Sogar Helmut Müller hat die Bahn nur zufällig entdeckt, obwohl er oft im Dohnwald unterwegs ist: Der Vorsitzende der Waldcorporation, der die 520 Hektar Wald am Westrand der Stadt gehören, "hatte mal wieder genug von allem". Deshalb nahm er nicht den Hauptweg durch den Wald, sondern einen Nebenweg. Und folgte dann einer Reifenspur - querfeldein in den Rehbocksgraben.

Dort treffen drei Gräben zusammen, das Gelände ist bergig - und von keinem der Wege einzusehen. Etwa ein Dreivierteljahr schlängelten sich deshalb unentdeckt Holzstege um Bäume, ragten Schanzen in den Himmel. Nicht schludrig zusammengeschustert, sondern ordentlich verschraubt. Mit Brettern, die aussehen wie aus dem Baumarkt, tatsächlich aber von zu Hause, Baustellen oder Schrottplätzen hergeschleppt wurden.


BMX-Bahn war gefährlich



Helmut Müller war beeindruckt. Und besorgt. Denn die Bahn war gefährlich. "Die höchste Schanze war mehr als vier Meter hoch. Wenn da einer runterfährt und es nicht kann, ist er tot." Und Helmut Müller hätte dafür haftbar gemacht werden können, weil er zum Vereinsvorstand gehört. "Wir konnten das Risiko nicht tragen", sagt der 67-Jährige.

Andererseits wollte er so viel Engagement nicht einfach zerstören. Er brachte Verbotsschilder an und wandte sich an die Stadt. Die wollte sich um eine Lösung kümmern, eventuell auch einen Förderverein organisieren, um die Bahn zu erhalten - und holte die Skate Initiative (SIH) ins Boot. "Aber sowas schafft man nicht in zwei Wochen", sagt Bea Wirth vom städtischen Freizeitheim.

Woraufhin es Helmut Müller zu heikel wurde - kurz vor Pfingsten zerstörte er das Werk der etwa zehn Jugendlichen, die laut Peter Dichter von der SIH zwischen 13 und 20 Jahre alt sind. Der runde Tisch wurde wieder abgesagt: "Wozu sollten wir noch reden, die Bahn war ja schon weg", sagt Bea Wirth.


Schanzen wurden nur zur Seite gekippt



Was offensichtlich keinem der Beteiligten richtig klar war: "Wir haben die Laufbahnen nicht zerstört, sondern nur die Pfosten durchgesägt und die Schanzen zur Seite gekippt", sagt Helmut Müller. Grabe man neue Pfosten in den Boden, könne die Bahn wiederhergestellt werden. Die Erdhügel und die kleineren Aufbauten hätten die Waldbesitzer erstmal gar nicht gestört - von denen gehe ja kein Risiko aus. Sie sind noch intakt.

Einfacher wird die Sache dadurch aber nicht: Zwar könnte sich Helmut Müller prinzipiell vorstellen, den Jugendlichen ein Stück Wald für die Bahn zur Verfügung zu stellen. Aber nur, wenn jemand anders sich um die Sicherheitsvorkehrungen und die Versicherung kümmert. Und ein Stück Land besorgt, das dafür aufgeforstet wird. Denn wenn ein Stück Wald nicht mehr nur Wald sein darf, muss ein anderes Stück Wald dafür geschaffen werden. So besagt es das Waldgesetz.


Keiner fühlt sich für die Bahn zuständig



Wer diese Aufgaben übernehmen könnte, ist unklar. Das Rathaus auf keinen Fall, betont Bea Wirth: "Die Stadt wird definitiv keine solche Bahn betreiben, da gäbe es viel zu viele Sicherheitsvorschriften zu beachten." Auch die Skate Initiative ist dazu nicht bereit: "Dazu ist unser Verein viel zu klein", sagt Marco Giehm, Vorstand der SIH.

Dazu kommt ein weiteres Problem: Laut Anja Wettstein vom Planungsamt ist die Bahn an dieser Stelle "vermutlich nicht genehmigungsfähig". Denn Sportanlagen seien in Außenbereichen nur möglich, wenn sie keine öffentlichen Belange beträfen. Und weil der Wald in einem Wasser- und Landschaftsschutzgebiet liege, sei das wohl der Fall.


Ohne Wald habe Bahn keinen Sinn



Woanders verlöre die Bahn aber ihren Sinn, sagt Marco Giehm von der SIH. Denn Downhill fahren mit Hindernissen gehe nunmal nicht auf flachem Untergrund, wie es ihn beispielsweise rund um die Dirt-Bahn in der Nutzungstraße gäbe. "Das wäre wie mit dem Auto über ein Fußballfeld zu fahren."

Die Hoffnung aufgegeben hat der Verein aber noch nicht: "Wenn man sowas illegal im Wald aufbauen kann, was für Möglichkeiten hätte man da erst auf einem offiziellen Gelände", sagt Peter Dichter von der SIH. Man müsste nur noch einen geeigneten Ort finden.