Herzogenaurach
Terror

Herzogenauracher fühlen mit französischen Freunden

Bürger aus Herzogenaurach und der französischen Partnerstadt Sainte Luce reagieren "gelähmt, entsetzt und wütend" auf die Anschläge in Paris. Aber: Der Terror werde die demokratischen Prinzipien in Europa nicht zerstören, schreibt Bürgermeister German Hacker an seinen Amtskollegen Jean-Guy Alix .
Artikel drucken Artikel einbetten
Die Beflaggung im Herzogenauracher Schlosshof zeigt die Verbundenheit mit Frankreich und Europa.  Foto: Bernhard Panzer
Die Beflaggung im Herzogenauracher Schlosshof zeigt die Verbundenheit mit Frankreich und Europa. Foto: Bernhard Panzer
+1 Bild
Mit Entsetzen, aber auch mit Wut haben Bürger in Herzogenaurach auf die schrecklichen Terroranschläge von Paris reagiert. Stadtoberhaupt German Hacker (SPD) thematisierte die Ereignisse bereits bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Sonntag und verfasste am Montag ein Schreiben an seinen Amtskollegen Jean-Guy Alix in der französischen Partnerstadt Sainte Luce sur Loire.

Durch die Kontakte mit den Bürgern dieser Stadt stehen viele Herzogenauracher seit Jahrzehnten in einer besonderen Beziehung mit den Menschen in Frankreich. Hacker bekräftigt das: "In diesen schweren Tagen fühlen wir uns in Herzogenaurach noch enger mit Ihnen verbunden."


Hacker schreibt an Kollegen

"Im Namen der Stadt Herzogenaurach, des Stadtrats, der Bürgerschaft und auch persönlich spreche ich Ihnen und der ganzen Bevölkerung unserer Partnerstadt Sainte-Luce-sur-Loire und allen französischen Freunden unser zutiefst empfundenes Beileid aus", schreibt Hacker. Er stellt weiterhin fest: "Der Anschlag galt nicht nur Paris oder Frankreich, sondern uns allen, die wir für ein friedliches Europa stehen."

Aus Solidarität mit den französischen Freunden hat die Stadt am Samstagvormittag im Schlosshof die Nationalflaggen von Frankreich und Deutschland sowie die europäische Fahne gehisst. Das will Hacker auch als ein Signal verstanden wissen, ein Signal " gegen jede Form von Intoleranz, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt".


Terror mitten in Europa

Eng mit den Menschen in der Partnerstadt Sainte Luce verbunden ist Christa Nitschke, die Vorsitzende des Herzogenauracher Fördervereins. "Gelähmt und entsetzt" habe sie auf die schrecklichen Ereignisse reagiert, aber auch "sehr wütend". Solcher Terror mache vieles kaputt, was jetzt mühevoll entstanden sei. Nitschke sorgt sich vor allem um "unsere Willkommenskultur zu muslimischen Menschen und Flüchtlingen". Das werde sehr beeinträchtigt. Am Nachmittag wollte sie sich mit Annick Gaudicheau in Verbindung setzen, ihrer Vorstandskollegin im Partnerschaftsverein von Sainte Luce.

Die Menschen im nahen Osten müssten täglich mit dieser Bedrohung rechnen, doch nun sei der Terror mitten in Europa, sagte Christa Nitschke. Darauf ging auch Bürgermeister Hacker in seiner Rede am Volkstrauertag ein. Diese Terroranschläge "in unserer Mitte" trafen in den Cafés, Bars und Sälen "unsere europäischen Freunde, es hätten genauso auch wir sein können", sagte Hacker. Auch er forderte, den bisher rund 300 Flüchtlingen in Herzogenaurach weiterhin Hilfe zukommen zu lassen. Man habe "im friedvollen, vereinten Europa" eine doppelte Verpflichtung: sich weiter für das friedliche Europa einzusetzen und den Kriegsflüchtlingen Asyl zu gewähren.


Bangen aus der Ferne

Rosa Abel betreut im Herzogenauracher Rathaus die Aktivitäten mit der französischen Partnerstadt und war von der Terrornacht auch persönlich getroffen. Die Französin musste um ihren Sohn bangen, der sich am Freitagabend im Fußballstadion aufgehalten hatte, als die Explosionen Paris erschütterten. Vor allem, als die Bilder am Fernsehen zeigten, wie Staatspräsident Francois Hollande das Stadion verließ und nicht zurückkehrte, sei sie sehr besorgt gewesen. Zumal ihr Sohn auf ihren Kontaktversuch über WhatsApp nicht antwortete. Erst zwei Stunden später habe er sich wohlbehalten gemeldet, sagte Abel. Das Bangen aus der Ferne, sagte die Mutter, sei richtig schlimm gewesen.

Am Montagnachmittag wollte sie nach Nürnberg fahren, um an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen und die Geschehnisse zu verarbeiten. Am Samstag, direkt nach den schrecklichen Ereignissen, sei sie sogar gefasster gewesen als jetzt ein paar Tage später, sagt die Fürtherin, die aus der Normandie stammt.

Auch in der Partnerstadt Sainte Luce hat man erschüttert reagiert. Man sei erstaunt gewesen, dass ein Terroranschlag nochmal hat geschehen können, sagte der Leiter des Amtes für Kinder- und Jugendbetreung, Christophe Iltis, auf Anfrage des FT. Aber man sei fest entschlossen, sich den Terroristen nicht zu beugen. "Jetzt haben wir eine Zeit der Trauer und der Besinnung", sagte Iltis. Aber danach wolle man das Leben weiterführen wie zuvor.


Aufarbeitung in Schulen

Am Montag haben alle Bürger eine Gedenkminute eingelegt, sagt der Franzose weiter. "Wir wollen alle zusammen sein", sagte er. Die Kraft der Demokratie spüren. "Das ist sehr wichtig für uns." Auch in den Schulen fand eine solche gemeinsame Aufarbeitung statt. Die Lehrer haben alle mit den Schülern darüber gesprochen", berichtet der Amtsleiter.

Besondere Maßnahmen seien in der Stadt als Antwort auf den Terror nicht vorgesehen. Die Bürger würden angehalten, aufmerksamer zu sein und Auffälligkeiten mitzuteilen. Aber grundsätzlich gelte: "Wir wollen weiter leben wie zuvor."

Beistand kommt aus dem Herzogenauracher Rathaus. "Wir lassen nicht zu, dass Terror unsere demokratischen Prinzipien zerstört und uns die Freiheit raubt", schreibt Bürgermeister German Hacker an seinen Amtskollegen Jean-Guy Alix. Und: "Die überall spürbare europäische Solidarität gegen Terrorismus und gegen jede Form von Gewalt vereint uns, ungeachtet aller politischen, ethischen und religiösen Unterschiede."
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren