Höchstadt a. d. Aisch

Höchstadts Polizeichef setzt Prioritäten

Der Höchstadter Polizeichef Jürgen Schmeißer geht Ende des Monats in den Ruhestand. Er sieht seine Kollegen und sich als "Freunde und Helfer".
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Als Polizeichef von Höchstadt war Jürgen Schmeißer an den verschiedensten Fronten im Einsatz, wie hier bei einer Attacke von Vandalen. Foto: FT-Archiv
Als Polizeichef von Höchstadt war Jürgen Schmeißer an den verschiedensten Fronten im Einsatz, wie hier bei einer Attacke von Vandalen. Foto: FT-Archiv
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"Wenn ein Kollege mit einem Stapel Strafzettel zurück in die Dienststelle kommt, darf er von mir kein Lob erwarten," sagt Höchstadts Polizeichef Jürgen Schmeißer. Hat der Kollege in seinem Dienst aber einer alten Frau über die Straße geholfen, dann schon eher.

Jürgen Schmeißer wird Ende Juni 60. Mit diesem runden Geburtstag endet auch seine Dienstzeit bei der Polizei. Im Januar 2011 übernahm er die Leitung der Dienststelle in Höchstadt. Der gebürtige Erlanger, der in Röttenbach lebt, bezeichnet es als großen Glücksfall, diesen Posten bekommen zu haben. Leiter einer Polizeidienststelle wollte er immer werden und dann wurde er es dort, wo er viele Kollegen und vor allem auch die Örtlichkeiten bereits kannte.

Seine Devise in den gut sechs Jahren in Höchstadt war es, Schwerpunkte der Polizeiarbeit dort zu setzen, wo es am nötigsten ist. Den Bürgern sollte bei jeder Gelegenheit eine Polizeistreife zur Verfügung stehen, und das im gesamten Dienstbereich von Vestenbergsgreuth bis Röttenbach.

"Wir müssen Dinge priorisieren", sagt Schmeißer. Dazu gehöre aber nicht die Verkehrsüberwachung, und schon gar nicht die Kontrolle des ruhenden Verkehrs - außer es steht jemand illegal auf einem Behindertenparkplatz. Die Verkehrssicherheit sei aber schon Sache der Polizei. Schmeißer: "Wer sollte sich sonst darum kümmern."

"Neuneinhalb von zehn Kollegen" machen für ihn in der Höchstadter Dienststelle einen "super Job", auch wenn sie sich, wie die Polizei im ganzen Land, immer mehr körperlichen und verbalen Aggressionen gegenüber sehen.
Der jüngste Fall in München habe erst wieder gezeigt, dass die Polizei überall mit allem rechnen müsse. In den vergangenen sechs Jahren habe er in Höchstadt 26 Fälle erlebt, in denen Kollegen angegriffen wurden.

Auch wenn die Fälle in seinen sechs Höchstadter Jahren nicht so spektakulär waren wie teilweise vorher, habe er hier doch mehr Energie und Kraft verbraucht. Schmeißer führt das auf die Gesamtverantwortung zurück, die er als Dienststellenleiter hatte.

Vor seiner Zeit in Höchstadt arbeitete Schmeißer in "sehr vielen verschiedenen Funktionen". Einige hat er noch gut in Erinnerung, wie beispielsweise seine zwölf Jahre als Wachleiter bei der Erlanger Bergkirchweih. "Was ich dort erlebt habe, hat mich nicht dazu animiert, auch noch privat auf den ,Berg' zu gehen", sagt er mit Blick zurück auf Alkoholmissbrauch und Aggressionen.

Er habe auch "das Gesicht des Todes in allen Varianten" gesehen. Schmeißer war als erstes bei einem 1978 in Bräuningshof abgestürztem Phantom-Düsenjet der Bundeswehr, war an der Ermittlungsarbeit in mehreren Mordfällen beteiligt, musste Todesnachrichten überbringen und zwei aktive Kollegen der Höchstadter Inspektion zu Grabe tragen.

Vier Mal war er aktiv an der Festnahme von Bankräubern beteiligt, stellte an der Rastanlage Steigerwald einen bewaffneten Räuber, der in Schlüsselfeld ein Geschäft überfallen hatte.

Zu den Geschichten, die er nie vergessen wird, zählt Schmeißer die Rettung eines Lebensmüden, der von der Glockenturmplattform der Neustädter Kirche in Erlangen springen wollte und den er im Fallen noch festhalten konnte. Genau erinnern kann er sich auch noch an den bewaffneten flüchtigen Straftäter, der sich in einem Taxi erschoss, als dieses kontrolliert werden sollte.

Über 42 Jahre sei er gerne Polizist gewesen, sagt Schmeißer wenige Tage vor seiner Pensionierung. Angst, in ein Loch zu fallen, hat er nicht. Er freut sich auf mehr Zeit mit seiner Familie, aufs Motorradfahren, Radeln, Wandern und Gitarre spielen.

Die Leitung der Dienststelle Höchstadt wird ausgeschrieben. Für die nächsten sechs bis zwölf Monate wird Christiane Lederer das Amt "zur Führungsbewährung" übernehmen.

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