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Höchstadt
Hilfsprojekt

Höchstadter Student ist aus Nepal zurück

Vom Kathmandu bis ins ländliche Lurpung - Nach sechs Wochen sind der Höchstadter Student Johannes Bechstein und sein Kommilitone Ralf Brünkmann aus Nepal zurückgekehrt.
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Lecks der Wasserleitung haben die Studenten Johannes Bechstein (unten vorne) und Ralf Brünkmann (oben links) in Nepal gestopft. Das Foto zeigt sie mit ihren einheimischen Begleitern.  Fotos: privat
Lecks der Wasserleitung haben die Studenten Johannes Bechstein (unten vorne) und Ralf Brünkmann (oben links) in Nepal gestopft. Das Foto zeigt sie mit ihren einheimischen Begleitern. Fotos: privat
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Mit einem Wort beschreibt Johannes Bechstein, wie die Reise ins ländliche Nepal und die dortige Hilfsaktion, über die der FT bereits Mitte Februar berichtete, gelaufen sind: "Gut." Die beiden Masterstudenten des Internationalen Bauwesens an der Hochschule Nürnberg flogen in den Distrikt Krave im Osten Nepals, um die Wasserversorgung rund um das Dorf Lurpung zu inspizieren.

Wieder zurück in Deutschland hätten sie nun einen kleinen Kulturschock erlebt. Was wirklich schön sei, wäre sich wieder unter eine Dusche stellen zu können und etwas anderes zu essen als Reis, zeigt sich Bechstein dankbar für die Annehmlichkeiten zu Hause. Solang sie sich in der ländlichen Region des Landes aufhielten, gab es täglich Dal Bhat. Hauptbestandteile des traditionellen Gerichts sind Reis und Linsensuppe. In der Haupstadt Nepals gäbe es allerdings das volle kulinarische Angebot, berichtet der Student. Zu Beginn ihrer Nepalreise ging es jedoch vom Flughafen in das Projektdorf Lurpung.

Mangelnde Pflege

Ziel war es, wie Bechstein erklärt, herauszufinden, welche Leistung und welches Potenzial die örtliche Wasserversorgung bietet. Nicht nur, in welchem Zustand sich die 18 Kilometer lange Leitung befindet, wo genau sie verläuft und auch wie viele Menschen und Tiere durch das entnommene Wasser versorgt werden, sollte erfasst werden. Dabei wurde den beiden schnell klar, dass ihr anfängliches technisches Interesse nicht die Hauptproblematik vor Ort war. Nachdem die Studenten erste Lecks an der Leitung mit den aus Deutschland mitgebrachten Werkzeugen reparieren konnten und eine sachgerechte Wartung an den Quellen durchführten, verdoppelte sich das Fördervolumen auf 600 Liter pro Stunde.

Das System sei ausreichend für den aktuellen Bedarf, erklärt Bechstein. Allerdings stellte sich den beiden die Frage, warum die örtliche Bevölkerung nicht selbst die Wasserquellen vor Verwilderung bewahrte und die Filter sauber halte. Über die Gründe könne Bechstein nur spekulieren. Zum einen fehle den Leuten der Bezug zur Leitung, die von einer Nichtregierungsorganisation und der Regierung erbaut worden war. Zum anderen liege ein Teil der Leitung im tiefsten Wald ohne jeden Pfad. Bechstein und Brünkmann schlugen sich deshalb ihren Weg, wo nötig mit einer Machete frei. "Da will keiner durch, um die Quellen sauber zu halten", meint der Höchstadter Student. Auch die Schnelligkeit, mit der die Infrastruktur in Nepal installiert wurde, spiele wahrscheinlich eine Rolle.

Hochbehälter bauen

Für die beiden Studenten heißt es nach ihrer Reise erst einmal Berichte schreiben, sowohl für die Nepal-Hilfe Biberach, die das Projekt begleitet, und auch für den Verein Ingenieure ohne Grenzen, den die beiden an Bord holen wollen. Im Anschluss werden die Studenten das weitere Vorgehen in Nepal planen. So wollen sie eine Regenwassernutzanlage und einen neuen Hochbehälter in der Region bauen. Lässt es das Studium und die Arbeit zu, werden sie erneut nach Lurpung aufbrechen.

Was bei ihrer Reise am häufigsten zum Einsatz kam, waren das GPS sowie ein Laptop. Den Verlauf der Wasserleitung konnten sie so sofort auswerten und markieren, erklärt Bechstein. Aber "alles wurde irgendwann gebraucht". Nicht zuletzt, weil die Temperaturen während ihrer Reise je nach Reisestation zwischen 30 Grad Celsius in Lurpung und Minusgraden im Sagarmatha-Nationalpark schwankten.

Nepalesische Gastfreundschaft

Dabei stellten sie fest, dass die Leute in den ländlichen Gebieten um einiges freundlicher waren. Überall seien sie zum Essen eingeladen worden. Da konnte man gar dagegen nichts tun, erinnert sich Bechstein. In den Tourismusgebieten Nepals sei man als Europäer zahlender Gast.

Erst nach ihrer Ankunft in Deutschland wäre ihnen aufgefallen, dass an ihnen der Geruch von Holzfeuern haften geblieben ist. Sie hätten sich schnell an die ständige Präsenz von Rauch aus den Feuerkochstellen gewöhnt, meint Bechstein. Nach dreimal Duschen sei dieser aber wieder aus den Haaren verschwunden.
Einem Nepalreisenden würde der Student empfehlen, den Reiseführer wegzulegen und sich von Land und Leuten führen zu lassen. Im Umgang mit den "entspannten und lockeren Leute" im "ehrlichen Land" Nepal spielten die vielzitierten Verhaltensregeln nur eine untergeordnete Rolle. Empfehlen könne Bechstein jedem das Land, vor allem aber eine Fahrt mit dem einheimischen Bus. Dieser sei erst voll, wenn auch auch auf dem Dach der letzte Platz besetzt ist und ein Kuh aus dem Fenster des Fahrzeugs blickt.

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