas zu sagen.

Auch zu Höchstadt, dem "Home of the Aischgründer Spiegelkarpfen". "Ihr könnt euch einen eigenen Bahnhof leisten, aber die Gleise sind nicht mehr da!"

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