Etwa 12 000 Menschen pilgerten in dieser Woche nach Berlin, um gegen die geplanten Kürzungen der Solarförderung zu protestieren. Mit dabei waren auch rund 50 Mitarbeiter der Firma Sunset Solar aus Adelsdorf. "Es war gut und wichtig, dass wir dort waren und gezeigt haben, dass wir damit nicht zufrieden sind. Was es bringt - da bin ich nicht sicher", sagt Olaf Fleck, Geschäftsführer der Firma mit Stammsitz in Adelsdorf.
Und nicht nur dort - an allen deutschen Standorten der Sunset Gruppe wurde am Montag die Arbeit niedergelegt. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das im Jahr 2000 in Kraft getreten ist, regelt die Einspeisevergütung. Diese soll nun gekürzt werden. Außerdem sollen die Anlagenbesitzer dazu verpflichtet werden, einen Teil des von ihnen erzeugten Solarstroms selbst zu verbrauchen und zu vermarkten.

Kein Verständnis für Kürzungen


"Dass erneuerbare Energien zu Anfang unterstützt werden müssen, war von Beginn an klar", sagt Unternehmer Fleck. Auch konventionelle Energien seien unterstützt worden und das schon um einiges länger als die erneuerbaren. Ebenso sei klar gewesen, dass diese Förderung mit der Zeit immer geringer werden wird. Da die Preise für Solaranlagen sinken, sei für Fleck auch weniger Hilfestellung notwendig. Doch wie und in welchem Ausmaß diese Kürzungen nun angedacht sind, dafür hat Fleck kein Verständnis.
Die Verantwortlichen in Berlin sehen in der Kürzung keine unrechtmäßigen Einschnitte. Bundesumweltminister Röttgen (CDU) erklärte in einer Rede im Februar, dass die Förderungen bisher schlichtweg zu hoch waren. Nicht nur kleine Anlagen von Privatpersonen, auch große Feldanlagen sind von den Kürzungsplänen betroffen, und das wesentlich massiver. Erklärtes Ziel der Regierung sei es dabei, die Förderung solcher Anlagen zu deckeln.
"Eine solche Limitierung darf es aber nicht geben. Nicht, wenn wir eine Energiewende wirklich haben wollen", sagt Olaf Fleck. Hinter den Kürzungsplänen stecke laut Fleck auch die Lobby der konventionellen, fossilen Energien: "Es geht nur ums Geld - um richtig Geld!"
Die vier Großen der konventionellen Energien stehen mit den Vertretern der erneuerbaren in Konkurrenz. Anfangs sei man von den etablierten Konzernen verlacht worden, erinnert sich der Sunset-Chef. Doch seit die Energiewende bundesweit Thema ist, würden die vier Monopolisten um ihr Geschäft bangen. Durch die Förderungskürzung soll laut Fleck der Erfolg der erneuerbaren Energien gebremst werden, damit die Branche der konventionellen Energien weiterhin an ihr Geld kommt. Dies stoße bei ihm auf absolutes Unverständnis.
Werden die Kürzungspläne aber dennoch wie angekündigt durchgeführt, schieße man sich damit selbst ins Knie. "Die Einspeisevergütung brachte Deutschland weltweites Lob ein, Deutschland war hier Vorreiter - mit der Idee und auch auf wirtschaftlicher Seite", sagt Fleck. Doch die Kürzung der Solarförderung führe dazu, dass Deutschland seine Reputation in Sachen Energie- und Wirtschaftspolitik verliere. "Mit dem, was wir derzeit in Deutschland negativ verändern, konterkarieren wir das, was wir vor ein Paar Jahren dem Rest der Welt publiziert haben", beklagt Fleck.

Auslagerung ist nicht geplant


Er fürchtet als Folge, dass niemand mehr die deutsche Solartechnik haben wolle und das, was hier aufgebaut und vorangetrieben wurde, beispielsweise von der chinesischen Industrie abgegriffen werde. Auch die Firma Sunset habe Produktionsstandorte in anderen Ländern, wie Singapur oder Ägypten, doch dort werde überwiegend für den Bedarf vor Ort produziert. Aber eine Auslagerung seiner deutschen Produktionsstätten hat er nicht vor.
Insgesamt seien die geplanten Einschnitte für Fleck "wirtschaftlich höchst gefährlich". Bereits die Ankündigungen hätten andere Firmen, auch in Mittelfranken, in arge Bedrängnis gebracht. Der Vorteil seiner Adelsdorfer Firma, die seit mittlerweile mehr als 30 Jahren besteht, liege Fleck zufolge in der "typischen grundsoliden mittelständischen Einstellung". Der zentrale Punkt dabei sei die langjährige Mitarbeiterbindung.
Momentan arbeiten rund hundert Angestellte im Adelsdorfer Hauptsitz der Firma. Und Fleck will sie alle auch weiterhin beschäftigen. Wenn er jemanden einstelle, sollte der auch bis zur Rente bleiben. Doch ob das weiterhin möglich sein wird, sei angesichts der geplanten Einschnitte fraglich. Flecks Mitarbeiter "werden sicherlich noch mehr zusammenhalten müssen", sagt er.
Aber nicht nur reine Solarfirmen, auch Elektriker, Heizungsbauer und andere Kleinbetriebe, die sich - anders als Sunset - aufs lokale Umfeld beschränken müssen, leiden unter den möglichen Folgen der Politik "unserer Nicht-Freunde", wie Fleck sie nennt. Die Zahl der Beschäftigten, die von der geplanten Kürzung betroffen wären, werde also gewaltig unterschätzt. "Man darf nicht vergessen, wie viele Menschen auch in den Bereichen Installation und Service tätig sind", sagt der Solar-Unternehmer.