Herzogenaurach
Religion

Herzogenauracher setzen wieder ein Zeichen des Glaubens

Am Wochenende starten wieder zahlreiche Herzogenauracher Christen zur Wallfahrt ins unterfränkische Dettelbach.
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Foto: Klaus-Peter Gäbelein
Foto: Klaus-Peter Gäbelein
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Es ist überliefert, dass 1738 Herzogenauracher Gläubige erstmals in den unterfränkischen Gnadenort zogen, um bei der wohltätigen Muttergottes für ihre Familien und für ihre Heimatstadt um Gnade und Beistand zu bitten. Ursache war damals "eine ziemliche Teuerung und folgende Not wegen leidiger Ungewitter", die viele Jahre unsere Herzogenauracher Vorfahren geplagt hatte.
Die Verehrung Mariens in Dettelbach geht zurück auf eine wundersame Heilung in den Jahren 1504/1505. Damals war nach einer Kirchenweihe der "Inwohner des Dorfes Melkendorf, Nikolaus Lemmerer" nach einer Wirtshausschlägerei so schwer verletzt worden, dass er "des Gebrauchs seiner Glieder unfähig war" und auch kein Wort mehr reden konnte. Doch der allmächtige Gott erbarmte sich seiner und bei einer Erscheinung erfuhr er, wenn du zum Bilde "Unserer lieben Frau" nach Dettelbach wallfahre und eine Wachskerze opfere, werde er wieder gesund. Nun, der Kranke tat wie ihm aufgetragen, wurde gesund und nachdem in der Folge weitere Heilungen nach dem Besuch des Gnadenbildes und nach Gebeten zur Gottesmutter erfolgt waren, entwickelte sich reger Wallfahrtsverkehr zu dem Bild und der bald errichteten Wallfahrtskirche. 1613 wurde dank der Unterstützung des bekannten Fürstbischofs Julius Echter eine größere Wallfahrtsbasilika gebaut, die dann nach dem 30-jährigen Krieg ihr heutiges Aussehen erhielt.



