Erlangen
Bahnprojekt

Erlanger Stadtrat stimmt für Stadt-Umland-Bahn

Der Erlanger Stadtrat hat sich für das 400-Millionen-Euro-Projekt ausgesprochen. Eine Stadt-Umland-Bahn könnte Staus mindern, die jeden Tag bei Herzogenaurach auftreten.
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Die "Seekuh", die dampfend am Bahnhof Erlangen-Zollhaus einlief, war im Grunde die erste Stadt-Umland-Bahn. Sie führte von Erlangen über Eschenau nach Gräfenberg. Die Aufnahme aus dem Jahr 1963 zeigt ein Stück der Trasse, das auch heute wieder genutzt werden soll.  Foto: Archiv
Die "Seekuh", die dampfend am Bahnhof Erlangen-Zollhaus einlief, war im Grunde die erste Stadt-Umland-Bahn. Sie führte von Erlangen über Eschenau nach Gräfenberg. Die Aufnahme aus dem Jahr 1963 zeigt ein Stück der Trasse, das auch heute wieder genutzt werden soll. Foto: Archiv
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Kein anderes Thema hat die Stadt Erlangen und den Landkreis in der letzten Zeit so beschäftigt wie die Stadt-Umland-Bahn (StUB). Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU) spricht von der wichtigsten Entscheidung seit Langem. Die Stadt Nürnberg und der Kreistag von Erlangen-Höchstadt hatten schon ein positives Votum abgegeben.

"Bei einer Verringerung des Verkehrsaufkommens um gerade einmal drei Prozent und einer geplanten Investition von über 100 Millionen Euro wird klar, dass die StUB nicht tragbar ist. Vor allem im Hinblick auf die Schuldensituation der Stadt. Die Firmen und das Krankenhaus haben sich der Zusammenarbeit verweigert", erklärte Balleis. Das regional optimierte Busnetz (RoBus) sei nicht nur günstiger, sondern weitaus flexibler.

"Das Bussystem besteht unverändert seit 30 Jahren und ist mittlerweile nicht mehr zeitgemäß", trat Harald Bußmann von der Grünen Liste dem Oberbürgermeister entgegen. "Sie haben nicht mit der lokalen Wirtschaft verhandelt, sondern nur Appelle an die Firmen gerichtet".

Die Sitzung stieß auf großes Interesse der Öffentlichkeit. Viele Erlanger Bürger verfolgten die Ausführungen der Fraktionen. Wie hitzig die Debatte der vorhergehenden Monate war, konnte man an den Kommentaren im Publikum ablesen. Zwischenrufe wie: "Die Zahlen stimmen nicht!" oder "Richtig so!", sogar das Wort "Saustall" ist gefallen, begleiteten die Tagung des Stadtrates.

Der CSU ist es zu teuer


Der Fraktionsvorsitzende der CSU, Peter Ruthe, schloss sich der Haltung des Bürgermeisters an. "Bei einer Gesamtverschuldung von 215,9 Millionen Euro können wir uns die StUB nicht leisten. Das Geld müsste an anderer Stelle wieder in die Kasse kommen, etwa über eine Erhöhung der Gewerbesteuer, was sich dann wieder auf die Preise auswirkt."

Anette Wirth-Hücking (FW) entschied sich ebenfalls gegen die Bahn. "Es gibt gute Gründe für die StUB. Sie ist schnell, gut für den Wirtschaftsstandort und reduziert den CO2 -Ausstoß. Aber: Sie ist kaum finanzierbar, die Kalkulation hat nicht alle Eventualitäten berücksichtigt." Einzelstadträtin Barbara Grille, ehemals CSU, lehnte den Antrag ebenfalls ab. Schon jetzt sei durch die unnötige Debatte zuviel Zeit für andere Initiativen vergeudet worden. "Was ist mit der Jugendarbeit und dem Ausbau des Angebotes an Sportanlagen? Hier würden dann wichtige Gelder fehlen", sagte Grille.

Viele Mitglieder des Stadtrates verwiesen auf die vorhandenen Möglichkeiten zur Entlastung des Verkehrsaufkommens. Anette Wirth-Hücking etwa fordert eine Optimierung des Parkraummanagements. "Was ist mit dem Park and Ride-System?"

Letztendlich haben sich die Befürworter in der Abstimmung durchgesetzt. Die Abgeordneten der SPD, FDP, Linke, Grüne Liste, Piraten und der ÖDP stimmten für den Antrag auf Fördergelder durch die Landesregierung. Wie kontrovers die Angelegenheit ist, verdeutlichen die beiden Stimmen für die StuB aus den Reihen der CSU.

Florian Janik (SPD) warf dem Oberbürgermeister vor, die öffentliche Debatte unsachlich und unseriös geführt zu haben. "Sie waren wankelmütig. Als eigentlicher Metropolregionalist wenden Sie sich plötzlich von dem Projekt ab. Der Schaden für die Bürger wäre dann aber immens", so der Fraktionsvorsitzende. Eigentlich sei die Stadt-Umland-Bahn kein parteipolitisches Projekt, sondern eine Maßnahme zur Förderung der Wirtschaft und daher dringend notwendig.

Die anderen Parteien schlossen sich der SPD an, aber nicht vorbehaltlos. Lars Kittel (FDP) warnte, dass die StuB nicht alle Probleme löst und fordert eine offene Informationspolitik während der Planungsphase. "Wer die StuB um jeden Preis will, muss auch jeden Preis bezahlen", warnt er.

Bürger sollen mitentscheiden


Frank Heinze, Stadtrat der Piratenpartei, geht noch einen Schritt weiter. "Wir fordern, die Bürger an dem Prozess direkt durch Befragungen zu beteiligen. Die Erlanger sollen Gelegenheit erhalten, über die Planung mit abzustimmen." Eine Forderung, die auf breite Zustimmung gestoßen ist.

Die geplante Strecke verbindet Erlangen mit Nürnberg-Wegfeld, Herzogenaurach und Uttenreuth. 100 Millionen Euro müsste die Stadt Erlangen selbst aufbringen, auch wenn die Fördergelder bewilligt werden. Die Frage der Finanzierung, der am kontroversesten diskutierte Aspekt, hat die Diskussion so sehr dominiert, dass die Politik einen Sicherheitsmechanismus eingebaut hat. Sollten die Kosten für das Projekt unverhältnismäßig hoch ausfallen, wird der Bau der StUB eingestellt.


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