Spendenaufruf

In der Gebrauchtwarenbörse auf der Suche nach etwas Warmem für den Winter

Mit der Aktion "Franken helfen Franken" will der Fränkische Tag mit Hilfe seiner Leser den Verein "Helfenden Hände Höchstadt" unterstützen. Er setzt sich für Asylbewerber ein. In der Adventszeit stellen wir jede Woche ein Projekt der Ehrenamtlichen vor.
Artikel drucken Artikel einbetten
Diana Könitzer (oben) und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft packen einen Karton mit Sachspenden aus.Foto: Miriam Hegner
Diana Könitzer (oben) und Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft packen einen Karton mit Sachspenden aus.Foto: Miriam Hegner
Es ist Dienstagmorgen, halb zehn. In dem kleinen Raum im Dachgeschoss der Gemeinschaftsunterkunft herrscht reger Betrieb. Ein junger Mann betrachtet ein Sakko, dass er am ausgestreckten Arm vor sich hält. Zwei Frauen in langen Röcken begutachten eine Pfanne, die sie aus einem Regal genommen haben, eine andere zieht einen gefalteten Pullover aus einem der Stapel.

Mittendrin sind Petra Grasse und Doris Kirsch-Kunter. Sie greifen Stapel von Stoff aus Kartons und Plastiksäcken, die zwischen Tisch, Stühlen, Regalen und vielen Paar Füßen auf dem Boden stehen. "Was haben wir denn hier", fragt Grasse und faltet ein großes weißes Stück Stoff auseinander - ein Schultertuch, wie sich herausstellt. Sie legt es wieder zusammen, verstaut es zusammen mit anderen Schals und Tüchern in einem Regalfach, um sich dem Rest des Stapels zu widmen.

Jeden Dienstagvormittag kommen Petra Grasse und Doris Kirsch-Kunter in die Asylbewerberunterkunft im Lappacher Weg, um ehrenamtlich für den Verein "Helfende Hände Höchstadt" Sachspenden anzunehmen, zu sortieren und an Bewohner der Unterkunft auszugeben. "Bei uns gibt es Kleidung, Geschirr, Bettwäsche - alles, was man so im Alltag braucht", erklärt Grasse.

Verein besteht seit dem Frühjahr

Die "Helfenden Hände" gibt es seit Frühjahr dieses Jahres. Koordiniert werden sie von Diana Könitzer, Asylsozialberaterin der Diakonie in der Unterkunft. "Nachdem ich vor einem Jahr hier angefangen hatte, war schnell klar, dass ich bei meiner Arbeit Unterstützung brauchen würde", erzählt sie. "Deshalb haben wir damals einen Aufruf gestartet." Es fand sich eine Gruppe von Freiwilligen zusammen, die gemeinsam Ideen und Projekte für die Bewohner der Gemeinschaftsunterkunft ersann und umsetzte. "Jeder bringt an Zeit und Fähigkeiten ein, was er kann und möchte", erklärt Könitzer. Die Ehrenamtlichen geben Deutschunterricht, Tanz- oder Kochkurse oder begleiten die Asylbewerber zu Ärzten oder Behörden.

Seit Mitte September gibt es nun auch die Gebrauchtwarenbörse - und sie ist ein voller Erfolg. "Es kommen immer Bewohner, um sich umzusehen und sich etwas auszusuchen", erzählt Petra Grasse. Auch Thaliil hat schon etwas gefunden: eine Schöpfkelle aus Kunststoff. "Da kann ich Suppe machen", sagt der 23-Jährige mit einem breiten Grinsen. Eigentlich ist er aber gar nicht da, weil er etwas braucht.

"Thaliil hilft uns immer, trägt zum Beispiel die schweren Sachen die Treppe rauf", erzählt Petra Grasse. "Ich mach' das gern", sagt Thaliil. "Ich arbeite auch hier in der Unterkunft, mache sauber, schließe Lampen an oder so. Nur essen und schlafen, das ist nicht gut", erklärt er, und macht sich wieder auf den Weg nach unten, um den nächsten Karton zu holen.

