Stefanie Lechner war erleichtert. Per Händedruck verabschiedete sich die Tierliebhaberin aus der Bamberger Straße am Montagvormittag von den beiden Mitarbeitern des Nürnberger Tierheims. "Wenn Ihr nicht wisst wohin, ich würde sie nehmen", sagte die 32-Jährige noch zum Abschied. Gemeint war das Kamerunschaf, das kurz zuvor in ihrem Garten eingefangen wurde.

Ein braunes, scheues Weibchen, das Mitte des Monats irgendwo ausgebüxt war und seither auch die Polizei in Atem gehalten hatte.

Yvonne die Kuh hat's vorgemacht, was Freiheitsliebe bewirken kann. Irgendwie muss das auch das Kamerunschaf Heidi mitbekommen haben, das seit ungefähr zehn Tagen rund um Herzogenaurach gesichtet worden ist. Die Polizei jedenfalls bekam regelmäßig Anrufe. "Alle wollen eine freilaufende Ziege gesehen haben", sagt ein Beamter. Eine Ziege aber war's nicht, wie sich herausstellte.

Eigentümer ist unbekannt


Denn der Beamte telefonierte die einschlägigen Stellen ab. Auch im Hammerbacher Lindenhof, der ja mehrere Tiere beherbergt, wurde nachgefragt. Dort kam die Auskunft, dass es sich um ein Kamerunschaf handeln muss. Aus dem Gehege des Hofs stammte das Tier aber nicht. Bis jetzt, so der Beamte weiter, wisse man nicht,wo das Schaf ausgerissen sei. Da es sich bei den Kamerunschafen um Herdentiere handelt, dürfte es wohl nicht einzeln gehalten worden sein. Darauf deutet auch ein Hinweis hin, dass Heidi zusammen mit einem zweiten Tier gesichtet worden sein soll - ein Pärchen in den Flitterwochen?

Am Sonntagabend dann bescherte das Schäfchen den Ordnungshütern richtig Arbeit. Denn es trieb sich im Herzogenauracher Stadtgebiet umher. Allein schon aus Gründen der Verkehrssicherheit war es geboten, einzuschreiten.

So gelang es der Polizei, das Tier in einen Innenhof in der Bamberger Straße zu treiben. Man schloss das Tor - das Tier war gefangen.
Am Montagvormittag dann kamen Tierinspektor Jürgen Vogt und Pflegerin Jasmin Rühle vom Tierheim Nürnberg und fingen Heidi mit einem Netz ein. Auf den zweiten Anlauf gelang das nach wenigen Minuten. Der scheue Flüchtling war in Sicherheit. Jasmin gab dem hübschen Tier den Namen Heidi.
"Plötzlich stand Polizei im Hof", erinnert sich Stefanie Bewohnerin Lechner. Und dann sah die tierliebende junge Frau auch schon das Schaf im Garten stehen. Mit Äpfeln versuchte sie es zu füttern, doch Heidi war zu vorsichtig. "Es sind scheue Tiere", berichtet Jürgen Vogt. Aber sie würden auch gern gehalten, weil sie nicht geschoren werden müssen. Und auch als Fleischlieferant seien sie beliebt.
Dieses Schicksal wird Heidi so schnell nicht ereilen, denn das Tierheim versucht es nun zu vermitteln. Vielleicht aber meldet sich auch der Besitzer (Ansprechpartner ist das Tierheim unter 0911/919890). Kosten brauche er übrigens nicht zu befürchten, hieß es bei der Polizei. Der Einsatz galt der Verkehrssicherheit, der Eigentümer müsse für das entsprungene Tier nicht haften: "Kein Schaden, keine Kosten."
Über das Happy End freute sich Stefanie Lechner am meisten. "Ich bin Tierliebhaberin", sagt sie. "Ich habe selbst zwei Katzen, Robbie und Lillie". Heidi hätte da irgendwie gut dazu gepasst. "Darüber habe ich auch kurz nachgedacht", sagt Stefanie". Aber Herdentiere gehören nun mal unter ihresgleichen.