Herzogenaurach
Gesundheit

Gesundheit: Daheim (das Handy) abschalten

Ferienzeit ist Urlaubszeit. Damit verwoben ist der Wunsch nach Erholung. Doch der Arbeitsalltag verfolgt einige Mitarbeiter auch an freien Tagen und nach Feierabend, wenn das Diensthandy eingeschaltet bleiben muss.
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Füße hochlegen und statt dem Diensthandy ein Buch in die Hand nehmen. Vielen Mitarbeitern fällt das im Feierabend schwer.  Foto: Sarah Dann
Füße hochlegen und statt dem Diensthandy ein Buch in die Hand nehmen. Vielen Mitarbeitern fällt das im Feierabend schwer. Foto: Sarah Dann
Es gibt sie nicht zu kaufen, die Zeit. Man muss sie sich nehmen. Das funktioniert nicht immer. Nicht mal im Urlaub, wenn ständig das Diensthandy aufblinkt, weil eine neue wichtige E-Mail beantwortet werden möchte. Die Erreichbarkeit im Urlaub und nach Feierabend liefert Unternehmen wie Vertretern im Gesundheitswesen oder Betriebsrat immer wieder Gesprächsstoff.

Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) setzt sich für eine Anti-Stress-Politik ein. Ist das auch im Landkreis ein Thema? Wie erreichbar müssen die Mitarbeiter in lokalen Firmen sein? Bei Adidas in Herzogenaurach sei es jedem Mitarbeiter überlassen, in wieweit er das Diensthandy oder den Laptop nach der Arbeitszeit nutzt. Unternehmenssprecherin Simone Lendzian sieht es als Chance, auch daheim erreichbar zu sein: "Die elektronischen Medien geben unseren Mitarbeitern die Freiheit, auch mal von Zuhause oder von unterwegs aus zu arbeiten."
Dass es auf einen ausgewogenen Umgang ankomme, sei nicht zu leugnen. Da verlasse sich Adidas auf die Vorbildfunktion der Vorgesetzten. Ein Anti-Stress-Gesetz steht in Herzogenaurach nicht zur Debatte: "Im Augenblick sehen wir keine Notwendigkeit eine entsprechende Richtlinie zu erlassen. Der Betriebsrat würde sich immer wieder mit der Personalabteilung austauschen "und gibt regelmäßig Anstöße zu diversen Themen", sagt Lendzian.


Führungskräfte in Notfällen anrufen

Automobilbauer entschieden sich Anfang der 2000er für klare Regeln: Bei Volkswagen zum Beispiel können Mitarbeiter laut einer Pressemeldung von 18.15 bis 7 Uhr morgens keine Mails mehr auf dem Diensthandy empfangen. Bei Schaeffler werde von Führungskräften erwartet, dass sie im Notfall auch in der Freizeit erreichbar sind oder dringende Anrufe tätigen können. "Klar, kann das Diensthandy auch mal ausgeschaltet werden", sagt Sprecherin Christiane Tietz. Eine zeitliche Regelung für die Nutzung mobiler Geräte gebe es für die Führungsebene bei Schaeffler aber nicht.

Anders ist das bei Puma, wenn es um konkrete Bereitschaftsdienste für Notfälle im IT-Bereich geht. In anderen Abteilungen, sei es zwar nicht üblich, dass die Arbeitnehmer zu Hause gestört werden. Aber die Server, die auf der ganzen Welt verteilt sind, müssten 24 Stunden täglich funktionieren. Mit den Fachkräften seien diese Zeiten abgestimmt und in einem Einsatzplan erfasst, so dass sich die Zeit, die man gearbeitet hat, immerhin wieder zurückholen lässt.




Studie Laut einem Bericht der IG Metall von 2012 fallen pro Jahr 9,9 Milliarden Euro Krankheitskosten durch psychische Belastungen an. Außerdem verweist die Gewerkschaft auf eine Studie des Bundesverbands Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien. Demnach würden 79 Prozent aller Berufstätigen mobile Geräte - Laptops, Handys, Smartphones - besitzen, mit denen sie arbeiten können, 77 Prozent seien nach Dienstschluss erreichbar. Eine Umfrage des Portals Statista zeigt, dass von 14 Prozent der Arbeitnehmer erwartet werden würde, außerhalb der Arbeitszeit erreichbar zu sein.

Belastung Außerdem sagten 51,9 Prozent der Befragten, die mindestens vier mal pro Woche außerhalb der Arbeitszeit dienstlich angerufen wurden, dass sie dies belaste. Auch in einem Gesundheitsreport einer Krankenkasse 2013 wurde das größere Risiko von Depressionen bei höherer Erreichbarkeit aufgegriffen.


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