"Das ist nicht das typische Beuteschema. Da hat er sich halt einfach verkalkuliert", erläuterte der Tiergarten-Chef am Mittwoch. Die aus ihrem Gehege entwichene Großkatze habe zwei Stunden nach dem Angriff eingefangen werden können; sie hatte sich in einem Gebüsch versteckte.

Zu der Gepard-Attacke war es gekommen, als am Montag Tierpfleger fünf Shetland-Ponys des Streichelzoos am Gepardengehege vorbeiführten.

Beute witternd war "Turbo" daraufhin an der 2,70 Meter hohen Mauer seines Geheges hochgesprungen. Die sich bewegenden Objekte hätten bei dem Geparden anscheinend einen entsprechenden Reiz ausgelöst, berichtete Tierärztin Katrin Baumgartner.
Die zehn Jahre alte Großkatze sprang eines der Ponys an und klammerte sich mit ihren Krallen auf seinem Rücken fest. Das Pony hatte daraufhin heftige Bocksprünge gemacht und so den Angreifer nach einigen Metern abgeschüttelt; anschließend galoppierte es nach Zoo-Angaben mit den anderen Ponys zurück in den Streichelzoo. "Turbo" versteckte sich im Gebüsch und konnte nach zwei Stunden durch einen Betäubungspfeil narkotisiert und danach in seinen Stall gebracht werden.

Von seinem tiefer liegenden Gehege aus habe der Gepard das vorbeilaufende Pony wohl für eine Gazelle gehalten, vermutete Encke. Allerdings hätte der 40 Kilo wiegende "Turbo" gegen das 120 Kilo schwere Pony keine Chance gehabt. Der Angriff des Gepards sei aber kein Zeichen für eine Verhaltensstörung, betonte Encke. Vielmehr habe der Gepard gezeigt, dass er extrem fit sei. Auch in der freien Wildbahn komme es ab und zu vor, dass ein Gepard die Größe und Stärke seiner Beute unterschätzt und dann den Kürzeren zieht.

Eine Erhöhung der Mauer an der Ausbruchsstelle soll derartige Zwischenfälle in Zukunft jedoch verhindern, versicherte der Tiergartenchef. Bis dahin will der Zoo den Gepard in einem Nachbargehege unterbringen; dieses sei für Tiergartenbesucher nicht einsehbar. Zudem sorge dort ein nach innen geneigter Zaun dafür, dass "Turbo" nicht mehr ausbüxen kann. Im Moment ruht sich "Turbo" nach Enckes Angaben noch von der Aufregung und den Strapazen des Ausbruchs im Stall aus. dpa