Wiederbelebung der Fußwallfahrt

Nur Kriegswirren konnten die hiesigen Wallfahrer in den Folge (ab 1738) von ihrem viertägigen Bittgang nach Dettelbach abhalten. Die Stationen wiederholten sich dabei: Über Großenseebach, Hesselberg und Höchstadt zog man über den "Elsendorfer Steg" nach Schlüsselfeld und schließlich zum Nachtquartier in Geiselwind. Die "Vorsteher", wie man einst die Wallfahrtsleiter nannte, mussten dabei ein achtsames Auge auf ihre "Schäflein" werfen, "dass in Höchstadt nicht überflüssiges Essen und Trinken überhand nehme" und dass in Geiselwind "die jungen Leute beiderlei Geschlechts abgesondert liegen", zu deutsch, dass sie getrennt schliefen. Über Wiesentheid ging es dann weiter in den Wallfahrtsort. Nach der Übernachtung in Dettelbach trat man nach der Hauptmesse am drittenTag den Rückmarsch in Richtung Heimat bis nach Schlüsselfeld an, bevor es nach einer weiteren Übernachtung zurück in die Heimatstadt ging.
Mit der Fertigstellung der Eisenbahnstrecke Nürnberg-Würzburg (1865) wurde die Wallfahrt um zwei Tage verkürzt. Man wallte jetzt durch den Aurachgrund nach Emskirchen (circa 15 Kilometer), nutzte dann die Bahn bis Mainstockheim und zog von hier die restlichen acht Kilometer zu Fuß zur Wallfahrtskirche.
Anlässlich der 250-jährigen Wiederkehr der Wallfahrt 1988 sammelte Helmut Fischer eine kleine Schar von Gleichgesinnten und regte die Fußwallfahrt wieder an. Es war das "Fähnlein der 7 Aufrechten", das erstmals wieder auf den "Spuren der Väter" in Richtung Dettelbach zog: Helmut Fischer, Dieter und Gerhard Hagen, Heinz Frenzel, Erwin Hacker, Klaus Süß, Klaus-Peter Gäbelein. Seither hat die Fußwallfahrt immer mehr Anhänger gefunden, die ihren Glauben auf diese Weise bekunden.
Bis zu 50 Teilnehmer haben sich in den letzten Jahren bei Helmut Fischer gemeldet, denn er ist der unermüdliche Motor und Organisator der Fußwallfahrt. Er ist "Mädchen für alles", kümmert sich um die Quartiere und das Versorgungsfahrzeug, mit dem das Gepäck der Teilnehmer ins Unterfränkische gebracht wird und spricht sich mit den Bahnwallfahrern und Pfarrer Helmut Hetzel bezüglich des Ablaufes der Feierlichkeiten in Dettelbach ab. Die Zeiten, in denen mehrere Franziskanerpatres die Wallfahrer begrüßten und begleiteten sind vorbei. Es gibt keine Franziskaner in Dettelbach mehr. Das Kloster ist baufällig und geschlossen, ein Käufer und Investor noch in weiter Ferne.
Wie nach dem Vorbild der Väter pilgerten alle Herzogenaurach Wallfahrer früher immer Ende Juli/Anfang August zur Muttergottes im Sand. In den letzten Jahren hat sich die Herzogenauracher Wallfahrt terminmäßig verschoben. In diesem Jahr findet sie bereits am kommenden Wochenende vom 23. bis zum 25. Juni statt. Dann ist das bekannte Weinstädtchen unterhalb der Weinlagen "Honigberg und Cyriakusberg" wieder fest in Herzogenauracher Hand.
Neben den 39 Fußwallfahrern (darunter 19 Frauen) haben sich 35 Radfahrer angemeldet, darunter zahlreiche Firmlinge. 30 Personen ist die Gruppe der Fuß- und Buswallfahrer stark, die nach Puschendorf zieht und von hier aus per Bus bis Mainstockheim fährt, bevor man den Main mit der Fähre in Richtung Dettelbach überquert. Schließlich liegen derzeit weitere 16 Anmeldungen für eine reine Buswallfahrt vor. Es sind Pilger, die direkt zur Wallfahrtskirche gefahren werden. "Erfahrungsgemäß kommen da aber sicherlich noch einige Kurzentschlossene hinzu," soweit Thomas Kotzer Mitfahrer dazu.
Die Anmeldung ist im Pfarrbüro möglich. Und nicht vergessen werden darf, dass zahlreiche Gläubige im eigenen Pkw am Sonntag anreisen, um das Wallfahrtsamt (um 9.00 Uhr), zelebriert von Stadtpfarrer Helmut Hetzel, mitfeiern zu können.