Viele Sachspenden

Etwas zu tragen gibt es für Thaliil eigentlich immer: "Die Spendenbereitschaft der Leute ist hoch, das ist wirklich toll. Wir bekommen viele Sachen vorbeigebracht", erzählt Grasse. Der kleine Dachgeschossraum, in dem die Gebrauchtwarenbörse untergebracht ist, stößt da schon fast an die Grenzen seiner Kapazität. "Was nicht unmittelbar gebraucht wird, müssen wir leider ablehnen, weil wir so viel gar nicht lagern können", erklärt Grasse. Sommersachen etwa, oder Kinderkleidung werden im Moment nicht benötigt. "In der Unterkunft gibt es zwar Babys und ganz kleine Kinder, aber keine im Schulalter."

Ansprechpartnerin für die Koordination der Sachspenden ist Diana Könitzer. "Wer etwas spenden möchte, ruft bei mir im Büro an. Ich frage dann bei Frau Grasse und Frau Kirsch nach, ob für die angebotenen Sachen Bedarf und Platz vorhanden ist", erklärt sie. Auch wenn Bewohner der Unterkunft ihr sagen, dass sie etwas Bestimmtes benötigen, gibt sie dies an die beiden Ehrenamtlichen weiter. Besonders gefragt seien im Moment warme Kleidung, Jacken, Hosen und Handschuhe für den Winter.

Auch Amare ist heute auf der Suche nach einer warmen Jacke. "Ich komme aus Äthiopien, da friert man nicht. Aber hier in Deutschland muss man sich wärmer anziehen", erklärt sie auf Englisch und lacht. Die Gebrauchtwarenbörse ist eine super Sache, findet sie. "Ich komme jede Woche vorbei und finde oft etwas Nützliches, zum Beispiel für die Küche."

Nicht alle Sachen, die benötigt werden, können allerdings durch Sachspenden abgedeckt werden. "Eine der Frauen hier hat ein Baby bekommen und hatte eine Entzündung an der Brust. Da brauchten wir eine Milchpumpe und einen Sterilisator und konnten natürlich nicht warten, ob jemand zufällig so etwas übrig hat", erklärt Könitzer. Deshalb ist der Verein auch auf Geldspenden angewiesen. "Ein anderer der Bewohner hatte Schmerzen beim Gehen und brauchte eine Einlage für den Schuh. Da das die Ämter nicht übernehmen, haben wir das mit Spendengeldern finanziert."

Um elf ist "Ladenschluss"

Inzwischen ist es fast elf Uhr, kurz vor "Ladenschluss" in der Gebrauchtwarenbörse. Petra Grasse und Doris Kirsch-Kunter räumen die letzten Teller und Kleidungsstücke in die Regale, Thaliil fegt die Stufen, die von dem kleinen Dachbodenraum hinunter zum Ausgang führen. Amare macht sich auf den Weg zu ihrem Zimmer, mit einer Pfanne unterm Arm. Eine passende Jacke hat sie nicht gefunden. "Macht nichts", sagt sie. "Vielleicht nächste Woche."



Der Spendenverein "Franken helfen Franken" kurz vorgestellt

Die Mediengruppe Oberfranken erreicht über ihre Zeitungen Fränkischer Tag, Baye rische Rundschau, Coburger Tageblatt, Saale-Zeitung und Die Kitzinger sowie ihre Internetangebote viele Menschen. Diese Reichweite will sie mithilfe eines Spendenvereins nutzen und Hilfsbedürftige unterstützen. Mehr Infos gibt es unter franken-helfen-franken.de.

Der Spendenverein macht sich stark für ein Franken, das sich durch eine Atmosphäre des Miteinanders und der gegenseitigen Hilfe auszeichnet. Jeder für "Franken helfen Franken" gespendete Euro geht an den guten Zweck, die Verwaltungskosten übernimmt die Mediengruppe.

Spendenkonto: Mediengruppe Oberfranken - Franken helfen Franken e.V.: Sparkasse Bamberg (BLZ 770 500 00), Kontonummer 302 194 501, Stichwort: "Helfende Hände"


Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren