Baiersdorf
Brauchtum

Fasalecken vertreiben in Baiersdorf den Winter

Beim Faschingsumzug in Baiersdorf sind alljährlich außergewöhnliche Gestalten zu bewundern.
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Die Fasalecken haben auch Nachwuchs. Fotos: Manfred Welker
Die Fasalecken haben auch Nachwuchs. Fotos: Manfred Welker
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Fastnachtsumzüge gibt es viele in der Region. Aber in Baiersdorf wird mit den Fasalecken und den Strohbären am Fastnachtssonntag eine besondere Tradition gepflegt.

Bevor zum Abschluss die Strohgewänder der Bären auf dem Großparkplatz symbolisch verbrannt werden, ist viel Arbeit nötig. Seit elf Uhr waren am Sonntag zahlreiche Helfer in Effeltrich damit beschäftigt, die fünf Strohbären in Wickenstroh "einzukleiden". Das Wickenstroh dafür muss extra angebaut werden, weiß Bürgermeister Richard Schmidt (FW) aus Effeltrich zu berichten. Die Gemeinde hat dafür extra ein Grundstück zur Verfügung gestellt, auf dem das spezielle Stroh angebaut wird, das allerdings nicht auf herkömmliche Weise gemäht werden darf. Es wurde extra ein Fahr-Mähbinder aus einem Ort bei Kronach gekauft, damit das Stroh in der ganzen Länge geerntet werden kann, ebenso ein alter Gabelwender. Das Stroh wird dann bei der Baumschule Kupfer gelagert und für die Strohbären vorgehalten.

Die steife Montur macht das Gehen für die Strohbären nicht gerade einfach. Und trotzdem mussten beim Zug durch die Stadt die Treiber, wie Schäfer mit einem Fell bekleidet und einem Stab in den Händen, immer wieder versuchen, ihre Strohbären mehr oder weniger gut zu bändigen, die sich über am Straßenrand befindliche Mädchen und Frauen hermachen wollten. Viele blieben nach diesen stürmischen Annäherungsversuchen zerzaust und mit viel Stroh im Haar wieder am Straßenrand zurück.

An der Spitze des Zuges marschierte die Blaskapelle, nach den Strohbären folgten die Fasalecken mit Peitschengeknall. Das Gewand der Fasalecken wird in der Familie zuhause aufbewahrt. Die langen Bänder für das Gewand der Fasalecken können noch zum Teil in einem Geschäft in Forchheim gekauft werden oder müssen aus der Pfalz bezogen werden. Der Strohhut wird alle Jahre neu mit grünem Buchs besteckt und mit Bändern eingefasst. Charakteristisch ist es auch, dass die Mädchen der Tanzpaare in Tracht erscheinen, ebenso kleine Mädchen.
Am Großparkplatz an der Linsengrabenstraße erläuterte Monika Hofmayer, Vorsitzende des Heimatvereins Baiersdorf, die Herkunft und den speziellen Werdegang des Brauchtums um die Fasalecken. Vermutlich entstand dieses ursprünglich aus dem Brauch des "Todaustragens" am Sonntag Laetare in der Fastenzeit. Mit dem Stroh wurde symbolisch der Tod verbrannt. Allerdings verwischte sich im Laufe der Zeit die ehemalige Bedeutung immer mehr.

Der Brauch ruhte für längere Zeit, bis erstmals wieder 1926 der Effeltricher Gastwirt Kotz für seine "Oberdörfer" Burschenschaft die Erlaubnis erwirkte, nach Baiersdorf ziehen zu dürfen, was allerdings in diesem Jahr kaum beachtet wurde. Eduard Rühl, der Vorsitzende des Heimatvereins Erlangen, interpretierte die Aktion als Winteraustreiben. 1931 wurde die Effeltricher Abordnung erstmals vor dem Rathaus in Baiersdorf offiziell begrüßt und mit einem Geldpräsent belohnt. Nach der Festansprache Rühls erfolgte der traditionelle Heischegang durch die Stadt. Dabei handelt es sich um einen Heischebrauch, mit dem die Akteure in früheren Zeiten ihren Tribut einforderten - Geld, Essen oder alkoholische Getränke.

Unterbrochen durch den Zweiten Weltkrieg konnten 1947 erste Bemühungen verzeichnet werden, den Brauch erneut zu beleben. 1952 fand die nun als Winteraustreiben apostrophierte Aktion wieder als offizielle Brauchtumsveranstaltung im erweiterten Rahmen statt und ist seitdem jedes Jahr ein Anziehungspunkt für zahlreiches Publikum. Dies ist besonders den Mitgliedern des 1950 gegründeten Heimatvereins Baiersdorf zu verdanken. "Wir wollen, dass dieses alte Brauchtum erhalten bleibt", sagt Monika Hofmayer. Der Heimatverein Baiersdorf übernimmt die Verpflegung der Akteure aus Effeltrich im Feuerwehrhaus und auch auf dem Festplatz am Linsengraben können die Strohbären nach der staubigen Aktion ihren Durst aus einem alten Trinkhorn löschen.
Nach dem "Häuten" der fünf Strohbären wird das Stroh auf einen Haufen geworfen und entzündet. Begleitet von der Musikkapelle führten die Burschen mit ihren Trachtenmädchen Volkstänze um das Feuer auf. Die sechs Paare wurden durch Nachwuchsfasalecken verstärkt. Ganz Mutige sprangen am Schluss sogar über das niedergebrannte Feuer.

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