Adelsdorf
Geld

"Es gab Gewinner und Verlierer"

Vor 15 Jahren ersetzte der Euro die D-Mark. Ein Banker und ein Kaufmann erinnern sich an die Umstellung.
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Zum Abschied der alten Währung wurde ein 1-DM-Stück in Gold herausgegeben. Die Münze, die damals 250 Mark kostete, war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Heute wird sie um die 600 Euro gehandelt.  Foto: Jürgen Gärtner
Zum Abschied der alten Währung wurde ein 1-DM-Stück in Gold herausgegeben. Die Münze, die damals 250 Mark kostete, war innerhalb kurzer Zeit ausverkauft. Heute wird sie um die 600 Euro gehandelt. Foto: Jürgen Gärtner
Mit dem DM-Beendigungsgesetz verlor das DM-Bargeld nach Ablauf des 31. Dezember 2001 die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel. Seit 15 Jahren hat die gute alte D-Mark ausgedient, sie wurde vom Euro abgelöst, der inzwischen die amtliche Währung in vielen Ländern Europas ist. Dennoch waren nach Angaben der Deutschen Bundesbank Ende November dieses Jahres 167 Millionen DM-Scheine und 23,5 Milliarden DM-Münzen immer noch nicht zurückgegeben.
Christoph Reuß arbeitet in Adelsdorf in der Sparkasse und geht mit Ende des Jahres nach fast 50 Dienstjahren in den Ruhestand. Er erinnert sich noch gut an das Ende der D-Mark, wie er im Gespräch verrät.

Wie erlebten Sie den Jahreswechsel 2001 auf 2002? Sie saßen damals noch im "Glashaus" und waren für die Geldausgabe zuständig.
Christoph Reuß: Der erste Tag war sehr stressig. Die Startersets kamen etwa eine Woche vorher und wurden gut angenommen, die Neugierde war damals sehr groß.

Wie war die Reaktion der Kunden auf die Umstellung?
Die Kunden reagierten damals sehr unterschiedlich auf die neue Währung. Zum einen war ein großes Interesse an dem "neuen" Geld vorhanden, aber gerade die älteren Leute fühlten sich unsicher und hätten lieber ihre alte Währung behalten.

Kommen heute noch Leute und wollen DM (Scheine und Hartgeld) umtauschen und ist das überhaupt noch möglich. Gibt es eine Umtauschfrist und wo kann man DM umtauschen?
Ja, hin und wieder kommen Kunden und möchten etwas tauschen. Das wird aber immer seltener. Der Umtausch von DM-Banknoten und -Münzen ist allerdings nur bei den Filialen der Deutschen Bundesbank möglich. Eine Umtauschfrist gibt es noch nicht. Für unsere Kunden wäre hier in Nürnberg bei der Bundesbank die nächste Anlaufstelle.

Wie ist der Umrechnungskurs heute?
Der Umrechnungskurs ist seit der Euro-Einführung unverändert 1 Euro = 1,95583 DM.

Glauben Sie, dass in Adelsdorf noch große DM-Bestände in Schubladen, Schränken usw. liegen? Es wurden ja immerhin in ganz Deutschland mehrere Milliarden DM (12,73 Milliarden DM entsprechen 6,51 Milliarden Euro) nicht eingetauscht.
Das ist wirklich schwer zu sagen. Ich vermute schon, dass noch einige DM in den Schubladen liegen. Manche Leute wollten sich bestimmt ein paar Banknoten und Münzen als Erinnerung aufheben und vermutlich gab es auch Leute, die aus Angst vor dem Euro nicht ihr ganzes Geld wechselten.

Den Euro nannte man auch "Teuro". Stimmt diese Bezeichnung so?
Dieser Begriff ist mir bekannt. Er wurde zu Beginn von verschiedenen Medien manifestiert. Das trifft allerdings nicht wirklich zu. Es gab zwar damals teilweise Preiserhöhungen von Waren und Dienstleistungen, allerdings konnten über einen längeren Zeitraum keine ungewöhnlichen Preissteigerungen festgestellt werden.

Kann man in Adelsdorf noch in Geschäften mit DM zahlen?
In Adelsdorf ist mir aktuell kein Geschäft bekannt, das heute noch DM annimmt. Allerdings kann man bei allen Obi-Geschäften auch heute noch bei bestimmten Aktionen mit DM zahlen.

Auch Manfred Degen von der Firma Degen Food GmbH & Co am Sportplatz 3 erinnert sich an die Euroumstellung. Zur Umstellungszeit war sein Supermarkt noch in der Bahnhofstraße.
Wie war die Geldumstellung im Supermarkt - die Umstellung in den Kassen, das neue Geld - war eine doppelte Kassenführung nötig? Die Preisauszeichnung war ebenfalls in zwei Währungen oder wie war es damals?
Manfred Degen: Sehr, sehr aufwendig. Alles musste ja doppelt gemacht werden. Preisauszeichnung, zwei Währungen an der Kasse, Kassenabrechnung in zwei Währungen und dies alles mit einer Vorbereitungszeit von mindestens zwölf Monaten. Aber es hat ja Gott sei Dank gut geklappt und war nur möglich mit einer gut funktionierenden IT.

Nehmen Sie heute auch noch DM an?
Nein, das wäre zu aufwendig und auch die Rückgabe der DM ist sehr umständlich.

Haben Sie selber zu Hause noch irgendwo DM liegen?
Ein paar Pfennig schon. Wird aber aus nostalgischen Gründen nicht getauscht.

Fanden Sie die Umstellung gut?
Es gab hier, wie immer im Leben, bestimmt Gewinner und Verlierer. Unserem Exportgeschäft hat es sicher gut getan, jeder Einzelne hat bestimmt nicht immer mehr Geld zur Verfügung.

Die Gespräche führte
Johanna Blum.
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