Herzogenaurach
Ich habe Pubertät

"Ich habe Pubertät" - Noch ein Trump im Ärmel...

Michael und Nicola Busch - Unser Redakteur, Vater einer 13-jährigen Tochter, schreibt seine Erfahrungen in einer wöchentlichen Kolumne auf.
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Es gibt Vergleiche, die sind nicht in Ordnung, zum Beispiel wenn die 13-jährige Tochter ihrem Vater vorwirft, er sei wie US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Es gibt Vergleiche, die sind nicht in Ordnung, zum Beispiel wenn die 13-jährige Tochter ihrem Vater vorwirft, er sei wie US-Präsident Donald Trump. Foto: Evan Vucci/AP/dpa
Du bist wie der Trump! Ein Vorwurf meiner 13-jährigen Tochter Nicola. Ein harter Vorwurf, der auf einer Lappalie beruhte. Ich hatte lediglich ihr und dem neunjährigen Bruder Felix verboten, den Fernseher anzuschalten. Standhaft habe ich den x-fachen Wiederholungen der Frage "Warum?" zunächst argumentativ - "Ihr schaut eh zuviel" und "Lest lieber mal ein Buch oder den Fränkischen Tag!" - entgegengesetzt. Dann allerdings irgendwann auch mit der Aussage: "Ende des Warums, es ist halt so und ich bin Euer Vater!"

Und genau an dieser Stelle zog Nicola einen vermutlichen Trumpf aus ihrem Ärmel und verglich mich mit dem präsidialen Oberhaupt der USA. "Du bist wie der Trump!" O.K. - wenn sie Idiot zu mir gesagt hätte, wäre das vielleicht nicht so schlimm gewesen, aber diese Ansprache war sehr verletzend.

Der Idee meiner Kinder folgend, konterte ich aber innerlich aufgewühlt, äußerlich weitgehend ruhig, mit einem kurzen "Warum?" Was ich nicht hätte tun sollen, ich weiß, dass Nicola darauf immer eine Antwort hat. "Weil Du auch so undemokratisch bist und nur mit Dekreten arbeitest." Mal nicht hinterfragend, woher sie wisse, was ein Dekret ist, konzentrierte ich mich auf die angeforderte Erklärung.

"Ganz einfach Papa", startete Nicola ein wenig herablassend. "Der Trump macht, was er will, obwohl ihn eine Mehrheit nicht gewählt hat und nur deren Wahlsystem schuld an der Misere ist." Kein Widerspruch, aber noch keine Kenntnis, was die Blondlocke und mich vereint. Doch Nicola fuhr fort: "Felix und ich sind die Mehrheit, wir wollen Fernsehen. Mama ist nicht da, kann nicht mit abstimmen. Du ignorierst die Mehrheit und machst, was Du willst!"

Ich antwortete, dass ich nicht gewählt sei, sondern von Natur aus als Papa eine Art Leitungsfunktion innehabe. "Ha, siehst Du", rief dann ausgerechnet der Filius, "Du gibst zu, dass Du sogar ein echter Diktator bist, schlimmer als Trump!" Ein letztes Aufbäumen von mir. "Es geht doch um Erziehung und zu wissen, was gut für Euch ist." Ich hätte damit rechnen müssen, dass meine erwachsene Argumentation nicht ankommt. "Der Trump weiß auch, was gut für die Mexikaner ist. Die bekommen jetzt eine Mauer. Merkst Du was, Papa?" Ich merkte etwas.

Ich spürte diesen verlorenen Posten. Und ich sympathisiere seither ein wenig mit Trump. Ich habe nur zwei Kinder, er hat davon Millionen. Ich erliege der Argumentationskette einer pubertierenden 13-Jährigen und einem Neunjährigen, er widersetzt sich gewieften Beratern und Richtern.

Das Ende der Diskussion? Ich fühle mich schlecht, als Diktator, als Trump. Und meine Stimmung wurde auch nicht besser, als wir gemeinsam "Trolljäger" schauten - eine Art Lehrfilm für Kinder im Umgang mit Trollen, Trümpen und anderen Vätern. Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Vive la révolution! Dieser langweilige Geschichtsunterricht macht sich langsam bezahlt. Und das Zeitungslesen auch. And the winner is.... Nicola!

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