Erlangen
Recht

Guru von Lonnerstadt hat neuen Anwalt

Die jüngsten Schriftsätze tragen nicht mehr die Unterschrift des bisherigen Verteidigers Axel Graemer. Dieser besitzt keine Zulassung als Anwalt mehr.
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Der verurteilte Gerhard L. mit seinem ehemaligen Anwalt Axel Graemer vor Prozessbeginn im Juli 2015 im Landgericht Nürnberg.  Foto: dpa
Der verurteilte Gerhard L. mit seinem ehemaligen Anwalt Axel Graemer vor Prozessbeginn im Juli 2015 im Landgericht Nürnberg. Foto: dpa
Sie habe sich schon sehr gewundert, als sie in der Zeitung gelesen hat, wer genau den sogenannten "Guru von Lonnerstadt" als Verteidiger vertritt. Denn die Erfahrungen, die die Höchstadterin mit dem Erlanger Strafverteidiger gemacht hat, seien nicht die besten gewesen.

Vor ein paar Jahren habe sie einen Unfall gehabt und sich so schwer am Bein verletzt, dass sie schon nach wenigen Schritten Schmerzen hat. Da sie nicht Schuld gewesen sei am Unfall, wurden ihr mehrere tausend Euro Schmerzensgeld zugesprochen. Dieses sei allerdings nie komplett bei ihr angekommen, sondern ihr damaliger Anwalt Axel Graemer habe einen Teil zurück gehalten.

Als der Fall im Jahr 2014 vor Gericht landete, wurde der Verdacht bestätigt. Zudem wurden weitere Fälle von Untreue bekannt. Am Ende stand für den Anwalt wegen Untreue in drei Fällen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und fünf Monaten auf Bewährung. Dies bestätigt Wolfgang Pelzl, Richter am Amtsgericht Erlangen, auf Anfrage.
Bekannt geworden ist Anwalt Graemer durch seine Pflichtverteidigung im Fall von Gerhard L., dem sogenannten "Guru von Lonnerstadt". Wie dem Fränkischen Tag bekannt wurde, hat Graemer seine Zulassung als Rechtsanwalt mittlerweile abgegeben. Dies bestätigte am Montag auf Nachfrage Gabriele Jungmeier von der Rechtsanwaltskammer Nürnberg.

Oberstaatsanwältin Antje Gabriels-Gorsolke informierte zudem, dass die letzten eingegangenen Schriftsätze bezüglich der Haftstrafe des Gurus nicht mehr von Graemer, sondern einer anderen Anwältin, die namentlich nicht genannt werden möchte, unterschrieben waren. Axel Graemer will Gerhard L. weiterhin beratend zur Seite stehen. Weiter wollte er sich zu der Sache gegenüber dem FT aber nicht äußern.

Dem Amtsgericht Erlangen wurde von Graemer selbst schriftlich mitgeteilt, dass er im Rahmen seines Ruhestandes seine Tätigkeit als Rechtsanwalt zum 31. Dezember 2015 aufgegeben habe.


Drei Fälle von Untreue

Nicht nur die Höchstadterin, die vergeblich auf ihren vollen Schadensersatz warten musste, hat den Anwalt aus Erlangen in schlechter Erinnerung. Das offenbaren die beiden anderen Fälle von Untreue, wegen denen er 2014 verurteilt wurde.

Im zweiten Fall wurden 2012 zwei von Graemer erhaltene Beträge von insgesamt rund 3000 Euro nicht an den Mandanten weitergeleitet. Im dritten Fall wurde ein Ende 2011 eingegangener Betrag von 5000 Euro zur Stellung einer Sicherheitsleistung nicht an den Einzahler zurückgezahlt, obwohl diese Sicherheit überhaupt nicht in Anspruch genommen wurde.

Teilbeträge wurden Richter Pelzl zufolge von Graemer zurückgezahlt. Diese Schadenswidergutmachung wurde vom Gericht bei der Straffestlegung berücksichtigt. "Ob und wie sich dies auf eine anwaltliche Zulassung ausgewirkt hat, kann ich mangels Kenntnis des kammerinternen Verfahrens nicht beurteilen. Das Gericht bzw. die Staatsanwaltschaft informieren die Anwaltskammer lediglich über die Tatsache der Verurteilung", betonte Pelzl am Telefon. Die Rechtsanwaltskammer wollte dazu aber nicht weiter Stellung beziehen.


Haftaufschub abgewiesen

Stellung bezogen zu den vom Guru beantragten Haftaufschub hat Graemer gegenüber unserer Zeitung bis zuletzt. Laut Richter Wolfgang Pelzl stelle das kein Problem dar, solange er von Gerhard L. dazu die Erlaubnis habe. "Für eine Auskunft muss er kein Rechtsanwalt sein", sagte er auf telefonische Nachfrage.

Anders sei es gegenüber dem Gericht und der Staatsanwaltschaft. "Hier darf in einem Strafverfahren grundsätzlich nur ein als Rechtsanwalt oder Hochschullehrer zugelassener Verteidiger auftreten", erklärte Pelzl. Zuletzt hat das Landgericht Nürnberg entschieden, dass der vom Guru beantragte Haftaufschub zurückgewiesen wird. Jetzt hat er die Möglichkeit der sofortigen Beschwerde, die sich an das Oberlandesgericht richten würde. Seine Lebensgefährtin Susanne muss "unverzüglich" in Haft. Darüber informierte letzte Woche Oberstaatsanwältin Gabriels-Gorsolke.
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