Herzogenaurach
Projekt

Herzogenauracher Flüchtlingskindern wird der Start ins Lesen leicht gemacht

Den Flüchtlingskindern in der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Praktikermarkt in Herzogenaurach wurden Sets zum Lesestart ausgehändigt.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bei der Übergabe der Lesesets (von links): Landrat Alexander Tritthart, MdB Stefan Müller, Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff sowie Jörg Seiermann und Christian Stöcker vom ASB. Für den Fotografen gab es die Auflage, die Kinder nicht erkennbar zu fotografieren.  Foto: Bernhard Panzer
Bei der Übergabe der Lesesets (von links): Landrat Alexander Tritthart, MdB Stefan Müller, Zweite Bürgermeisterin Renate Schroff sowie Jörg Seiermann und Christian Stöcker vom ASB. Für den Fotografen gab es die Auflage, die Kinder nicht erkennbar zu fotografieren. Foto: Bernhard Panzer
+5 Bilder
Rund 50 Kinder sind zurzeit unter den etwa 460 Flüchtlingen in der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Praktikermarkt. Für die Kleinen unter ihnen, bis zu fünf Jahren, gab's gestern, ein paar Tage vor dem Weihnachtsfest der Christen, ein Geschenk. Sie bekamen einen Stoffbeutel mit einem Wörterbuch drin. "Lesen bringt dich weiter" steht außen drauf.

Und genau darum geht es bei der Gabe, die von der "Stiftung Lesen" für alle Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland zur Verfügung gestellt wird. Es geht darum, den Kindern den Lesestart zu erleichtern. Dazu gab es eine Medienbox für die Deutschlehrer. Diese richtet sich an die Arbeit mit Kindern bis zu zwölf Jahren. Auch wird ein Seminarangebot unterbreitet.

Es ist ein dreijähriges Programm, das das Bundesbildungsministerium jetzt gestartet hat. Staatssekretär Stefan Müller (CSU) war nach der Ministerin Johanna Wanka erst der zweite Abgeordnete, der eine Einrichtung besuchte. Begleitet wurde er von Landrat Alexander Tritthart (CSU), "dem Chef vom ganzen Landkreis", wie Müller den Kindern erklärte, und der Zweiten Bürgermeisterin Renate Schroff (SPD). Auch Jörg Maas, der Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, sowie Jürgen Seiermann und Christian Stöcker vom ASB waren dabei. Die Medienbox wurde an Brigitte Geinzer-Gehr überreicht.


Start in ein neues Leben

Solche Erstaufnahmeeinrichtungen seien für viele Flüchtlingsfamilien der Ausgangspunkt für ihr neues Leben in Deutschland, erläuterte der Bundestagsabgeordnete aus Großenseebach. Hier werde der Grundstein für eine erfolgreiche Integration gelegt. Und den Kindern erläuterte er den Zweck: "Damit die Kinder, die in Deutschland sind, alle gut lesen können." Laut Jörg Maas, dem Chef einer "Organisation, die Bücher verschenkt" (Müller), sollen die Sets helfen, sich spielerisch mit der neuen Umgebung und Sprache auseinanderzusetzen. "Das frühkindliche Lesen, egal in welcher Sprache, ist die beste Voraussetzung für Bildung", sagte Maas.

Das bestätigte die Zweite Bürgermeisterin Schroff, gewissermaßen aus berufenem Munde. Als Lehrerin wisse sie, wie wichtig es ist zu lesen oder vorgelesen zu bekommen. Sie ergänzte: "Die Eltern werden sehen, die Kinder lernen in kürzester Zeit Deutsch. Sie werden bald ihren Eltern übersetzen."

Bei der Übergabe der Lesebücher übernahm diese Aufgabe Ismael Aljuaidi. Er dolmetschte vor der kleinen Gruppe Eltern und Kindern. Eingangs hatte MdB Müller die Kinder gefragt, ob es ihnen denn gut gehe, und hatte ein lautes Ja als Antwort erhalten. In ein paar persönlichen Gesprächen holte er sich dann auch eine Antwort der Eltern.

Vor allem die Ungewissheit, was mit Verwandten und Freunden in der Heimat passiert, sprach aus den Aussagen. Eine Frau aus Damaskus wartet mit ihren Kindern auf den Ehemann und Vater, der noch im Kriegsgebiet festgehalten wird. Ein Mann aus Syrien sprach von russischen Luftangriffen und zeigte ein Handyvideo aus der Heimat.


Seitenhieb im Kreistag

Die Kinder schnappten sich dann gleich die kleinen Bücher, blätterten darin und beschrieben die Bilder in ihrer Sprache. Bald werden sie erfahren, wie die deutschen Wörter ausgesprochen werden, die neben den Bildern stehen. "Lesen und Vorlesen, das Erzählen von Geschichte und das Erleben von Sprache können wichtige Hilfestellungen zur Orientierung in einem neuen Land sein", heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Ministerium zu dem Projekt.

Bereits am Vormittag war die Übergabe der Lesesets ein Thema im Kreistag. Aus der SPD-Fraktion gab es einen Seitenhieb darauf, dass sich die CSU mit dem Termin vor allem gut präsentieren wolle. Müller wies die Kritik von sich. Bei der Aktion der "Stiftung Lesen" handle es sich schließlich um eine gute Sache für die Asylbewerber. Das Projekt werde mitgetragen vom Bundesbildungsministerium.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren