Höchstadt a. d. Aisch
Medizin

Fränkische Ärzte fädeln Hilfe für Eritrea ein

Ein Verein von Medizinern aus der Region bildet in afrikanischen und arabischen Ländern Ärzte aus. Auch ein Höchstadter Chefarzt engagiert sich.
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Rund sechs Millionen Einwohner hat Eritrea, mehr als Norwegen. Es gibt jedoch nur ganze zwei Urologen in dem afrikanischen Land. Eine erschreckende Erkenntnis, mit der Martin Grauer deutlich macht, wie dringend in Entwicklungsländern gut ausgebildete Fachärzte benötigt werden.

Grauer ist seit diesem Jahr Chefarzt am Kreiskrankenhaus St. Anna in Höchstadt. Seit langem engagiert er sich privat in der Entwicklungshilfe. Nicht in finanzieller Art über komplizierte Förderfonds, sondern ganz praktisch.
Zusammen mit einem Netzwerk von Kollegen, vor allem vom Klinikum Erlangen, reist Grauer einmal im Jahr nach Asmara, Hauptstadt Eritreas. Ziel ist der Aufbau einer medizinischen Fachversorgung vor Ort.

"Das letzte Mal hatten wir sechs Schweinemägen aus dem Schlachthof in Erlangen mit dabei", berichtet Grauer von seiner fünftägigen Reise, von der er erst kürzlich zurück gekommen ist. Die Tiermägen seien essenziell wichtig, denn an ihnen wird trainiert. Sie sind Teil eines in Erlangen entwickelten Biomodells zum Erlernen der operativen Endoskopie.

Darmspiegeln, Abtragen von Polypen oder das Stillen von inneren Blutungen: "Wer als Arzt am Biomodell geübt hat, kann im Notfall sicherer arbeiten", sagt Grauer. Unterrichtet werden Mediziner, die in ihrem Heimatland nicht die Möglichkeit zu einer solchen Fachausbildung haben.


Keine guten Voraussetzungen

"Eritrea ist ein sehr armes Land. Die Bildungsstrukturen sind noch sehr schwach", sagt Grauer. Es gibt in Eritrea nur eine Universitätsklinik, die mit einer deutschen ungefähr vergleichbar ist. Die meisten Mediziner müssen ins Ausland gehen, um sich weiterbilden zu können. Keine guten Voraussetzungen, ein funktionstüchtiges Gesundheitssystem zu etablieren. Das will Grauer mit seinen Kollegen ändern. Sie bauen zusammen mit Ärzten vor Ort zur Zeit eine neue Hochschule für Medizin auf.


Medwork spendet Ausrüstung

Hilfe zur Selbsthilfe, das ist das Ziel, das sich die Gruppe der rund 35 ehrenamtlich tätigen Erlanger Mediziner gesetzt hat. Sie haben sich 2015 in dem Verein German Eritrean Training Partnership e.V. zusammengetan. Bereits seit 2002 gibt es ein deutsch-ägyptisches Pendant.

Über das Auswärtige Amt und den Deutschen Akademischen Auslandsdienst holen sie sich Mittel für ihre Projekte. Ein wichtiger Baustein sei jedoch auch die Unterstützung von Medizintechnikfirmen, so Grauer. Der Verein bittet dort um Spenden für die teils teure Ausrüstung. "Ein Endoskop kann schon einmal 20 000 Euro kosten", sagt Grauer, der dankbar ist über die Hilfe der Unternehmen. Auch Medwork mit Sitz in Höchstadt hat bereits Material gespendet. Aber auch andere Fachfirmen wie Storz oder Cook Medical.

Mit im Verein ist unter anderem Prof. Dr. Jürgen Maiß, Internist in Forchheim, sowie Hiwot Diebel, Endoskopieschwester in Erlangen. Diebel stammt selbst aus Eritrea. Sie habe für die deutsch-eritreische Hilfe den Stein ins Rollen gebracht, sagt Grauer, der selbst schon lange Zeit bei Projekten in der Region als Arzt tätig ist.

Begonnen habe alles damit, dass er als Medizinstudent ein Praktikum in Tansania am Fuß des Kilimandscharo gemacht hat. Seine Vorbilder seien früh schon Missionsärzte und Tropenmediziner gewesen. Über 30 Mal reiste der 52-Jährige später in die Region.

Ägypten, Sudan, Eritrea, Syrien: Grauer kennt die Verhältnisse in den Staaten, auch schon vor der Zeit des Arabischen Frühlings. "Viele Freunde dort waren hoffnungsfroh, dass etwas Neues passiert", sagt Grauer. Er sei etwas skeptischer gewesen. Die Entwicklung, nicht zuletzt in Syrien, zeige, dass Hilfe beim Aufbau von Gesellschaft und Infrastruktur dringend gebraucht werde. Hilfe, die auch aus dem Raum Höchstadt kommt.


Kommentar von Christian Bauriedel


F luchtursachen bekämpfen. Dass dies nicht eine Politikerfloskel bleibt, daran arbeitet das Hilfsprojekt in Eritrea, das Grauer und seine Kollegen organisieren. Hier sind Fördermittel ganz sicher richtig aufgehoben. Praxisnah, schnell wirksam und vor allem korruptionsfrei: Eine direktere Form von Entwicklungshilfe als die der Medizinergruppe aus Erlangen gibt es wohl nicht. Ein Musterbeispiel, wie privates Engagement eine schwache Gesellschaft stärken kann, einen Grund zur Flucht beseitigen hilft und damit Menschenleben rettet.

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