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Hemhofen bereitet sich auf 100 Flüchtlinge vor

In der ehemaligen Tennishalle in Hemhofen wird fieberhaft gearbeitet, damit am 22. Juli etwa 100 Flüchtlinge einziehen können. Bürgermeister Ludwig Nagel hatte interessierte Bürger zur Besichtigung der neuen Erstaufnahmeeinrichtung eingeladen.
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Stockbetten und Babybettchen stehen den Flüchtlingen zur Verfügung. Foto: Pauline Lindner
Stockbetten und Babybettchen stehen den Flüchtlingen zur Verfügung. Foto: Pauline Lindner
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Sie sehen aus wie die Betten in Jugendherbergen, die Stockbetten, die in der künftigen Erstaufnahmeinrichtung in Hemhofen auf ihre Nutzer warten. 30 Stück und zwei Babybettchen stehen bis jetzt in der linken Ecke der ehemaligen Tennishalle. In der rechten Hälfte sind Männer dabei, Bauzaungitter aufzustellen. Wie ein Labyrinth wirken sie auf die Kinder, die ihre Eltern bei der Besichtigung der Einrichtung begleiten. Die Kleinsten krabbeln unten durch und fühlen sich sichtlich wohl.

Die Erwachsenen fragen Bürgermeister Ludwig Nagel (CSU), wie das spärliche Mobilar verteilt werden soll. Die Bauzäune werden mit feuerfesten Tücher behängt, um so etwas wie ein Zimmer zu schaffen. "Mehr Intimsphäre geht nicht", sagt Nagel und zeigt einen Aufstellplan. Danach werden etwa zwei Drittel der Halle zu Zeltschlafzimmern. Der Rest wird Küche, Speisesaal und Spiel-ecke. Denn es sind derzeit vier bis fünf Familien in Baiersdorf, die mit den anderen Asylbewerbern am 22. Juli nach Hemhofen umziehen.

"Schneller schaffen wir das nicht. Mit unseren Ehrenamtlichen haben wir erst letzte Woche Baiersdorf eingerichtet", erklärt Oliver Fröhlich, der Einsatzleiter des ASB. "Wenn ein Kind schreit, hören das ja alle", fällt einer Besucherin ein. Stille wird es wohl kaum geben bei um die 100 Menschen in einem Raum. Aus einem Teil der ehemaligen Gaststätte wurde ein kleiner Ruheraum. "Mehr Platz bleibt nicht, denn die anderen Räume werden für die Büros und die Untersuchungsräume benötigt", beschreibt Fröhlich das Raumkonzept.

Früh um sieben wird es jeden Tag laut werden, denn dann kommt die Essensanlieferung. Die warme Hauptmahlzeit und zweimal eine kalte bezieht der ASB vom Studentenwerk Erlangen. Dort werden täglich 15 000 Mahlzeiten zubereitet und man ist vom Speiseplan her auf Menschen unterschiedlichster Herkunft eingerichtet. "Wir haben grundsätzlich kein Schweinefleisch auf dem Speiseplan", berichtet Fröhlich weiter.
Von sieben bis 20.30 Uhr werden die Mitarbeiter des ASB im Haus sein. Das sogenannte Küchenpersonal ist vielsprachig. "Es sind Multifunktionsmitarbeiter", betont Fröhlich. Zwar ist die Esssensausgabe die Hauptaufgabe, aber daneben helfen sie bei Verständigungsproblemen aller Art.

Die Duschen sind außerhalb

Die können leicht auftreten, denn die Asylbewerber in Baiersdorf kommen aus vielen Nationen. Etwa ein Viertel stammt aus Syrien, etliche aus dem Irak und dem Iran sowie aus dem äthiopisch-hamitischen Sprach- und Kulturraum. Dazu kommen noch Menschen aus mehreren Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Arabisch und Russisch werden voraussichtlich bei dieser ersten Runde von Neuankömmlingen die meist gebrauchten Verständigungssprachen sein.

Gedanken machen sich die zahlreichen Besucher auch um die Sicherheit. Von den vier Zugängen sind drei typische Notfalltüren, die nur von innen zu öffnen sind. Am Eingang hat die Sicherheitsfirma eine Art Pförtnerloge und kontrolliert, dass niemand unberechtigt die Unterkunft betritt. Aber außerhalb - von einem ebenfalls verhängten Zaun umgeben - befinden sich die Duschcontainer, Toiletten und eine Waschraum mit Waschmaschinen.

"Am vergangenen Freitag, als wir das erste Mal hier waren, wurden 43 Grad in der Halle gemessen. Wir haben eine große Kühlanlage organisieren können", erklärt Norbert Walter vom Landratsamt die Stoffschläuche an der Decke. Die Geräte funktionieren bis etwa minus fünf Grad auch als Heizung. "Wenn es kälter wird, müssen wir noch Gasthermen aufstellen."

Stapel von Zudecken und Bettüberzügen lagern im Moment noch auf den ersten Bürotischen. Möbelteile sind daneben gestapelt. Elektriker arbeiten offenbar noch an den Schaltschränken.

"Ich bin zuversichtlich", sagt Anne-Marie Müller, die Abteilungsleiterin für Umwelt und Soziales am Landratsamt, als sie die Arbeitsfortschritte begutachtet.

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