Dettelbach 2017 - Fußwallfahrer erinnern sich an 1988



Herzogenaurach. Was der Mensch in extremen Situationen zu leisten vermag, habe ich vor 29 bei unserer ersten Fußwallfahrt nach Dettelbach zusammen mit meinen Wallfahrtskollegen erfahren. Zwischen 35 und 45 Jahren alt waren wir: also im besten Mannesalter und einigermaßen sportlich und gut zu Fuß. Was sollten uns da die "paar 80 Kilometer nach Dettelbach" schon ausmachen, auch wenn der Wetterbericht große Hitze vorhersagte?
Keiner kannte den Weg genau, aber wir hatten ja Wanderkarten und Kompass dabei und wollten "auf den Spuren der Väter" und auf den beschriebenen Routen Dettelbach erreichen. Die grobe Richtung war vorgegeben und die einzelnen Stationen fanden wir im Wallfahrtsbüchlein von 1738; selbiges hatte Helmut Fischer nachdrucken lassen und nach diesem Wallfahrtsführer wollten wir uns richten. Die Quartiere waren vorbestellt: zunächst im "Historischen Stern" in Geiselwind und außerdem im "Grünen Baum" in Dettelbach, die Rucksäcke waren voll (!) bepackt und Pfarrer Hans Sterzl fand sich um 7 Uhr pünktlich ein, um uns mit dem Reisesegen zu verabschieden.
Durch den Birkenbühl ging´s zum Valentinskirchlein nach Obermembach, dann über Großenseebach nach Dannberg. Inzwischen brannte die Sonne vom Himmel, jetzt wäre etwas zum Trinken recht! An vieles hatten wir gedacht, nicht aber an größere Wasservorräte und die kleinen Trinkflaschen waren längst geleert. Die "Bierwirtschaft"Gerner in Dannberg kam da gerade recht. "A Mäßla" kann nicht schaden", so der Tenor. Keiner hatte bedacht, dass Bier zwar den Durst momentan löscht, dass die Kehle jedoch nach mehr verlangt und dass die Glieder müde und schwer werden.
Endlich Schatten im Kirchlein in Hesselberg, aber nichts Trinkbares! Wir müssen durch das Mohrhofgebiet in Richtung Höchstadt und Gremsdorf. Das Schilf zwischen den Weihern wurde immer höher, die Spur immer unwegsamer - und dann war Schluss! Aus! Es geht nicht weiter! Zurück ! Man half sich gegenseitig über einen Wassergraben und sumpfiges Gelände und stolperte weiter in Richtung Krausenbechhofen, dort ist ein Gasthaus! Leider geschlossen! Also weiter: diesmal nehmen wir die Straße in Richtung Gremsdorf und Höchstadt umsicher zu gehen. .
Der Asphalt glühte unter unseren Füßen, dann noch ein verdammter Berg und es sollte sich herausstellen, dass wir mehr als 2 km Umweg laufen mussten. Endlos zog sich ab Gremsdorf der Weg durch den Aischgrund in Richtung Höchstadt hin. Die Perle des Aischgrunds wollte nicht näher kommen. Dann endlich die alte Aischbrücke und eine offene Gaststätte. Ein vorzüglicher Reh- oder Schweinsbraten im Gasthaus Blauer Löwe und "zwaa Seidla" Bier, das muss doch Auf- und Antrieb geben. Gab es auch: aber ein voller Bauch marschiert nicht gern! Und die Hitze wurde immer unerträglicher!
Ans Beten dachten wir kaum noch auf dem Weg in Richtung Lonnerstadt, bis wir merkten: wir haben uns schon wieder verlaufen! Wir müssen doch den Berg hinauf in Richtung Weingartsgreuth. Oben im Wald: endlich Schatten und eine unbekannte Wegmarkierung. Ob´s da wirklich in Richtung Weingartsgreuth geht? Dann hörten wir das Dröhnen der Autobahn, schleppten uns an Feldern vorbei in Richtung A 3. Rast hinter der Autobahnbrücke im dürftigen Schatten einer dürren Hecke.
Handteller groß war inzwischen die Blase am linken Fuß von Helmut. Wenn er doch nur den Rat nicht befolgt hätte, die Blase nicht auf- und den Hautlappen nicht wegzuschneiden! Da muss man einen Wollfaden durch die Blase ziehen und so eine Drainage herstellen, dass die Flüssigkeit aus der Blase ablaufen kann! Heinz gab den Rat. Er hatte bei der Bundeswehr Erfahrungen sammeln können.
Helmut schleppte mich mit wundem Fuß weiter.
Die Gaststätte von Erich Weichlein war die nächste Erlösung. Für eine weitere Mahlzeit war den meisten der Appetit vergangen, aber "a Schnäpsla" könnte doch die Lebensgeister wecken. Gesagt - getrunken! "Am besten ihr geht oben am Waldrand weiter in Richtung Kleinwachenroth. - Die voll gepackten Rucksäcke drückten und scheuerten.

