Herzogenaurach
Preisverleihung

Gymnasium Herzogenaurach hat den Schulhof der Zukunft

Aus Beton wurde Natur, aus Pflaster ein Lebensraum: Das Gymnasium Herzogenaurach hat den "Schulhof der Zukunft 2015". Unter 536 Bewerbern gelang den Herzogenaurachern, mit neun weiteren Schulen, der erste Preis eines bundesweiten Wettbewerbs.
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2005 begann die Neugestaltung des Schulhofs. Auch viele Schüler schwitzten bei der Arbeit. Die hat sich gelohnt: Das Herzogenauracher Gymnasium wurde prämiert. Foto: FT-Archiv
2005 begann die Neugestaltung des Schulhofs. Auch viele Schüler schwitzten bei der Arbeit. Die hat sich gelohnt: Das Herzogenauracher Gymnasium wurde prämiert. Foto: FT-Archiv
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Oberstudiendirektor Norbert Schell wurde fast etwas philosophisch. Man sollte versuchen, die Welt überall ein bisschen besser zu machen, sagte er. Gerade angesichts der schlimmen Entwicklungen weltweit. Und die Schüler des Gymnasiums haben es ein bisschen besser gemacht, seit sie vor etwa einem Jahrzehnt engagiert am Projekt Schulhof mitgearbeitet haben.

Jetzt gab es den Lohn für den Einsatz: Das Gymnasium wurde als eine von zehn Schulen unter insgesamt 536 Bewerbern bundesweit ausgezeichnet. Es trägt jetzt den Titel "Schulhof der Zukunft 2015". Die Jury der Stiftung "Lebendige Stadt" und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) ließ sich von der Umwandlung des Pflasterschulhofs in einen Naturgarten überzeugen. Gestern war Preisverleihung in Herzogenaurach. Es gab neben Urkunden auch ein Preisgeld von 2000 Euro.


Wohlfühlen ist wichtig

Die Schule als Lern- und Lebensraum - das sei allen Beteiligten wichtig gewesen, sagte Schell. Und das habe sein Vorgänger Michael Stadelmann erkannt, der zur Preisverleihung anwesend war. Schell: "Die Schüler sollen gerne lernen, sich wohlfühlen. Das ist wichtig."

Und so wurde unter Federführung von Wolfgang Seitz begonnen, "die eintönigen großflächigen Außenanlagen umzuwandeln", wie Ideengeber Seitz anhand eines Rückblicks in Bildern sagte. Es wurde Beton zu Natur. "Das war unser Traum, unsere Vision." Wie gelungen dies seit der Planungszeit vor etwa 13 Jahren umgesetzt wurde, davon schwärmt auch die Beschreibung des Projekts. "Von dem typischen Pflasterschulhof der 70-er Jahre", so steht es in einer Pressemitteilung, "ist heute nichts mehr zu finden. Hier blüht ein üppiger Naturgarten, der einen Lebensraum für Vögel, Insekten und Amphibien bietet." Gelobt werden die Pergola und viele bepflanzte Trockenmauern, ein Bachlauf mit Teich und viele Beete. Dazwischen zahlreiche Sitzgelegenheiten, die als Rückzugsorte für die Schüler dienen. Wörtlich heißt es in der Begründung: "Der Duftgarten, das Schmetterlingsbeet und die Blumenwiese schaffen eine Erholung im Lernalltag."

Wolfgang Seitz bekräftigte das im Bild: Ein Dia von der Teichbepflanzung zeigte eine grüne Mosaikjungfer, eine vom Aussterben bedrohte Libelle.


Keine Kleingartenidylle

Dittmar Machule, Vorstandsmitglied der Stiftung "Lebendige Stadt", zeigte sich begeistert von dem Lebensraum Schulgarten in Herzogenaurach. Als Landschaftsplaner sei er ein Experte und bescheinigte nach einer Führung durch die Außenanlagen: "Die Schule hat den Preis wirklich verdient." Vor allem, weil man keine Verhübschung gemacht habe, keine Kleingartenidylle. Es sei ein Prozess gewesen, der sich vom statischen Denken der 70-er Jahre abgesetzt und sich über fast anderthalb Jahrzehnte gezogen habe. Machule: "Das Ergebnis ist wunderschön, alles ist aus einem Guss und auch aus Naturschutzsicht attraktiv."


Projektwochen

Für Silke Wissel, der Projektmanagerin der DUH, ist das Engagement zahlreicher Beteiligter wichtig, und vor allem das der Schüler. An Gymnasien finde man es "wirklich total selten", dass Schüler so mithelfen. Das sei sonst eher an Grundschulen so. Wissel betonte auch, dass Herzogenaurach das einzige Gymnasium und auch die einzige Schule aus Bayern sei, die prämiert wurde.

Auch nach der Fertigstellung kümmern sich die Schüler selbst um ihren Naturgarten. Und während der Schaffenszeit - in vier Bauabschnitten von 2005 bis 2011 - gab es Projektwochen, in denen täglich fast hundert Schüler, Eltern und Lehrer arbeiteten. Danach folgte die Gestaltung des Teichs hinter der Schule. Planung, Umsetzung und Finanzierung des Vorhabens geschahen komplett in Eigenregie der Schule. Natürlich brauchte es da auch Sponsoren, denen der Schulleiter bei der Preisverleihung dankte. Ebenso den Landschaftsarchitektinnen Kerstin Gruber und Christine Orel.


Viel Lob

Norbert Schell ist stolz auf seine Schüler: "Es ist eine Freude zu sehen, wie sehr die Schüler ihren Schulhof wertschätzen", sagte er. Das Lob teilten Landrat und Bürgermeister. Kreischef Alexander Tritthart (CSU) sagte, dass der Landkreis die bisherigen 2000 Euro Unterstützung ab 2016 auf 2500 Euro aufstocken werde. Denn die Pflege auch eines Naturgartens dürfe man nicht unterschätzen. German Hacker (SPD) freute sich, dass Herzogenaurach nach dem schönsten Friedhof nun auch den schönsten Pausenhof habe.

Er selbst sei einmal im Jahr bei der Pflege des Schulgartens aktiv, aber nicht als Bürgermeister, sondern als Elternteil. Seine drei Kinder besuchen das Gymnasium, und Ehefrau Uta unterrichtet dort. Drei Mitglieder der Familie Hacker standen respektive saßen bei der Preisverleihung auch auf der Bühne: Sie spielen im Orchester mit, das die Feier musikalisch umrahmte.


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