Herzogenaurach

Gewerbesteuer sprudelt in Herzogenaurach wie nie

Die Daten für Herzogenaurach sind gut und erlauben die Verwirklichung einiger Projekte. Bürgermeister Hacker warnt allerdings vor Euphorie. Im Übrigen muss er sich in der Bürgerversammlung einige Vorwürfe anhören.
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Mit rund 58 Millionen Euro liegen die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt Herzogenaurach im laufenden Jahr so hoch wie nie. Gerechnet wurde mit etwa 25 Millionen Euro. "Aktuell gingen 58 Millionen ein, das ist ein absoluter Rekordwert", verkündete Bürgermeister German Hacker (SPD) bei der gut besuchten Bürgerversammlung im Vereinshaus.

Dies sei aber kein Verdienst der Stadt, sondern der Herzogenauracher Firmen, betonte Hacker und fügte hinzu: "Trotz der zu erwartenden Rekordeinnahmen werden wir nicht in eine Euphorie verfallen." Denn er glaube nicht, dass sich diese Zahlen wiederholen werden. Der Kämmerer rechnet im kommenden Jahr mit einem Rückgang auf etwa 21 Millionen Euro.

Kreisumlage wird wieder höher werden

Eng verbunden mit den Einnahmen ist natürlich die Kreisumlage.
Wurden in diesem Jahr 23 Millionen Euro fällig, muss die Stadt im nächsten Jahr 17,6 Millionen Euro an den Kreis überweisen und im Jahr 2015 rund 29 Millionen Euro, weil diese immer zwei Jahre später berechnet werden. " Und damit baut der Landkreis dann das Landratsamt in der Stadt Erlangen", schob Hacker nicht ganz ernst gemeint noch nach.

Aufgrund der guten Kassenlage - hinzu kommen laut Bürgermeister noch fast 47 Millionen an Rücklagen - können einige Projekte realisiert und besondere Wünsche erfüllt werden.

Hacker dämpfte aber gleich noch einmal die Euphorie: "Wir werden nicht übermütig, denn es ist immer gut, für etwa fünf bis sechs Jahre auf ein Finanzpolster zurückgreifen zu können."

Die Steuereinnahmen erwirtschafteten im Jahr 2012 etwas mehr als 19 000 Menschen, die in Herzogenaurach einen Arbeitsplatz haben, gegenüber dem Vorjahr ein Plus von sieben Prozent. Zu diesen Arbeitsplätzen pendelten täglich 14 400 Menschen ein (plus 8 Prozent). 5317 der 23 454 Herzogenauracher arbeiten außerhalb der Stadt. Im August dieses Jahres wurden 275 Arbeitslose registriert.

Die Zahl der Geburten erhöhte sich im vergangenen Jahr um 15 auf 185 Neugeborene. Demgegenüber standen allerdings auch 222 Sterbefälle, 30 mehr als im Vorjahr. Der Bürgermeister hofft, dass die Geburtenzahl, die seit 1994 kontinuierlich zurückging, nicht noch weiter sinkt oder vielleicht wieder leicht nach oben geht.

Für die Jüngsten wird kräftig gebaut

Damit es den Jüngsten in der Stadt auch gut geht und die Eltern Beruf und Familie vereinbaren können, wurde und wird kräftig in Kindertagesstätten, Krippen und Horte investiert. So liegt die Betreuungsquote der unter Dreijährigen derzeit bei 65 Prozent und in den nächsten Monaten werden die Kinderkrippe des Martin-Luther-Hauses und die Kindertagesstätte St. Josef in Niederndorf eröffnet. "Aus Krippen- und Kindergartenkindern werden Hortkinder", erklärte der Bürgermeister und sagte einen steigenden Bedarf voraus. Deshalb ist im Ortsteil Niederndorf ein Neubau für einen zweigruppigen Hort geplant und an der Carl-Platz-Schule werden im Neubau vier Hortgruppen betreut werden können. Die Kinder können sich auf 30 Spielplätzen austoben. Hacker: "Die kosten auch jedes Jahr ganz schön. Die Plätze werden ständig betreut, und es werden immer wieder Verbesserungen vorgenommen."

Hacker vermisst ein Bundesförderungsprogramm für die Horte, ähnlich der Betreuungsplätze für Kleinkinder. "Es wird Zeit, dass so was aufgelegt wird", sagte Hacker.

Auf die in den vergangenen Wochen diskutierten Themen wie Vereinshaus, Hubmannparkplatz, Rathaus und Hallensituation ging Hacker nur kurz ein und verwies auf den Stadtratsbeschluss. Ebenso die Planungen zum Schütt-Areal, die nicht nur die Schütt umfassen werden, sondern das Gebiet südlich der Hauptstraße bis einschließlich der Aurach. "Das sind Aufgaben für die kommenden Jahre und bis jetzt nur Gedankenspiele", blickte Hacker in die Zukunft.

