Herzogenaurach
Fernsehen

RTL-Film über Adidas und Puma: verfälschte Rudolf Dassler-Geschichte in "Duell der Brüder"?

Am Karfreitag ist bei RTL die Brüder-Geschichte von Puma und Adidas zu sehen. Aus Herzogenaurach gab es bereits Kritik am Film zu hören.
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Reichssportminister Josef Waitzer (Mitte) besuchte öfters die Brüder Rudolf (vorne) und Adolf in Herzogenaurach. Im Film sei zu Unrecht der Bezug zu den Nazis hergestellt worden, kritisiert Fischer. Unser Foto entstand 1930 an der Eckenmühle.  Foto: Archiv
Reichssportminister Josef Waitzer (Mitte) besuchte öfters die Brüder Rudolf (vorne) und Adolf in Herzogenaurach. Im Film sei zu Unrecht der Bezug zu den Nazis hergestellt worden, kritisiert Fischer. Unser Foto entstand 1930 an der Eckenmühle. Foto: Archiv
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Er ist ein Puma-Urgestein und eng verwurzelt mit seiner Heimatstadt Herzogenaurach. Und er kennt sich aus mit der Entwicklung der Sportschuh-Unternehmen an der Aurach und der Familiengeschichte der Dasslers. Deshalb war Helmut Fischer auch sehr interessiert, als ein Kamerateam im Auftrag von RTL einen Film über den Streit der Brüder drehte. Als er das Ergebnis mit Kollegen von Puma aber vorab gesehen hat, "da waren wir enttäuscht".

Vieles sei nicht nur verdreht, sondern verfälscht worden, klagt der Herzogenauracher. Vor allem sei die wahre Person des Puma-Gründers Rudolf Dassler nicht richtig dargestellt worden.


Historische Ungenauigkeiten

Es gehe ihm nicht darum, beleidigt zu sein oder in irgendeiner Form nachzutreten, sagt Fischer. Natürlich sei Adidas letztlich das größere Unternehmen geworden, und "Puma" Rudolf habe sicherlich auch nicht immer alles richtig gemacht. Aber man könne eine Geschichte nicht so hindrehen, wie sie dem Regisseur gefällt. Zumal es ja nicht um erfundene Personen geht, sondern eben um das Duell der beiden Brüder Adolf und Rudolf. Fischer: "Man sollte historische Wahrheiten nicht verfälschen."

Und historische Ungenauigkeiten sind nach Fischers Meinung vielfach enthalten in einem Film, der sicher unterhaltsam sei, aber eben auch nicht echt. Dieser Film stelle das Verhältnis der Brüder einseitig dar, es sei das beliebte Spiel "good boy - bad boy" und Rudolf — flapsig Rudi genannt — werde zum Verlierer abgestempelt. Fischer sei schon nach den ersten Minuten klar geworden: "Das wird ein Film über Adi Dassler."
Im Pressegespräch nennt der Herzogenauracher "Puma" Beispiele für verzerrte Darstellungen. "Beide Brüder waren sportlich, nicht nur der Adi", sagt er.

Im Film sehe man Rudolf aber als Lebemann im Cabrio. Auch eine Szene mit Jesse Owens ärgert den Herzogenauracher. Der Olympiasieger sei nicht in Schuhen von Adi Dassler gelaufen, sondern der Gebrüder Dassler. Rudolf habe die Gespräche geführt, nicht Adi, wie im Film dargestellt. Fischer: "Der hat sein ganzes Leben lang nicht ein Wort englisch gesprochen."


Fischers Tipp zur Doku

Sicherlich gehöre es zu einer Soap einfach hinzu, manches dazu zu erfinden, sagt Fischer. Die Wahrheit sollte aber dennoch Wahrheit bleiben, und außerdem gebe es Grenzen. So werde Rudolf einmal gar als Rassist gezeigt. "Das ist richtig falsch", echauffiert sich Fischer. "Das hat Rudolf Dassler nicht verdient."

Natürlich sei Adi ein genialer Schuster gewesen, doch ohne Rudolfs Vermarktungsgeschick hätte es in der gemeinsamen Anfangszeit keinen Erfolg gegeben. Teilweise aber verdrehe der Film historische Wahrheiten ins Gegenteil, behauptet Helmut Fischer. Beispielsweise auch die beliebte Schraubstollen-Geschichte. Eine sensationelle Erfindung, die mit Adidas in Verbindung gebracht werde. Aber: Die Brüder hätten diese getrennt voneinander entwickelt und Rudolf habe 1954 als erster solche Schuhe zur Marktreife gebracht. Das habe Puma 2006 schon nachgewiesen, erinnert Fischer.

Dem Film am Karfreitagabend schließt sich eine Dokumentation an.

Die hat Fischer noch nicht zu Gesicht bekommen, sie soll aber zutreffend sein. Jetzt hofft der Herzogenauracher, dass sich die Fernsehzuschauer nicht mit Kino zufrieden geben, sondern auch die sachliche Information schätzen.


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