Der Minirock wurde im Jahr 1962 geboren. Nur etwas älter ist das kleine Kultauto "Mini", das im Jahre 1959 von der Austin Motor Company sowie der Morris Motor Company (später von British Motor Corporation, British Leyland und Rover und Lizenzpartnern) gebaut wurde. Und bis zum Jahr 2000 wurde dieser revolutionäre, originelle Kleinwagen vom Normalwagen über Kombi und Cabrio bis zum Jeep in England hergestellt.
Obwohl der Kleine nicht mehr als Neuwagen zu kaufen ist, gibt es eine sehr große Mini-Fangemeinde. Einer dieser Fans lebt in Adelsdorf und hat seine Liebe zu diesem Kultauto - nach 23 Jahren Hobbyzeit - zum Beruf gemacht: Jürgen Kredel betreibt seit drei Jahren mit seiner "Werkstatt im Dorf" den Handel mit Minis aller Jahrgangsstufen und pflegt mit viel Liebe und Sachverstand die Aufarbeitung seltener klassischer Ersatz- und Zubehörteile für den englischen Kleinwagen.
Gerne ernennen ihn seine Freunde auch zum Patenonkel ihres Minis und ein Fan von Kredel, dem er einmal als Nothelfer zur Seite gestanden hatte, sprach dankbar von einer "Wiederbelebung seines englischen Patienten" durch Kredels persönlichen, kostenfreien Einsatz.

Werterhaltung statt Neues


"Ich kümmere mich um Minis - Oldtimer und Youngtimer (erst ab 30 Jahren ist ein Auto ein Oldtimer), um deren Pflege und verschaffe den Kunden die nötigen Ersatzteile. Seltene Tuning- und Zubehörteile aus den 60er und 70er Jahren sind sehr gefragt und absolut schwer zu bekommen. Ein Minifahrer repariert in der Regel sein Auto selber und braucht nur Hilfestellungen und die richtigen Tipps. Die erhält er dann von mir - auch oft nur am Telefon", erklärt der begeisterte Mini-Mann. "Für Ölwechsel, neue Bremsbeläge und andere Wartungs- und Reparaturarbeiten müssen die Kunden natürlich in eine Autowerkstatt, da wären sie bei mir verkehrt!"
Für Kredel ist sein Beruf wirklich zur Berufung geworden. "Wenn ich früh aufstehe, freue ich mich auf meine Arbeit", betont er. Werterhaltung ist für ihn wichtiger als Neuanschaffung, nicht nur der Umwelt zuliebe.
Der Fachmann kennt seine Minis in- und auswendig. Er spricht von einem günstigen, dankbaren Fahrzeug, das nur die richtige Pflege braucht. "Im Schnitt verbraucht er so sechs Liter auf 100 Kilometer und meine Frau und ich, wir tanken auch E10. Da der Mini ja nicht mehr hergestellt wird, kann er auch keine Freigabe mehr für dieses neue Benzin bekommen. Aber meine Frau macht gerade den Langzeitversuch und bis jetzt ist nichts passiert", erklärt er. "Im Schadensfall ist meine Aussage aber keine Garantie!", warnt er ausdrücklich, während er eifrig an einem gelben kleinen Mini poliert.

Ein echtes Holzarmaturenbrett


"Ich lebe mit meinen Autos und behandle sie wie meine Kinder. Und wenn man mit Liebe an sie rangeht, dann sind sie dankbar", fährt der 47-Jährige fort. Im Moment ist Kredel dabei, einem Kunden seinen Mini wieder hübsch zu machen: Der Lack wird aufpoliert, Chromteile werden erneuert und die Felgen sollen poliert und lackiert werden. Auch der Motorraum wird wieder im alten/neuen Glanz erstrahlen. Falls dann noch Geld übrig ist, möchte der Kunde die Sitze neu beziehen lassen und ein echtes Holzarmaturenbrett wäre ebenfalls nicht schlecht! Oft sitzt der gelernte Automechaniker am Wochenende bis in die Nacht im Büro am PC und sucht alte Teile für seine Kunden, die natürlich dann von ihm noch frisch aufgearbeitet werden. "Da fließen schon mal gerne 20 Stunden in ein Armaturenbrett", meint er so nebenbei.
Viele Firmen in Adelsdorfs Umgebung profitieren von Kredels Mini-Laden, seien es Sandstrahl-, Lackier- oder auch Polsteraufträge, die er für seine Kunden weiter gibt. Ist es gar eine ganze Karosserie, wendet er sich an seinen Ersatzteilhändler in Oldenburg, die er dann - nach oft längerer Wartezeit - dort auch selbst abholt.
Eine nette Begebenheit aus längst vergangenen Zeiten fällt ihm noch ein: "Wir fuhren in einem Mini-Konvoi von einem Minitreffen an der holländischen Grenze heimwärts Richtung Süden. Es regnete in Strömen. Da erblickte ich plötzlich vorne auf dem Standstreifen einen weißen englischen Mini und nicht nur ich - wir alle fuhren sofort auf die Seite raus. Eine etwa 19-jährige junge Engländerin saß verzweifelt hinterm Steuer. Sie wollte ihre Freundin besuchen und jetzt ging nichts mehr! Wir bauten behelfsmäßig einen Regenschutz auf und ich entdeckte sofort, dass die Lichtmaschine kaputt und der Keilriemen gerissen waren. Bei unserem Treffen hatte einer von uns zufällig - man weiß ja nie - eine gebrauchte Lichtmaschine für ca. 20 DM erworben und einen Keilriemen hatte ich im Auto. Ich reparierte den Schaden sofort an Ort und Stelle. Das Mädchen bedankte sich heulend vor Rührung und wir bekamen zum Dank eine große Flasche Sekt, die eigentlich für ihre Freundin gedacht war. Die Lichtmaschine und den Keilriemen bezahlten wir aus der Clubkasse. Noch heute denken wir gerne an dieses Erlebnis zurück."
Einmal Mini - immer Mini! "Wer den kleinen Engländer mal längere Zeit gefahren ist oder gar besessen hat, kommt kaum wieder davon los", weiß Kredel. Bei ihm wird es immer Minis geben!