Erlangen
Grossprojekt

Erlanger Gartenschau wird zum Streitthema

Die Vorbereitungen für die Landesgartenschau 2024 in Erlangen gehen in die nächste heiße Phase. Eine neue Bürgerinitiative will das Vorhaben verhindern.
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Im März war das Bewerbungskonzept auf dem Dach des Parkhauses am Großparkplatz vorgestellt worden. Links Oberbürgermeister Florian Janik. Foto: Stadt Erlangen
Im März war das Bewerbungskonzept auf dem Dach des Parkhauses am Großparkplatz vorgestellt worden. Links Oberbürgermeister Florian Janik. Foto: Stadt Erlangen
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In acht Jahren soll Erlangen aufblühen. Besonders im Regnitzgrund rund um die Wöhrinsel will die Hugenottenstadt bei der Landesgartenschau im Jahr 2024 mit viel Grün punkten. Die Flussauen bei der Wöhrmühlinsel sollen "zu einem grünen Bindeglied" zwischen der Innenstadt und dem Stadtwesten entwickelt werden. So hat es die Stadt in ihrem erfolgreichen Bewerbungsschreiben formuliert. Genau daran entzündet sich die Kritik einer neu gegründeten Bürgerinitiative, die die Blumenschau im Landschaftsschutz- und Überschwemmungsgebiet stoppen will.

"Es wird eine Unterschriftensammlung für einen Bürgerentscheid gegen die Gartenschau geben", kündigt Frank Höppel, ÖDP-Stadtrat und Sprecher der Bürgerinitiative "Stopp die Landesgartenschau" am Mittwoch gegenüber dieser Zeitung an. Mindestens 6000 Unterschriften wolle man ab Dezember in Erlangen sammeln, um die Gartenschau per Abstimmung zu verhindern. Derweil treibt die Stadt die Pläne weiter voran.

Oberbürgermeister Florian Janik (SPD) ist seit dem Zuschlag im Mai die treibende Kraft hinter dem Projekt. "Danke an alle, die bisher mitgearbeitet haben. Bis 2024 gibt es viel zu tun! Packen wir es an", freute sich Janik im Frühjahr, als Umweltministerin Ulrike Scharf (CSU) der Hugenottenstadt die frohe Botschaft offiziell überbrachte.


Städtebauliche Chancen

Auch die FPD in der Ampelkoalition im Erlanger Rathaus ist für die Gartenschau. Selbst der grüne Koalitionspartner ist trotz ökologischer Bedenken dafür. Grünen-Stadtrat Harald Bußmann verweist besonders auf die städtebaulichen Chancen, die eine Gartenschau bietet. Nach der Schau soll rund um den Großparkplatz ein neues Stadtquartier entstehen.

Die Idee dahinter ist denkbar einfach. Die ebene Parkfläche zwischen Bahnhof und Autobahn soll verschwinden. Stattdessen sollen Parkhäuser entlang der Autobahn 73 ("Frankenschnellweg") gebaut werden. Dadurch sollen die Stellplätze für die wirtschaftlich wichtigen Shopping-Touristen aus dem Umland erhalten bleiben. Gleichzeitig sollen auf den freiwerdenden Flächen neue Wohnräume entstehen. Wie das ganz genau aussehen soll, ist noch offen. Immerhin hat man im Rathaus schon einen Namen für das neue Quartier rund um den heutigen Großparkplatz gefunden: "Regnitzstadt".

Nur mithilfe der Landesgartenschau sei es laut Grünen-Stadtrat Bußmann finanziell für die Stadt möglich, drei Ziele gleichzeitig zu erreichen. Erstens würde eine Freizeitfläche in Citynähe realisiert. Damit, so das Kalkül, würden die restlichen Flächen entlang des Flusses von der Bevölkerung verschont. Zweitens könnte im Rahmen des Projektes eine Brücke über die Autobahn finanziert und gebaut werden. Damit könnte die Innenstadt näher mit dem Stadtwesten zusammenwachsen. Drittens würde der Großparkplatz ("Flächenverschwendung") langfristig verschwinden.

"Ich sehe die Gartenschau als Mittel zum städtebaulichen Zweck", betont Bußmann deshalb. Die "unvermeidliche Blümchenschau" nehme man nebenbei in Kauf.

Auch die CSU in Erlangen ist für die Gartenschau. "Städtebaulich ist das eine Riesenchance, die Innenstadt mehr an den Wiesengrund zu bringen", sagt beispielsweise CSU-Stadtrat Jörg Volleth. Fehlende Freiräume und Grünflächen seien in Erlangen ein Riesenproblem.

Alle Befürworter verweisen auf die kräftige Finanzspritze des Freistaates für die Schau. Ohne das Geld aus München könnte Erlangen sich eine Gartenschau wohl nicht leisten, sind sich die meisten einig. Viele Befürworter verweisen wie CSU-Stadtrat Volleth auf das Positivbeispiel Bayreuth. Die dortige Gartenschau ist gerade mit einem Besucherrekord erfolgreich zu Ende gegangen. Über Eintrittsgelder versuchen die Gartenschau-Städte die Investitionskosten zu amortisieren. In Bayreuth ist dieser Plan offensichtlich aufgegangen.


Zu hohe Lärmbelastung?

Gartenschau-Kritiker wie ÖDP-Stadtrat Höppel verweisen dagegen auf das Negativbeispiel Traunstein. In Oberbayern sei die geplante Landesgartenschau 2022 im Frühjahr per Bürgerentscheid abgewählt worden. Gleiches wünscht sich Höppel für Erlangen. Er lehnt den Standort nicht nur aus ökologischen Gründen ab. Höppel findet, das Areal sei wegen der Nähe zur Autobahn aufgrund der Lärmbelastung unattraktiv. Weder für eine Gartenschau noch für eine spätere Freizeitnutzung sei die Fläche geeignet.

Derweil geht das Thema Landesgartenschau in die nächste heiße Phase. In der kommenden Woche beschäftigt sich der Umweltausschuss mit den Plänen. Eine zentrale Rolle wird wohl die Bürgerbeteiligung spielen. Dahinter dürfte das Kalkül stecken, der Kritik der Gartenschau-Gegner schnell den Wind aus den Segeln zu nehmen. Im Stadtrat sind neben der ÖDP auch die Freien Wähler gegen die Gartenschau. Bereits Ende des Monats soll das Projekt im Stadtrat auf der Tagesordnung landen. Hier haben die Befürworter eine große Mehrheit.


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