Es gibt noch gute Menschen! Man reichte uns in "Klaa-Wachenroth" eine "Stelzen" (ein hölzernes großes Trinkgefäß) mit frischem kühlen Bier! Köstlich! Der der Einheimischen: "Geht über über Possenfelden nach Thüngfeld/Schlüsselfeld". Also schon wieder über einen "Berg". Da bleiben wir doch lieber auf dem stillgelegten Bahngleis! Von Schwelle zu Schwelle in brütender Hitze - tödlich! Endlich Thüngfeld. Wir schleppen uns in die Kirche! Ein kurzes Stoßgebet und dann werfen wir uns auf eine schattige Bank in der Dorfmitte. Gegenüber ein Supermarkt. Ich besorge Wasser für alle und 1 Flasche Sekt um das Wasser zu "strecken".
Im Schatten der Gaststätte "Zum Storch" werden die Wunden, sprich die Blasen gepflegt. Seniorchef Leisgang schwärmt von Herzogenaurach und seiner Zeit im Kreistag im Altlandkreis HÖS, wo er einst mit den Herzogenauracher Kreisräten politisierte. Aber ehrlich gesagt: das lässt uns kalt!
Eines ist jetzt schon klar: die Ankunftzeit in Geiselwind, die für 18 - 19 Uhr geplant war, können wir beim besten Willen nicht einhalten. Inzwischen ist es nach 16 Uhr und vor uns liegen noch gute 15 km. Wir schaffen nur noch maximal 3 bis 4 km in der Stunde, sind "platt" und ausgelaugt. Von der Telefonzelle in Wasserberndorf (Mobiltelefone hatten wir damals noch nicht!) wird in Geiselwind angerufen: Man möge auf jeden Fall die Zimmer weiterhin reservieren und nicht vermieten, wir kommen auf alle Fälle - und wenn´s Mitternacht wird.
Wir schleppen uns die geteerte Straße an der Autobahn entlang, der Kirchturm von Geiselwind ist zu sehen, aber er kommt und kommt nicht näher. Als hätten wir noch nicht genug gebüßt, führt der Weg auch noch durch eine Sandgrube, in der es nicht nur staubt, hier steht die Hitze! Jetzt wissen wir alle, was Buße tun bedeutet.
Nach offiziellen 53 Kilometern ist es endlich geschafft - aber bei uns werden es wohl fast 60 km gewesen sein. 21.45 zeigt die Uhr. Wasser, Wasser! Wehe, du setzt dich jetzt hin! Du kannst kaum mehr aufstehen vor Muskelkater und dann auch noch Treppenstufen hinauf-steigen - ein Martyrium! Wie soll das morgen noch einmal auf ca. 30 Kilometern Länge nur weitergehen?
Es (wir) musste(n) gehen! Es ging und am 2. Tag sogar betend und singend. Wir zogen bereits um 5 Uhr los, machten mehrer kurze Pausen und vor allem Trinkpausen, mussten uns unterwegs die Frage gefallen lassen "was seid denn ihr für Wandervögel?". In der größten Mittagshitze erreichten wir die Wallfahrtskirche in Dettelbach, ausgelaugt und mit Tränen in den Augen, weil wir es geschafft hatten. 83 Kilometer - ohne die Umwege!
Der Muttergottes im Weinberg sei gedankt und im nächsten Jahr werden wir vieles anders und besser machen, denn nicht nur aus Schaden, nein auch aus Büßerqualen wird man klug.
Für das nächste Jahr haben wir im Herbst schon vorgesorgt, sind die Strecke mit dem Rad abgefahren und haben den kürzesten Weg ausgesucht. Und da reifte auch der Gedanke, künftig das Gepäck - fast alles unnötiger Ballast - mit einem Begleitfahrzeug zum abendlichen Quartier und letztlich bis ins Unterfränkische bringen zu lassen. In diesem Jahr, es ist inzwischen die 30. Fußwallfahrt hat Helmut Fischer alles wieder bis ins kleinste Detail organisiert - Logistik ist alles!

Klaus-Peter Gäbelein
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