So mancher Oberlindacher hat wohl gehofft, dass die Säuleneichen am Kriegerdenkmal schnell und relativ leise abgesägt werden können, um dann schnellstmöglich wieder Gras über die Sache wachsen zu lassen. Doch lediglich das "schnelle Absägen" trat ein, Ruhe allerdings nicht.
Bürger beschweren sich und nun gibt es auch ein politisches Nachspiel. Christiane Kolbet (Die Grünen) ist der Sache nachgegangen, um herauszufinden, wie der Ablauf von Anfang bis zum Absägen stattgefunden hat. Denn: "Schade um die Bäume. Sie sollen ja im ganzen Landkreis Erlangen-Höchstadt" einmalig gewesen sein. Und jetzt sind sie weg!"

Erst mal keiner da


Denn im Gemeinderat Weisendorf seien weder das Denkmal noch die Eichen je ein Thema gewesen. "Da irrt Herr Tritthart." Um dem nachzugehen, wollte sie den Bürgermeister Alexander Tritthart (CSU) am vergangenen Donnerstag in der Sache sprechen, doch der sei im Urlaub gewesen. Sein Stellvertreter Süß sei nicht da gewesen, der Verwaltungsleiter Meyer in Urlaub.
Am Nachmittag erfolgte dann ein Anruf des zuständigen Mitarbeiters in der Gemeinde, Herbert Barth. Der erklärte, dass sich der Gemeinderat in keiner Sitzung mit der Angelegenheit befasst habe. Lediglich in der Niederschrift der Bürgerversammlung vom 6. Mai stehe, dass die benötigten Mittel für die Sanierung des Denkmals Gegenstand der Haushaltsberatungen für 2012 sein werden. In diesem Haushaltsentwurf 2012, der allen Räten zuging - und deshalb ist der Gemeinderat, laut Barth sehr wohl informiert - sind unter dem Haushaltspunkt Renovierung Kriegerdenkmal (Pkt. 1.3650.9450) 6000 Euro eingestellt. Im Anhang des Haushaltsentwurfes findet sich der Zusatz: "Laut Kostenermittlung des Bauamts: Steinmetz 4500 Euro; Kran 500 Euro; Bäume 1000 Euro. Darüber hinaus gehende Kosten sollen in Eigenleistung der Oberlindacher Bürger erbracht werden." Kolbet: "Aus der Tatsache, dass jeder Rat den Entwurf hatte, schließt Barth, dass jeder Rat informiert war."
Da die Bürger die weiteren Kosten übernehmen sollten, bot es sich laut Barth, an zu sparen. Deshalb wurde, nachdem der Haushalt beschlossen war, bei einem Gespräch noch vor Weihnachten zwischen Tritthart und den Herren Karl-Heinz Hertlein und Friedrich Mümmler, so die Angaben von Barth gegenüber Kolbet, die Beseitigung der Bäume beschlossen.
Kolbet vermutet, dass der Auftrag zur Baumfällung "explizit vom Bürgermeister kam". Die Reaktion für die Grünen-Politikerin ist klar: "Ich habe (...) Dienstaufsichtsbeschwerde beim Landratsamt eingereicht. Wir Grünen sind diese ewigen selbstherrlichen Alleingänge des Herrn Bürgermeisters gründlich leid!" Inwieweit eine Straftat (Sachbeschädigung) vorliege, werde sie mit einem Juristen klären. Aber es könne eben nicht angehen, dass ein Feuerwehrkommandant mal eben zwischen Weihnachten und Neujahr die Kettensäge schwinge, um die Bäume zu fällen.
Denn der Wunsch der Bürger sei ja verständlich, setzte aber gültige Gesetzte nicht außer Kraft. Im Artikel 18 (Mitberatungsrecht der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern heißt es unter Absatz 4: "Empfehlungen, der Bürgerversammlungen müssen innerhalb einer Frist von drei Monaten vom Gemeinderat behandelt werden." - "Und nix anderes!", erklärt Kolbet. Das heißt die "Empfehlung" der Bürgerversammlung, die Bäume zu beseitigen, hätte bis zum 6. August 2011 vom Gemeinderat in öffentlicher Sitzung behandelt und abgestimmt werden müssen. Das Landratsamt hat sich zu diesem Fall noch nicht geäußert.

Baumschutz ins Programm


Ärgerlich sei der ganze Vorgang, weil die Grünen bereits im Mai 2008 beantragt hatten, eine kommunale Baumschutzverordnung zu erlassen. Hätte es die gegeben, dann hätten diese Bäume nicht so ohne Weiteres abgesägt werden können."
Kolbet erklärt noch: "Ich gehe davon aus, dass es sich bei den gefällten Eichen um so genannte Friedenseichen handelte. Eichen wurde sehr gerne neben Denkmäler gepflanzt, die an den Krieg erinnern sollten. Insofern hat man ihn Oberlindach nicht nur Bäume, sondern Symbole umgesägt."
Die Nachfrage bei dem Unternehmen Falkenhayn-Pflanzen zu den gefällten Bäumen führte zu einer ungefähren Wertermittlung der gefällten Bäume. Achim von Falkenhayn erklärt: "Bei den gezeigten Bäumen handelte es sich wahrscheinlich um Quercus robur Fastigiata Koster." Würde er diese liefern käme der Baum auf etwa 7500 Euro pro Stück - "frachtfrei geliefert, ohne abladen."
Und auch der Bund Naturschutz zeigt sich entsetzt über den Vorgang. "Das Umsägen der zwei Säuleneichen hat uns schwer schockiert." Offensichtlich kerngesunde Bäume, so der Autor Norbert Fischer für den BN in einem Schreiben an die Weisendorfer Gemeinderäte, werden wegen egoistischer Interessen Einzelner gefällt. Er kritisiert, dass der ausgesprochene Bürgerwille bei der Versammlung noch lange keine demokratische Mehrheitsentscheidung gewesen sei.
Die beiden Bäume sind weg und der Schaden irreparabel, das heiße aber nicht, dass es keine Konsequenzen geben dürfe. Er appelliert an die Verantwortung der Räte und bittet: "Stellen Sie möglichst unverzüglich einen Antrag für eine Baumschutzverordnung für die Gemeinde Weisendorf und stimmen Sie dem zu!"
Die Städte Herzogenaurach und Erlangen haben eine derartige Verordnung schon lange.