Im Bericht des Bürgermeisters nahmen natürlich auch die Energiewende und die erneuerbaren Energien, Straßen- und Radwegebau einen breiten Raum ein, was ihm in der Diskussion teils heftige Vorwürfe einbrachte.

Den Ausführungen von Bürgermeister German Hacker (SPD) bei der Bürgerversammlung im Vereinshaus schloss sich eine eineinhalbstündige Diskussion an. Und der Bürgermeister musste sich von Günther Doliwa heftige Vorwürfe anhören. "Der Bürgermeister trägt sehr schnell vor, aber das Thema Südumgehung hat er nicht angesprochen", begann Doliwa seinen Beitrag.

Mitsprache erwünscht

Außerdem habe der Bürgermeister auch nicht gesagt, wo die Bürger bei Baumaßnahmen mitdiskutieren können und dürfen. Doliwa wünschte sich dazu die entsprechenden Veranstaltungen. "Wie soll die Stadt in 20 Jahren aussehen?", fragte er nach einem Konzept.

Vollends erregt war Doliwa dann bei der Beteiligung der Stadtwerke an einem Windrad bei Bremerhaven. Es sei ein Unding, dass sich die Stadt an einem Projekt der Erlanger Firma Areva beteilige, dies sei unmoralisch und verwerflich, sagte er. Unterstützung bekam Günther Doliwa von Christian v. Reitzenstein. Es sei abschreckend, was diese Firma mache, erklärte Reitzenstein.

Hacker versuchte die Vorwürfe zu entkräften, schließlich sei die Windkraft eine neue Sparte der Erlanger Firma und habe mit Atomkraftwerken und der Uranförderung nichts zu tun. So werde die Energiewende nur mit Windkraft und Sonne funktionieren, erklärte Hacker dazu und erinnerte an die ausgewiesenen Windvorrangflächen.

Schrecklicher Verkehr

Sehr heftig reagierte auch Wolfgang Feucht, als er ein in Herzogenaurach nicht enden wollendes Thema, die Rathgeberstraße, ansprach. Sie sei eine Wohnstraße mit der höchsten Verkehrsdichte, und die Stadt habe wiederholt ihre Versprechen gebrochen. Die Belästigung sei auf Planungsfehler der Stadt zurückzuführen.

Diesen Vorwurf wies der Bürgermeister mit aller Schärfe zurück. "Sie sollten nicht zu sehr über die Vergangenheit reden, sondern mehr über die Zukunft", erklärte Feucht und forderte Tempo 30 km/h auf der Rathgeberstraße. Der Bürgermeister habe sich ein Hasenfell übergezogen und verheimliche die Probleme, lautete ein weiterer Vorwurf. Hacker erklärte, dass sich mit dem Bau der Südumgehung und einer Neuordnung des Straßensystems die Verkehrssituation grundlegend ändern werde. Mit den baulichen Verdichtungen wolle die Stadt dem Flächenfraß vorbeugen. Hacker erklärte aber auch, dass die Rathgeberstraße eine wichtige Verkehrsachse der Stadt sei. "Es fahren nicht alle Rad, Bus oder gehen zu Fuß, unsere Bürger fahren auch Auto".

Beate Bergner, Mutter von zwei Kindern, macht sich Sorgen um einen Hortplatz. Hacker beruhigte sie: Zum einen würden weitere Hortplätze eingerichtet und nach Fertigstellung der Schule am Burgstaller Weg werde sich die noch angespannte Situation entspannen. Denn dann würden aus der Carl-Platz-Schule wieder vier Klassen samt Mittagsbetreuung an den Burgstaller Weg umziehen und das derzeitige Provisorium wird zu Ende sein.

Beim Radweg fehlt ein Stück

Weitere Wortmeldungen betrafen eine Radwegverbindung von Niederndorf nach Haundorf, aber auch die Stadtbusse. Die fehlende Lücke des Radweges werde sicher geschlossen werden, denn die Haundorfer Spange werde kommen, davon zeigte sich Bürgermeister Hacker überzeugt.
Eine bessere Anbindung für Radfahrer bis nach Siegelsdorf forderte der Burgstaller Hans Landauer. So seien neben Freizeitradlern auch Schüler und Mitarbeiter der Herzogenauracher Firmen mit dem Rad unterwegs, begründete Landauer diesen Wunsch.

Haltestellen nicht optimal

Ein Bürger sah bei den Bushaltestellen Nachholbedarf, so sei teilweise der Höhenunterschied beim Ein- und Ausstieg nicht optimal. Dies sei der Stadt bereits bekannt, sagte Hacker und verwies darauf, dass bei Neubauten und Baumaßnahmen die Haltestellen mit "Kasseler Busbord" ausgerüstet würden. Mit den jetzigen vier Stadtbussen sei eine Ausweitung der Haltestellen nicht mehr möglich. Wenn das Busnetz erweitert werden müsse, sei ein fünfter Bus unumgänglich.

Die Zahl der Fahrgäste stieg auf über 560 000, "eine Zahl, die vor Jahren niemand geglaubt hat", freute sich der Bürgermeister.

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