Höchstadt

Flüchtlinge in Höchstadt wollen die Bürger kennenlernen

Die in der Engelgasse in Höchstadt untergebrachten Asylbewerber aus Syrien möchten ganz einfach als Menschen wahrgenommen werden. Sie laden alle Bürger ein, sie kennenzulernen und mit ihnen zu diskutieren.
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Die Terroristen des IS machen auch vor syrischen Kulturgütern nicht halt. Sie sprengten den Tempel von Palmyra. Foto: Adwo/fotolia.com
Die Terroristen des IS machen auch vor syrischen Kulturgütern nicht halt. Sie sprengten den Tempel von Palmyra. Foto: Adwo/fotolia.com
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"Niemand kann sich vorstellen, wie wir Syrer leiden", sagt der erst 19-jährige Majd Baradai. Er ist aus der Zwei-Millionen-Stadt Aleppo im Norden Syriens geflohen und lebt seit September in einer dezentralen Unterkunft in der Engelgasse in Höchstadt.

Baradai wollte eigentlich studieren, "doch bei uns ist alles zerstört und zerbombt". Dass er seine Heimat verlassen muss, stand für ihn fest, als 2013 bei einem Bombenangriff auf seine Uni 130 Personen starben, darunter auch einer seiner besten Freunde. Seine Flucht gleicht der von tausenden Landsleuten. Nachdem er sich in die Türkei abgesetzt hatte, zahlte er 3300 Euro an Schleuser, um von dort bis nach Deutschland zu kommen.

Auf einem neun Meter langen Boot, das für elf Personen ausgelegt war, ging es mit 40 Flüchtlingen von der türkischen Küste nach Griechenland und dann weiter über Serbien, Ungarn und Österreich bis nach Höchstadt.

Hier erlebt nicht nur er mit Bedauern, dass der Leidensweg noch nicht zu Ende ist. "Wir werden hier noch oft als Fremde behandelt", stellt der 19-jährige Syrer immer wieder fest. Der Vorwurf, wir würden nur kommen, um Geld abzuholen, sei hundertprozentig falsch. Auch seien wir nicht hier, um zu relaxen. "Die Leute kommen vielmehr, um sich zu integrieren", versichert Baradai. "Viele Deutsche wissen nicht, wie wir Syrer leiden. Die Kinder sterben auf dem Weg zur Schule. Wenn den ganzen Tag Gewehrfeuer zu hören ist, ist das kein Spiel."


Deutsche Grammatik ist schwer

In der einen Hälfte des Anwesens in der Engelgasse sind sechs junge Männer untergebracht. Im selben Haus wohnen nebenan zwei Familien mit fünf Kindern. Und sie alle möchten so schnell wie möglich Deutsch lernen. "Wir haben täglich drei Stunden Deutschkurs", sagt Abdul Karim Barakat. Er hat in Syrien als Bankangestellter gearbeitet und würde das am liebsten auch in Deutschland tun. Ihm ist klar, dass er dafür als erstes die Sprache lernen muss. Er macht auch schon Fortschritte, "aber die deutsche Grammatik ist nicht so einfach".

Traurig sind die jungen Syrer über Erlebnisse wie jüngst in einem Supermarkt, als die Kassiererin Schwierigkeiten machte, als einer mit einer Bankkarte zahlen wollte. Sie leiden auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, wenn sie von oben herab behandelt werden, und erst recht, wenn jemand in allen Moslems IS-Kämpfer sieht.

Majd, Abdul Karim und die anderen Bewohner der Engelgasse laden Einheimische ein, sie zu besuchen und näher kennen zu lernen. Die Syrer möchten einfach ihre Situation schildern.

Diesen Wunsch will Wolfgang Kümmeth vom Helferkreis nur unterstreichen. Er, der die arabische Welt gut kennt, hat auch in Höchstadt schon viel Positives erlebt. Kümmeth fordert die Bürger auf, keine Hemmungen zu haben und seine Schützlinge anzusprechen - schon bald dürfte das auch auf Deutsch immer besser möglich sein.


Gemeinsam feiern mit den Flüchtlingen

Willkommen Flüchtlinge und Helferkreis laden am kommenden Mittwoch, 30. Dezember, alle interessierten Bürger zu einer kleinen Nachweihnachtsfeier ins Mediencafé der Fortuna Kulturfabrik ein. Beginn ist um 15 Uhr.

Dank Für die Unterstützung möchten sich die Höchstadter Flüchtlinge, der Helferkreis und die Stadtverwaltung ganz besonders bei allen privaten Spendern bedanken, bei einigen Geschäftsleuten, dem Nikolaus-Kindergarten, der Anton-Wölker- und der Berufsschule in Höchstadt.

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