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Höchstadt a. d. Aisch
Stadtgeschichte

Folter, Pranger, Galgen: Neue Stadtführung in Höchstadt

Eine neue Stadtführung von Christiane Kolbet führt in Höchstadt in die Zeit der mittelalterlichen Strafjustiz.
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In der "Bambergischen Halsgerichtsordnung" von 1507 wird detailliert beschrieben, teils anhand von Bildern, wie mit Straftätern umzugehen ist. Repro: Staatsbibliothek Bamberg/Gerald Raab
In der "Bambergischen Halsgerichtsordnung" von 1507 wird detailliert beschrieben, teils anhand von Bildern, wie mit Straftätern umzugehen ist. Repro: Staatsbibliothek Bamberg/Gerald Raab
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Wie beruhigend menschlich der heutige Rechtsstaat ist, merkt man, wenn man sich mit dessen schauderlichem Vorgänger beschäftigt. In Höchstadt gibt es am 7. Oktober erstmals eine Führung zur Strafjustiz des späten Mittelalters. Stadtführerin Christiane Kolbet hat sich in alte Akten in der Bayerischen Staatsbibliothek eingelesen. "Fürchterlich interessant", könnte man das nennen, worauf die 54-jährige promovierte Theater- und Medienwissenschaftlerin gestoßen ist.

Frau Kolbet, wie sind Sie auf die Idee zur neuen Stadtführung gekommen?
Christiane Kolbet: Ich finde diese Themen einfach spannend. Ich habe darüber viel gelesen und bin auf viele interessante Fälle gestoßen, von denen ich in meiner Führung erzählen werde.
Schon als ich 2015 den Kurs zur Stadtführerin gemacht habe, gab es die Idee, einmal zu beleuchten, wer die Gauner und Verbrecher in Höchstadt zur damaligen Zeit waren. Und natürlich, wie es ihnen ergangen ist.

Vermutlich nicht so gut.
Das kann man wohl sagen. Ich habe mich ausführlich mit der mittelalterlichen Gerichtsbarkeit beschäftigt. Vor allem mit der "Bambergischen Halsgerichtsordnung", der Constitutio Criminalis Bambergensis aus dem Jahr 1507. Dabei handelt es sich um die Gerichtsordnung des Fürstbistums Bamberg, zu dem Höchstadt damals gehörte. Aufgestellt hat sie Johann Freiherr von Schwarzenberg.

Warum heißt das Werk "Halsgerichtsordnung"?
Der Name lässt es ja schon erahnen. In dem Buch sind alle Taten verzeichnet, bei denen hohe Strafen verhängt wurden; bei denen es buchstäblich um den Hals des Angeklagten gehen konnte. Also um den Tod durch Hängen oder Köpfen.

Welche Delikte wurden denn so drakonisch bestraft?
Falschmünzern, die bei der Münzprägung betrogen haben, ist es ziemlich übel ergangen. Diebe wurden im wiederholten Falle einer Tat gehängt. Dazu gab es die nötige Einrichtung auf dem Galgenberg. Dieser befand sich auf der Anhöhe zwischen Gremsdorf und Höchstadt. Weithin gut sichtbar zur Abschreckung. Auf Kindsmord stand der Tod durch Ertränken. Wenn man Gnade walten lies, wurde enthauptet.

Und bei weniger schwerwiegenden Taten?
Es gab damals amüsante Vorstellungen. Notorische Trinker wurden zum Beispiel in ein Fass gesteckt. Es schaute nur noch der Kopf heraus. Darüber hing als zusätzliche Strafe unerreichbar ein Glas Wein oder Bier. Für scharfzüngige Frauen, wie man damals sagte, gab es die sogenannte Halsgeige, in die sie gesteckt wurden. Quasi ein Pranger. Meist am Sonntag mussten sie dann an einem Ort stehen, an dem sie viele Leute sehen konnten.

Was muss man sich denn unter scharfzüngigen Frauen vorstellen?
Das waren Frauen, die der Lästerlichkeit bezichtigt wurden und durch all zu viel Tratschen aufgefallen sind. Zu Gericht saßen Vögte und Schöffen. Die schickten ihr Urteil nach Bamberg, wo es bestätigt oder korrigiert wurde und bekannt gegeben wurde, wie zu verfahren ist. Dann wurde vor Ort in Höchstadt vollstreckt. Die letzte Hinrichtung gab es im Jahr 1699. In meiner Themenführung gehe ich noch genauer darauf ein. Auch auf die sogenannten "peinlichen Verhöre", also die Folter. Diese hat es auch in Höchstadt gegeben, um dem Verdächtigten ein Geständnis zu entlocken.

Das klingt alles ziemlich schauerlich. Ist die Führung selbst denn auch so voller Grusel?
Trotz der harten Themen wird der Führung ihr Unterhaltungswert erhalten bleiben. Sie ist so aufbereitet, dass sie nicht zu belastend ist. Für Kinder ist sie allerdings nicht geeignet, da unter anderem Themen wie Abtreibungen oder Enthauptungen angesprochen werden. Es wird gruselig, aber nicht so, dass die Leute traumatisiert von Dannen ziehen.

Das Gespräch führte Christian Bauriedel

Termin der Führung:
Am Freitag, 7. Oktober, um 20 Uhr findet die Führung statt. Treffpunkt ist am Marktplatzbrunnen. Dauer: etwa 90 Minuten, Kosten: sechs Euro pro Person. Anmeldung unter Tel.: 0151/26211382