Herzogenaurach
Religion

Herzogenauracher Martini-Ritt soll abgeschafft werden

Schön war der traditionelle Brauch auch heuer wieder, aber aus Sicherheitsgründen soll es nie wieder einen Martini-Ritt der Förder- und Werbegemeinschaft Herzogenaurach geben. Dies stößt bei vielen Eltern auf Unverständnis.
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Auf dem Wallach "Rotary" reitet Sankt Martin (Martin Feucht). Fotos: Richard Sänger
Auf dem Wallach "Rotary" reitet Sankt Martin (Martin Feucht). Fotos: Richard Sänger
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Wenn es nach einem Beschluss der Förder- und Werbegemeinschaft (Föwe) geht, startete der Martini-Ritt heuer zum letzten Mal vom Kirchenplatz - wohl aus Sicherheitsgründen. Noch saß wie in all den Jahren zuvor ein echter Martin (Martin Feucht) auf dem Schimmelwallach Rotary ein "echter" Martin (Martin Feucht). Seit seinem 18. Lebensjahr führt Feucht den Martinszug an. Der langjährige Reiter der Reitschule Staudenmaier auf dem Aurachtaler Reiterhof Hessenmühle und Mitglied im Reitclub Herzogenaurach reiste dafür extra aus München an.

Der Ingenieur für Sicherheit und Gefahrabwehr (Brandschutzingenieur am Klinikum der Universität München) ließ es sich nicht nehmen, das Pferd Rotary mit Holsteinischen Brandzeichen, namhaftes und eingetragenes Turnierpferd der deutschen Turnierliste, selbst zu reiten. Die Freizeitreiterin und medizinische Fachangestellte Caroline Gassert war in diesem Jahr der Knappe, und als Bettler fungierte wieder Konrad Seeberger.

Eskorte sorgt für Abstand

Damit die Kinder einen sicheren Abstand einhielten, begleitete eine Eskorte mit Roland Staudenmaier, Stefan Mäckl-Kutschera und Jakob Wielgus den Umzug durch die Hauptstraße. Erwartungsgemäß fanden sich viele Kinder auf dem Kirchenplatz ein. Sie wurden bis zum Beginn des Umzugs von Bläsern der Stadtjugendkapelle und auch am Ende mit Martinsliedern unterhalten. Natürlich gab's, nachdem der heilige Martin seinen Mantel geteilt hatte, auch in diesem Jahr wieder die beliebten Brezen.
Die Kunde, dass es im nächsten Jahr keinen Martinsritt mehr geben wird, stieß bei vielen Eltern auf Unverständnis. Beschlossen wurde dies in der außerordentlichen Mitgliederversammlung der Föwe. Grund für diese ist Entscheidung ist allerdings nicht, wie von einigen Eltern vermutet, wegen der Diskussion um die Linkspartei, die Christen und Muslime gleichermaßen verwundert. Föwe-Vorsitzender Michael Dassler hatte bei der Mitgliederversammlung vor allem Sicherheitsbedenken vorgebracht.

Die türkischstämmige Mutter ist fassungslos

Dies führte erwartungsgemäß zu Diskussionen bei den Eltern auf dem Kirchenplatz. Aysel Sandner mit türkischer Abstammung, die mit ihren Zwillingen Bora und Felix sowie deren achtjähriger Schwester Nadira zum Martinszug kam, konnte sich fast nicht mehr beruhigen. "Ich bin seit 16 Jahren in Deutschland, Türkin und Muslima, die Diskussion kann ich nicht verstehen", erklärte die Frau mit blitzenden Augen. "Wenn ich in ein anderes Land gehe, dann akzeptiere ich ganz einfach Sitten und Gebräuche", fügte sie hinzu und erzählt, dass ihre älteste Tochter ganz normal in den Religionsunterricht sowie in den Kindergottesdienst gehe und die Familie auch wegen der Kinder alle christlichen Feste feiere. "Ich kann meine Kinder doch nicht zwingen, Muslime zu werden, außerdem gibt es nur einen Gott", setzte sie hinzu.

Aysel Sandner kann nicht verstehen, dass christliche Bräuche in Kindergärten und Schule eine Diskriminierung muslimischer Kinder sein sollen. Überhaupt findet sie die ganze Diskussion um Sankt Martin sehr verwunderlich. Die dreifache Mutter. würde es bedauern, wenn der Martini-Ritt nicht mehr stattfinden würde.
Ähnlich äußerte sich auch Ira M., die mit ihren beiden Kindern Lara und Tobias zum Kirchenplatz gekommen war. "Die Kinder freuten sich seit Wochen auf diesen Abend", sagte die junge Mutter.
Sie hoffe, dass die Verantwortlichen nochmal darüber nachdenken. "Ob dann der St. Martin mit dem Feuerwehrauto kommt?", fragte der sechsjährige Tobias, der so halb zugehört hatte.

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