Herzogenaurach
Natur

Herzogenauracher Umweltfrevel hinter Schilf

Die Stadt muss die Verschmutzung eines Weihers zwischen der Herzo Base und Haundorf für teures Geld beseitigen lassen.
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Der Weiher ist jetzt eine öde Fläche. Der mit Öl verschmutzte Schlamm muss entsorgt werden.  Foto: B. Panzer
Der Weiher ist jetzt eine öde Fläche. Der mit Öl verschmutzte Schlamm muss entsorgt werden. Foto: B. Panzer
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An jenen Tag im Juli denkt Bürgermeister German Hacker (SPD) nur sehr ungern zurück. Damals entdeckten Mitarbeiter der Stadt in einem Weiher nahe Haundorf einen Umweltskandal. Etwa 3000 oder 4000 Liter Öl, Diesel oder andere Mineralöle waren in den Teich geleitet worden und hatten das Erdreich massiv verunreinigt. Der Verursacher blieb damals unbekannt, die finanziellen Folgen waren nicht wirklich absehbar. Der Weiher liegt auf Höhe der Adidas-Zentrale jenseits der Kreisstraße.

Heute, knapp acht Monate später, ist man etwas schlauer. Aber trotzdem noch immer nicht beruhigt. Denn der Schaden für die Stadt liegt bei mehr als einer halben Million Euro und ein Verursacher konnte noch immer nicht gefunden werden. Der Biotop von damals - es war Rückzugsgebiet von Vögeln und Insekten - ist verschwunden.

Der Weiher ist trocken gelegt, das Schilf abgeholzt, ebenso wie weiterer Uferbewuchs. Der "Schlagweiher" gleicht einer Baustelle, und das wird er auch die nächste Zeit bleiben. Denn jetzt müssen dort die Verunreinigungen respektive der Weiherboden beseitigt werden. Der Stadtrat soll am kommenden Donnerstag einen entsprechenden Beschluss fassen.


Mindestens sechs Jahre zurück

Wie Bürgermeister Hacker im Vorfeld der Sitzung mitteilte, liege die Verschmutzung wohl zwischen sechs und neun Jahren zurück. Bis heute habe man keine Anzeichen darauf, wie der Weiher verunreinigt wurde. Möglicherweise sei das Öl, der Diesel oder auch ein anderer Stoff sogar direkt in den Weiher geleitet worden, also nicht über irgendwelche Gräben oder Leitungen. Und das ist für Hacker erschreckend. "Wir sprechen nicht über ein paar Kanister voll", sagte er im FT-Gespräch. Es gehe um ein paar tausend Liter, vermutlich zwischen 2500 und 4000.

Bemerkt hat man die Verunreinigung erst, als der Weiher von der Stadt untersucht wurde. Denn der, neben einem Regenrückhaltebecken gelegene Weiher sollte als zusätzliche Fläche für Oberflächenwasser geprüft werden. Das setzen die planerischen Vorgaben voraus, die für die Entwässerung des dortigen Gebietes erforderlich sind. Und diese ist erforderlich, weil zum einen Adidas weitere Bauten auf seinem nördlichen Firmengelände beabsichtigt, und weil zum anderen die Stadt ja das an der Nutzung bestehende Vereinsareal deutlich vergrößert.

Erst im Sommer des letzten Jahres, als der Weiher begutachtet wurde, sei die Verschmutzung entdeckt worden. "Das Schilf hatte den Schlamm einfach zudeckt", sagte der Bürgermeister. Das Gute an der ganzen Geschichte sei, dass der Schlamm die Schadstoffe gebunden habe. In die dort mehrfach vorhandenen anderen Weiher sei nichts gelangt.


Fast eine halbe Million Kosten

Damals hatten sowohl die Polizei als auch ein von der Stadt beauftragtes Büro die Untersuchungen angestellt. Weil die Verschmutzung aber schon mehrere Jahre zurücklag, konnten laut Hacker keine Spuren gefunden werden. Der Verursacher ist bis heute unbekannt.

Mit der Entsorgung des Weihersschlamms soll der Stadtrat am Donnerstag um 18 Uhr die Firma Geiger Umweltsanierung aus München beauftragen. Die Kosten liegen bei 495 000 Euro. Der Umweltskandal kostet die Stadt aber noch mehr, denn auch die Untersuchungen seit Juli müssen bezahlt werden.
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