Herzogenaurach
Gedenken

Herzogenauracher feiern ihren Stadtpatron Sebastian

Zu Ehren des heiligen Sebastian gibt es am Sonntag einen Festgottesdienst und eine Prozession.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das ehemalige Altarbild der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena von 1785 zeigt, wie Irene den heiligen Sebastian rettet, um ihn zu pflegen. Foto: Manfred Welker
Das ehemalige Altarbild der Stadtpfarrkirche St. Maria Magdalena von 1785 zeigt, wie Irene den heiligen Sebastian rettet, um ihn zu pflegen. Foto: Manfred Welker
Seit der Herzogenauracher 1000-Jahr-Feier 2002 wird der Festtag des heiligen Sebastian in der Stadt wieder mit einer Prozession feierlich begangen. In diesem Jahr feiert die Stadtpfarrei am Sonntag, 19. Januar, mit den Herzogenaurachern das Fest. Aber auch schon früher gedachten die Herzogenauracher ihres Stadtpatrons.
Im Jahr 1496 wurde die ganze Pfarrei von einer fürchterlichen Pest heimgesucht. Täglich wurden mehrere Leichen zu Grabe getragen, und der Tod drohte die Pfarrei völlig zu entvölkern. Da nahm die hiesige Bürgerschaft ihre Zuflucht zum heiligen Sebastian, errichtete zu seiner Ehre einen Altar in der Kirche und trat in ein heiliges Bündnis zusammen.

Bis zu den Umbrüchen in der Napoleonischen Zeit gab es in Herzogenaurach eine eigene Sebastiani-Bruderschaft. Über die Entstehung dieser Bruderschaft konnte der Herzogenauracher Forscher Luitpold Maier einiges in Erfahrung bringen. Im Jahr 2006 hat außerdem die Herzogenauracherin Julia Bucher ihre Zulassungsarbeit zu diesem Thema verfasst.

Einige Tage vor den Festtagen um den 20. Januar mussten durch die Bruderschaft Verkündigungszettel in die umliegenden Ortschaften, die nicht mehr zur Pfarrei zählten, getragen werden. Solche kamen sogar nach Höchstadt und Etzelskirchen. Auch die Geistlichen von auswärts, die in Herzogenaurach mit Beichthören und anderen kirchlichen Funktionen tätig waren, mussten für zwei Tage entschädigt werden. Den größten Teil davon trug jedoch die Kirchenverwaltung.

So wurden im Jahr 1715 sieben Geistliche einschließlich der hiesigen erwähnt, die in Herzogenaurach Beichte hörten. Es waren Karmeliten aus Bamberg, Kapuziner aus Höchstadt und Franziskaner aus Forchheim.

Einen ziemlichen Aufwand beanspruchte natürlich die öffentliche Prozession. Sowohl während des Gottesdienstes als auch der Prozession musizierten die Türmer von Höchstadt. Lediglich 1715 und 1718 werden auch die Türmer von Bruck als Musikanten erwähnt. Während des Hochamtes wurden an diesem Tage vor der Kirchentür drei Böllerschüsse abgegeben, und es paradierte eine Abteilung Bürgerwehr vor dem Altar.

1719 wurde eine neue Statue angeschafft, deren Kosten zwölf Gulden und 50 Kreuzer für den leider nicht genannten Maler und Bildhauer in Bamberg betrugen. Der Kunstmaler Johann Fischer von Erlangen vergoldete den Altar mit feinem Gold, wofür er 95 Gulden erhielt. Ein ehemaliges Altarbild aus dem Jahr 1785 von dem Maler Hirschmann (in Frage kommen entweder Johann oder Andreas Hirschmann) hat sich erhalten und wird jetzt im Stadtmuseum von Herzogenaurach verwahrt.

In den Wirren der Napoleonischen Zeit um 1800 gingen die finanzielle Ausstattung und die Kostbarkeiten der Bruderschaft verloren. Auch der Altar wurde 1902 abgebrochen und mit unbekanntem Empfänger verkauft, sodass lediglich die Statue des heiligen Sebastian aus dieser Zeit auf uns überkommen ist. 1935 wurde sie in den neugeschaffenen, jetzigen Altar eingefügt, der eine Kopie eines Altars aus Pettstadt ist. Früher war der 20. Januar, der Tag des hl. Sebastian, in Herzogenaurach sogar ein lokaler Feiertag. Gottesdienste mit auswärtigen Predigern und Beichtgelegenheiten prägten diesen Festtag des Herzogenauracher Stadtpatrons.
Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren