Höchstadt a. d. Aisch
Krankenhaus

Höchstadter Krankenhaus: "Grundversorgung klarstellen"

Die AOK fordert, dass Kliniken bei bestimmten Operationen Mindestmengen durchführen müssen.
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Das Höchstadter Kreiskrankenhaus St. Anna will vor allem die Grundversorgung sicherstellen. Foto: FT-Archiv
Das Höchstadter Kreiskrankenhaus St. Anna will vor allem die Grundversorgung sicherstellen. Foto: FT-Archiv
"Übung macht den Meister." Diese Binsenweisheit trifft auf viele Lebensbereiche zu. So auch auf die Arbeit von Krankenhäusern. In Deutschland hätten viele Krankenhäuser zu wenig Routine bei bestimmten Eingriffen. Darauf weist die AOK mit ihrem Krankenhaus-Report 2017 hin. Die AOK fordert deshalb, dass die Kliniken Mindestmengen an Operationen durchführen, um mehr Routine zu gewinnen. Je häufiger solche Eingriffe vorgenommen würden, desto besser seien die Behandlungsergebnisse für die Patienten. Eine Ausweitung könnte nach Ansicht der AOK zum Beispiel beim Hüftgelenkersatz und bei Schilddrüsen- und Brustkrebsoperationen oder bei der Geburtshilfe sinnvoll sein.

Im Höchstadter Kreiskrankenhaus St. Anna stehen viele große Eingriffe ohnehin nicht auf dem Operations-Plan. "Das sind alles spezielle Sachen, die ein kleines Krankenhaus wie wir nicht machen", sagt Verwaltungsleiter Albert Prickarz. "Wir bieten keine Spezialversorgung, sondern müssen die Grundversorgung klarstellen." Alles andere werde dann an die Uniklinik in Erlangen weitergeleitet.

Zur Grundversorgung zählen alle Krankheitsbilder, die keine Fachbehandlung, beispielsweise durch einen Urologen oder Neurologen, benötigen. In der Regel gehören dazu, wie im Höchstadter Kreiskrankenhaus auch, die Fachrichtungen Chirurgie und Innere Medizin. In der Chirurgie stehen zum Beispiel Leistenbrüche und Blinddarm-Operationen auf der Tagesordnung, so Prickarz.


Regelung für sieben Bereiche

Bislang gilt die gesetzliche Mindestmengenregelung für nur sieben komplexe Leistungsbereiche. Dazu zählen unter anderem Nierentransplantationen, Lebertransplantationen, Kniegelenk-Totalendoprothesen sowie die Versorgung von Frühchen. Eine Mindestmengenregelung bedeutet, dass die Kliniken eine bestimmte Anzahl an Operationen durchführen müssen. So muss ein Krankenhaus beispielsweise 50 Kniegelenke pro Jahr operieren. Bei Nierentransplantationen müssen es mindestens 25 Eingriffe pro Jahr sein.

Prickarz findet es durchaus richtig und sinnvoll, dass ein kleines Krankenhaus keine großen und komplizierten Eingriffe, wie Knieoperationen, durchführe.

Dass die AOK aber auch für Eingriffe wie einen Hüftgelenkersatz eine Mindestmengenregelung fordert, verstehe er nicht. Alle zwei Wochen werde im Kreiskrankenhaus eine Hüfte endoprothetisch behandelt. Dabei werde aber nicht ausdifferenziert, ob dies wegen einer Fraktur oder aus degenerativen Gründen geschehe.

Man müsse aufpassen, dass keine Routineoperationen in die Mindestmengenegelung fallen, sondern nur besonders schwierige und große Operationen. Eine Hüftoperation sei laut Prickarz ein unproblematischer Eingriff. Wissenschaftliche Institute hätten zudem bewiesen, dass es beispielsweise bei einem Hüftgelenk keinen Unterschied mache, wie oft operiert werde. Diesen Eingriff müsse ein Arzt in seiner Ausbildung ohnehin häufiger durchführen als beispielsweise eine Knie-Operation. "Die AOK versucht, in die Regelung ganz normale Feld-und-Wiesen-Chirurgie mit rein zu bringen", sagt Prickarz.
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