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Höchstadt a. d. Aisch
Fasching

Rettungsdienste und Fasching: Arbeiten, wenn andere feiern

Für die Mitarbeiter von Rettungsdiensten und Polizei sind die närrischen Tage nicht nur Spaß, sondern auch Arbeit.
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Feuerwehr, wie hier in Memmelsdorf, Sanitäter und Polizei sind im Einsatz. Foto: Matthias Hoch
Feuerwehr, wie hier in Memmelsdorf, Sanitäter und Polizei sind im Einsatz. Foto: Matthias Hoch
An Fasching tauchen sie wieder in Scharen auf: grün gekleidete Ärzte, Krankenschwestern im weißen Kittel und der ein oder andere Polizist ist auch unterwegs. Freilich, diese Kostüme sind jedes Jahr aufs Neue bei den Faschingsnarren gefragt. Unter das bunte Treiben mischen sich aber auch Sanitäter und Polizisten, die nicht bloß verkleidet sind. Sie sorgen im Hintergrund dafür, dass nichts Schlimmes passiert.

Einer davon ist Thomas Heideloff, stellvertretender Rettungsdienstleiter des BRK Kreisverbands Erlangen-Höchstadt. Rund 20 Prozent mehr Einsätze muss das BRK Erlangen-Höchstadt während der närrischen Zeit fahren. Im Vergleich zu Wochenenden in größeren Städten falle die Faschingszeit aber nicht sehr ins Gewicht. Vor allem um gestürzte und alkoholisierte Patienten müssen sich die Einsatzkräfte kümmern. "Wenn sich jemand nicht mehr artikulieren kann, dann muss er unter Aufsicht", so Heideloff. Die größte Gefahr für Betrunkene sei, dass sie ihr Erbrochenes einatmen und ersticken. Deswegen würde bei ihnen erst einmal geprüft, ob sie noch regelmäßig atmen. Dann bringe man sie in die stabile Seitenlage. In einigen Fällen müsse außerdem ein Notarzt hinzugezogen werden. Infusionen mit Elektrolytlösungen sollen dem Patienten wieder Kraft geben.


Betrunkene nicht alleine lassen

Wichtig sei laut Heideloff außerdem, stark Alkoholisierte nicht alleine nach Hause laufen zu lassen. Zu groß sei die Gefahr, dass sie stürzen und bei den - nachts immer noch eisigen - Temperaturen erfrieren.

Jörg Raber, Leiter der BRK Rettungswache in Höchstadt, ist mit rund 15 Ersthelfern und fünf Einsatzfahrzeugen beim Höchstadter Gaudiwurm vertreten. Seiner Erfahrung nach gehe es in Höchstadt aber gesittet zu. "Man merkt, dass wir hier keine Faschingshochburg sind", sagt Raber. Die meisten Leute seien vernünftig. Das größere Problem für die überwiegend ehrenamtlichen Sanitäter sei, dass sie mit ihren Fahrzeugen wegen der vielen Menschen und Absperrungen nicht überall hin kommen. Deswegen gebe es Treffpunkte, beispielsweise am Stadttor oder im Engelgarten, an die Patienten von den Ersthelfern hingebracht werden. Von dort hole sie dann ein Krankenwagen ab, so Raber.

Jürgen Schmeißer, Leiter der Polizei in Höchstadt, berichtet, dass am heutigen Höchstadter Gaudiwurm sechs Einsatzkräfte im Einsatz seien. Die seien vor allem dafür zuständig, den Umzug zu begleiten und an gefährlichen Straßenecken zu stehen. Auch Terrorgefahren wolle man im Auge behalten. Ein Anlass zur Sorge bestehe aber nicht, so Schmeißer.

Auf der After-Umzugs-Party seien die Einsatzkräfte dafür zuständig, Alkoholexzesse zu vermeiden und mögliche Randalierer in ihre Schranken zu weisen. Dabei werde besonders darauf geachtet, dass kein Alkohol an Jugendliche ausgeschenkt wird und erkennbar Betrunkene nicht noch mehr Alkohol kaufen. "Wer den Kragen schon voll hat, muss nicht noch hinterher schütten", sagt Schmeißer.

Wer es nach dem Umzug doch übertrieben hat, für den gibt es in der Höchstadter Polizeiinspektion zwei Hafträume. Die seien vielseitig verwendbar und können auch als Ausnüchterungszellen benutzt werden, so Schmeißer. Nach der Nacht in der Zelle falle für den Inhaftierten noch ein Nutzungsentgeld, bis zu 50 Euro, und die Kosten für eine eventuelle Zellenreinigung an. Die zwei Hafträume hätten bisher an Fasching aber immer ausgereicht.


Ernüchterung am nächsten Tag

Am Tag danach seien die meisten dann wortwörtlich "ernüchtert", sagt Schmeißer. Viele Leute würden sich entschuldigen und erst einmal irritiert nachfragen, was denn überhaupt passiert sei. Aber auch Extremfälle, Leute, die pöbeln und unfreundlich sind, habe Schmeißer schon erlebt. Er weist darauf hin, dass man ab 1,6 Promille ohnehin eher Patient als Häftling sei und dann ein Arzt hinzugerufen werden müsse. Sehr stark Betrunkene würden gleich ins Kreiskrankenhaus St. Anna gebracht.


Rausch ausschlafen

Bis jetzt laufe dort alles wie immer, berichtet Verwaltungsleiter Albert Prickarz. Ein bis zwei Leute mussten wegen Alkohol behandelt werden. Er rechne damit, dass es am Faschingsdienstag noch ein paar mehr werden. "Das Bewusstsein für Alkohol ist gewachsen, was ja auch sehr positiv ist", sagt Prickarz.

Stark betrunkene Patienten würden im Krankenhaus behalten, damit sie ausnüchtern und vor Verletzungen geschützt werden. Infusionen zum Aufpäppeln seien dafür aber nicht nötig. Mit viel Schlaf lasse sich ein Rausch immer noch am besten auskurieren.

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